(„Der Samurai“ directed by Till Kleinert, 2014)

Der Samurai

„Der Samurai“ ist seit 31. März auf DVD erhältlich

Mit frischem Fleisch versucht Jakob (Michel Diercks) einen Wolf von den Menschen fernzuhalten, der nahe der deutsch-polnischen Grenze umherstreift. Doch noch etwas anderes scheint da in der Dunkelheit der Wälder zu lauern. Tatsächlich stößt der junge Dorf-Polizist eines Nachts auf einen seltsamen Mann (Pit Bukowski), der ein Frauenkleid trägt und ein japanisches Langschwert bei sich trägt. Woher er es hat, verrät er nicht, auch nicht wie er heißt oder was er von ihm will. Und noch bevor er eine Antwort darauf erhält, muss Jakob mitansehen, wie der Fremde sein Heimatdorf unsicher macht und dabei eine Spur der Verwüstung hinter sich lässt.

Deutschland und Horrorfilme, das war in der Vergangenheit keine immer so glückliche Kombination. Das mag teilweise dem Vorurteil verschuldet sein, dass hiesige Filmemacher sich nicht auf Genrefilme verstehen und deren Ansehen nicht so wahnsinnig hoch ist. Teilweise ist es aber auch oft traurige Realität. Während es eine ganze Reihe interessanter Thriller in den letzten Jahren zu bestaunen gab (Du hast es versprochen, Stereo, Die Frau hinter der Wand), wird es beim härtesten aller Genres oft unfreiwillig komisch (Sin Reaper, Bela Kiss: Prologue).

Till Kleinert zeigt nun bei seinem Abschlussfilm, dass das auch deutlich besser geht, und das sogar ohne dabei ständig auf die großen Kollegen aus Übersee schielen zu müssen. Wenn überhaupt, dann stehen Vergleiche zu Silent Hill oder Der Babadook an, vielleicht auch zum Fantasyklassiker Zeit der Wölfe, bei denen ebenfalls das Grauen eine stark psychologische Komponente hat. Dass da etwas nicht stimmt in diesem kleinen, namenlosen Dorf in Brandenburg, daran besteht von Anfang an kein Zweifel, wenn eine verfremdete Musik durch die entlegene Szenerie wabert. Doch worum es hier eigentlich genau geht, das bleibt recht lange im Unklaren, wird auch nie wirklich ausformuliert. Allgemein ist Der Samurai kein Film der klaren Worte oder Themen, vieles spielt sich hier unter der Oberfläche ab, wo Träume und Leidenschaften frei umherirren, alles in Brand stecken, womit sie in Berührung kommen.

Wenn im Hintergrund die Wölfe heulen, Blut den Weg auf einem Übersichtsplan den Weg angibt, ist das hypnotisch und verstörend, immer wieder wird die Grenze zum Surrealen überschritten. Während der Film gerade durch dieses Unbestimmte lange seine Spannung bezieht, gehen zum Ende dann aber doch Kleinert die Pferde durch. Was als atmosphärischer Ausflug in die dunklen Teile der Psyche begann, wird dann zu einem recht expliziten Splatterfest. Natürlich hat auch dieses Horrorsegment seine Berechtigung und Fans, nur passt es von der Stimmung her nicht so wirklich zu den ersten zwei Dritteln des Films.

Ein weiteres Problem ist, dass Kleinert bei seinem dffb-Abschlusswerk natürlich ein recht überschaubares Budget zur Verfügung stand. Das kaschiert er zunächst geschickt mit recht einfachen Mitteln, doch wenn dann später die Fetzen fliegen, sieht das schon recht billig, sogar irgendwo lächerlich aus. Und doch: Für einen Debütanten zeigt der Nachwuchsregisseur und -drehbuchautor bereits, dass er über eine eigene Handschrift verfügt und mit der Zeit und einem noch professionelleren Umfeld spannende Geschichten erzählen könnte. Ob es so weit kommt und auch die Studios ihn dabei begleiten werden, wird sich erst noch zeigen, eine interessante Visitenkarte hat er mit dem homoerotischen Alptraum aber schon einmal abgegeben.

Der Samurai
4.2 (84%) 20 Artikel bewerten

Der Samurai
Wenn Till Kleinert in seinem Debütfilm einen schwertschwingenden Transvestiten auf ein kleines Dorf loslässt, wird es schnell surreal, homoerotisch und alptraumhaft. Während „Der Samurai“ vor allem anfangs durch seine seltsame Atmosphäre gefällt, verfällt er zum Ende hin einfachem Splatter, der auch unter seinem geringen Budget leidet.
6von 10

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