(„The Nut Job“ directed by Peter Lepeniotis, 2014)

Operation Nussknacker

„Operation Nussknacker“ erscheint am 29. Januar auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray

Wo sind nur all die Nüsse hin? Der Winter naht, doch die Vorräte im Park sind mau, unter den Tieren geht die Sorge um, wie sie so die kalte Jahreszeit überstehen sollen. Als das selbstsüchtige Eichhörnchen Surly und sein Partne in Crime – eine Ratte namens Buddy – einen Nusswagen für sich behalten wollen, ohne ihn mit anderen zu teilen, und dieser auch noch dabei zerstört wird, gibt es für die anderen nur eine Wahl: Verbannung! In der gefährlichen Stadt plötzlich auf sich allein gestellt, entdeckt Surly einen Nussladen und plant, diesen auszurauben. Was er dabei nicht ahnt ist, dass dessen Besitzer selbst Diebe sind und es auf die Bank gegenüber abgesehen haben.

Ein humorvoller Film über zwei konkurrierende Raubzüge, von denen einer von Tieren ausgeführt wird, das verspricht im Vorfeld viel Spaß. Und auch sonst standen die Vorzeichen gut, dass Operation Nussknacker ein launiger Animationsfilm hätte werden können: Mit seinem Budget von rund 40 Millionen Dollar kann es die internationale Koproduktion zwar nicht mit dem Disney-Platzhirsch Baymax aufnehmen, für eine moderne Optik reicht das jedoch allemal. Und dann wurde die Hauptrolle auch noch von Schauspieler Will Arnett gesprochen, der unter anderem auch in Ich – Einfach unverbesserlich, Arrietty und The Lego Movie Figuren seine Stimme lieh.

Schon bald folgt der freudigen Erwartung jedoch Ernüchterung, wenn nicht sogar Enttäuschung. Das Hauptproblem von Operation Nussknacker liegt dabei eindeutig auf der inhaltlichen Seite. Der kanadische Regisseur und Ko-Autor Peter Lepeniotis nahm für seine tierische Fassung des Heist Movies einen eigenen Kurzfilm von 2005 als Grundlage und baute diesen zu knapp 90 Minuten aus. Nur fehlten ihm dafür die notwendigen Ideen, selbst bei dieser überschaubaren Länge kommt es zu vielen Wiederholungen. Zu vielen. Das fällt vor allem beim Humor ins Gewicht: So mancher Witz war schon beim ersten Versuch nicht besonders lustig, diesen gleich mehrfach anbringen zu wollen, hilft dann auch nicht wirklich weiter.

Gehört die dröge Komik zum Ballast des Familienfilms, sieht es optisch beim Debüt des kanadischen Animationsstudio ToonBox Entertainment weit besser aus. Ideal ist das Gezeigte zwar nicht, dafür schwankt die Qualität der Texturen zu stark von billig bis brillant. Dafür sind die Designs der Protagonisten gelungen, die Animationen ebenfalls: Ein Höhepunkt ist der grimmige „Angry Birds“-Verschnitt, welcher als rechte Hand von Surlys geheimen Gegenspieler Raccoon dient. Absolut fantastisch ist sogar die Stadt an sich geworden, mit ihren kleinen Läden, den Bewohnern und Fahrzeugen fühlt man sich hier im positiven Sinn 50-60 Jahre zurück in die Vergangenheit versetzt, alles versprüht wunderbaren Retrocharme. Das reicht zwar nicht, um den Film insgesamt über Durchschnittsniveau hinaus zu befördern, ansehen kann man sich Operation Nussknacker aber durchaus.

Das Publikum sah das wohl ähnlich, mit einem weltweiten Einspielergebnis von über 100 Millionen schlug sich Operation Nussknacker beachtlich an den Kinokassen. Und das, obwohl er hierzulande die Lichtspielhäuser übersprang und gleich auf DVD vermarktet wird. Mag sein, dass das den verhaltenen Reaktionen der US-Kritiker geschuldet war oder auch dem etwas überinflationären 3D-Animationsangebot. Dem Publikum kann es egal sein, gerade jüngere Zuschauer bekommen hier einiges zu sehen. Bleibt nur zu hoffen, dass bei der bereits angekündigten Fortsetzung das Drehbuch ähnlich liebevoll bedacht wird wie die Verpackung, das Potenzial für einen guten Film ist zumindest da.



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Operation Nussknacker
Ein räuberisches Eichhörnchen trifft auf fiese Bankräuber, das klingt witziger, als es am Ende ist. Schuld daran ist der Mangel an Ideen und der schwache Humor, dafür entschädigen witzig designte Figuren, gute Animationen und ein wundervolles Setting mit viel Retro-Charme.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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