(„Home“ directed by Tim Johnson, 2015)

Home Ein smektakulaerer Trip

„Home – Ein smektakulärer Trip“ läuft ab 26. März im Kino

Die Boovs sind klein, etwas unförmig, dafür aber hoch entwickelt. Und diese Technologien nutzen sie vor allem zum Weglaufen, denn sobald ihnen Gefahr droht, packen sie ihre sieben Sachen und suchen sich einen neuen Planeten zum Besiedeln. Dieses Mal soll es nun die Erde sein, auf der sie sich vor den bösen Gorgs verstecken können. Dass ihr neues Zuhause bereits von anderen bewohnt wird, stört das Alienvolk nicht übermäßig, denn die Menschen werden einfach schnell eingesammelt und woanders in einer neuen Siedlung zwangsuntergebracht. Nur ein Mädchen konnte dem Griff der Boovs entkommen: die 11-jährige Tip. Zusammen mit dem Außenseiter-Außerirdischen Oh macht sie sich auf die Suche nach ihrer Mutter, schließlich hat der nach einem kleinen Malheur seine eigenen Gründe, das Weite zu suchen.

Liebhaber computerberechneter Animationsfilme können sich über eine mangelnde Auswahl wahrlich nicht beklagen: Jedes Jahr werden einige Dutzend davon produziert, viele davon sogar mit hohem Aufwand. Allein dieses Jahr schafften es hierzulande so unterschiedliche Werke wie Baymax – Riesiges Robowabohu, Manolo und das Buch des Lebens, SpongeBob Schwammkopf 3D oder Asterix im Land der Götter in die Kinos. Nachteil des großen Angebots: Es wird zunehmend schwieriger, in der Flut an Neuerscheinungen noch herauszustechen. Um dieses Kunststück doch zu schaffen, verlassen sich viele Studios auf knuffige Protagonisten, ungewöhnliche Geschichten, bekannte Namen und eine immer dankbare junge Zielgruppe. Auch Home – Ein smektakulärer Trip, der mittlerweile 31. Film von DreamWorks Animation greift auf diese bewährten Zutaten zurück – jedoch ohne Erfolg, obwohl mit Tim Johnson (Antz, Ab durch die Hecke) ein erfahrener Regisseur die Leitung übernahm.

Dabei ist die Ausgangslage sogar noch recht vielversprechend. Eine kleine Alienrasse, die ständig neue Planeten besiedelt, um sich dort zu verstecken, das ist mal etwas Neues. Witzig gestaltet sind sie auch, das hohe Budget von 132 Millionen Dollar schlägt sich zudem in der sehr ansehnlichen Optik nieder. Doch am Ende macht die Verfilmung des Kinderbuchs „Happy Smekday oder der Tag, an dem ich die Welt retten musst“ von Adam Rex zu wenig aus dem Stoff. Ein tollpatschiger Außenseiter und ein kleines Mädchen müssen nach anfänglichen Schwierigkeiten zusammenfinden und werden dabei beste Freunde, so richtig originell ist das nicht. Und auch im weiteren Verlauf hält sich Home zu sehr an Bewährtes, wirklich überraschende Elemente tauchen keine auf, aus dem ungewöhnlichen Szenario wird ein sehr gewöhnliches Abenteuer.

Das wäre an und für sich noch nicht mal schlimm, schließlich sollen hier eher jüngere Zuschauer angesprochen werden, und die hegen beim Kinobesuch selten den Anspruch, eine noch nie dagewesene Geschichte zu hören. Für das potenzielle erwachsene Publikum jedoch wird auch auf der Humorseite zu wenig geboten. Einige Einfälle sind sicher gelungen, etwa der Running-Gag, dass die Boovs ständig irgendwelche irdischen Gebrauchsgegenstände zweckentfremden, da sich ihnen der eigentliche Sinn nicht erschließt. Ansonsten beschränkt sich der Witz aber auf Grimassen und mäßig inspirierte Situationskomik. Auch die Idee, die extraterrestrischen Invasoren mit einer ganz eigenen Grammatik sprechen zu lassen, will nicht recht funktionieren, ist auf Dauer eher nervig statt unterhaltsam.

Und das gilt auch für die Musik. Wer den R’n’B-Pop von Rihanna schätzt, wird sich hier wie im Himmel fühlen, denn die barbadische Sängerin ist nicht nur die englische Synchronstimme von Tip, sondern konzipierte auch den begleitenden Soundtrack. Der musste dann auch gewinnbringend eingesetzt werden: Alle paar Minuten überlagert ein neues Stück das Geschehen, egal ob nun gerade passend oder nicht, Home ähnelt irgendwann mehr einem überlangen Videoclip weniger einem Film. Da die Lieder größtenteils auch noch sehr austauschbar sind, macht sich zusammen mit dem mäßig spannenden Inhalt so auf Dauer Langeweile breit. Und das ist schade, denn sympathisch ist einem der Film ja, allein schon weil hier auch genreuntypisch Minderheiten wie Hispanics eine wichtige Rolle spielen. Aber manchmal reicht Sympathie allein dann doch nicht aus.

Home – Ein smektakulärer Trip
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Home – Ein smektakulärer Trip
Die Ausgangslage ist vielversprechend, die Optik sehr ansehnlich, sympathisch ist einem „Home“ auch. Und doch will der Funke nicht so recht überspringen, dafür ist die Geschichte später dann doch zu einfallslos und der Humor zu simpel. Hinzu kommt die penetrante Musik, welcher es – wie dem Animationsfilm allgemein – an Abwechslung mangelt.
5von 10

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