(„Roald Dahl’s Esio Trot“ directed by Dearbhla Walsh, 2014)

Mr Hoppys Geheimnis

„Mr. Hoppys Geheimnis“ ist seit 2. Januar auf DVD und Blu-ray erhältlich

Zurückgezogen lebt der schüchterne Mr. Hoppy (Dustin Hoffman) in seiner kleinen Wohnung, ohne dass er groß von der Außenwelt Notiz nehmen würde. Oder diese von ihm. Doch über Langeweile kann er nicht klagen, zwei Leidenschaften sind es, die dem Exil-Amerikaner den Alltag versüßen. Da wäre zum einen sein Balkon, der überquillt von Pflanzen und so zu einem kleinen Paradies inmitten des hektischen Londons wird. Und dann wäre da noch seine Nachbarin Mrs. Silver (Judi Dench), die unter ihm wohnt und die er am liebsten sofort heiraten würde – wäre da nicht die Sache mit dem fehlenden Mut. Doch dann entwickelt er einen Plan, wie er vielleicht doch noch ihr Herz erhoben kann. Und dieser Plan führt über Mrs. Silvers heißt geliebte Schildkröte Alfie.

Rund zwanzig Werke für Kinder hat Roald Dahl im Lauf seines Lebens geschrieben, noch einmal so viele Kurzgeschichtensammlungen wurden veröffentlicht. Bis heute ist der britische Schriftsteller für seine ganz eigenen Geschichten bekannt, die von skurrilen Personen geprägt waren, oft aber auch von schwarzem Humor. Dass sein Name auch mehr als zwanzig Jahre nach seinem Tod einen so hohen Bekanntheitsgrad genießt, liegt sicher aber auch daran, dass er diverse Male auf Kinoplakaten prangte: Matilda, Charlie und die Schokoladenfabrik, Der fantastische Mr. Fox, James und der Riesenpfirsich, Hexen hexen – sie alle basieren auf Erzählungen Dahls. Und auch Mr Hoppys Geheimnis hat seinen Ursprung in einem Kinderbuch, dem 1989 erschienenen „Esio trot“.

Wer den Film sieht, wird sich nicht sonderlich darüber wundern. Auch wenn Mr. Hoppys Geheimnis im Hier und Jetzt spielt, wirkt die Liebeskomödie um zwei ältere Herrschaften doch immer so, als wäre sie direkt einem Märchenbuch entnommen. Das liegt zum einen am Dekor – die unnatürlich strahlend-grünen Balkone der beiden stehen in einem enormen Kontrast zu den schlicht-bräunlichen Wohnungen –, zum anderen aber natürlich an den Protagonisten selbst: liebenswürdig, einfach, und doch sehr verschroben. In der falschen Hand kann eine solle Rolle schnell ins Lächerliche abdriften, aber wer das Privileg hat, hier auf Dustin Hoffman und Judi Dench zurückgreifen zu können, muss sich nicht wirklich Sorgen machen. Und so sind die beiden Leinwandlegenden Grund genug, sich die Verfilmung einmal anzusehen. Judi Dench bewies letztes Jahr bereits in Philomena, dass eine simple, ältere Dame oscarwürdig sein kann, bei Hoffman ist man inzwischen ohnehin über jedes Lebenszeichen froh.

Doch auch wenn die großen Namen sicherlich als hauptsächliches Lockmittel dienen, selbst ohne diese erzählt Mr. Hoppes Geheimnis eine lohnenswerte, warmherzige Liebesgeschichte, zeigt, wie man ohne viel Mut oder ein beeindruckendes Äußeres das Herz von anderen für sich gewinnen kann. Natürlich ist das ein wenig rührselig, nicht ohne Grund lief der Fernsehfilm in England an Neujahr, wo traditionell Emotionales und Aufmunterndes eine dankbare Verbindung eingehen. Wer eine realistische oder mutige Darstellung von Liebe im Alter sehen will, braucht sein Glück erst gar nicht zu versuchen. Hier soll ganz bewusst ein bisschen geträumt und geseufzt werden, aber auch gelacht, denn Hoppys absurder Plan führt ihn immer wieder in chaotische Situationen, sehr zur Erheiterung des Zuschauers.

Anders als viele Dahl-Geschichten nimmt der Humor jedoch nie eine dunklere Färbung an, sondern bleibt immer nett-harmlos. Eine Schwäche für Skurriles vorausgesetzt, wird bei Mr. Hoppys Geheimnis dennoch oft genug das eigene Zwerchfell in Anspruch genommen. Und so darf man sich nach dem knapp 90 Minuten langen Feel-Good-Movie entspannt zurücklehnen, mit einem Lächeln im Gesicht, vielleicht auch einer kleinen Träne im Auge, vor allem aber der Überzeugung im Herzen, dass am Ende doch wieder alles gut wird – und das ist nicht nur zum Jahreswechsel eine beruhigende Botschaft.

Mr. Hoppys Geheimnis
3.69 (73.85%) 13 Artikel bewerten

Mr. Hoppys Geheimnis
Wo die Liebe hinfällt: Die Geschichte um einen älteren Herren, der durch einen Trick seine Nachbarin erobern möchte, mag nicht so schwarzhumorig sein wie andere von Roald Dahl. Spaß macht der warmherzige TV-Film dennoch, dank seiner skurrilen Figuren, der absurden Situationen und der erstklassigen Besetzung.
7von 10

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