Make Love

„Make Love – Staffel 2“ ist seit 12. Dezember auf DVD und Blu-ray erhältlich

(„Make Love – Staffel 2“ directed by Tristan Ferland Milewski
, 2014)

Make love, not war“ war das erklärte Ziel der Antikriegsbewegung in den späten 60ern. Doch jenseits von romantischen Liebeskomödien wird wohl jeder irgendwann einmal feststellen, dass das nicht so einfach ist. Liebe und Sexualität, auch das kann ein Kampf sein – ein Kampf mit den Partnern, mit dem Umfeld, mit sich selbst, dem eigenen Körper. Denn was sich in der Theorie immer so schön anhört, ist im Alltag meist mit vielen Problemen behaftet, deren Lösung allein aus Schamgefühl schon schwierig ist. Wer gibt schon gerne zu, dass es im Bett nicht gut läuft?

Dabei ist das gar keine Schande, wie die Paartherapeutin, Sexologin und Autorin Ann-Marlene Henning erklärt. Drei heikle Themen greift sie in der zweiten Staffel der TV-Dokumentation Make Love auf, erläutert sie anhand von Paaren, gibt Tipps und Erklärungen zu den Hintergründen und befragt auch schon mal komplett Unbeteiligte, was sie dazu zu sagen haben. Nett, fast schon komisch ist beispielsweise, wann immer Henning sich mit ihren Landfrauen trifft, um mit den älteren Damen bei Kaffee und Kuchen über ihr Sexleben zu unterhalten.

Sex im Alter ist dann auch eines der neuen Themen, die anderen Folgen behandeln den Einfluss von Porno auf den eigenen Sex sowie das Tabu Unlust bei Männern. Allesamt also gesellschaftlich durchaus relevante Beiträge, zu denen die Therapeutin einiges zu erzählen hat. Interessant ist das Ergebnis auch, selbst dann wenn man nicht zur akuten Zielgruppe gehört, schließlich wird hier einiges über den menschlichen Körper verraten, was man selbst so vielleicht nicht wusste. Am lohnenswertesten ist Staffel 2 aber natürlich dann, wenn man sich in die Protagonisten hineinversetzen kann.

Anders als zu erwarten wäre, ist jedoch genau das allgemeinste und offene Thema – der Zusammenhang zwischen Porno und Alltagssex – das langweiligste. Nach einem interessanten Auftakt steht ein Paar im Fokus, das im Bett durchaus zufrieden ist, jedoch gerne noch mehr Optionen hätte. Das wird sicher manchen zu Experimenten inspirieren, im Vergleich zu den Problemfolgen fehlt es aber der zwingenden Relevanz, mit der Ursprungsfrage hat die Auseinandersetzung zudem kaum mehr etwas zu tun.

Zweiter Kritikpunkt an der ansonsten sehenswerten Serie ist eine gewisse Künstlichkeit. Sicher ist die Entscheidung nachzuvollziehen, mit einer gewissen Heiterkeit die Themen anzugehen, um so dem Zuschauer das Gefühl zu vermitteln, dass jedes ihrer Probleme gelöst werden kann. Nur hat dies zur Folge, dass Henning mit einem Dauerlächeln durch die Szenerie huscht, so als wäre sie gerade aus einer Verkaufsshow getürmt. Befremdlich ist auch, wenn die Betroffenen von ihren Problemen im Bett berichten, dabei jedoch äußerst ausgelassen sind, oft kurz vor einem Lachanfall stehen. An solchen Stellen ist der Versuch gescheitert, die abstrakten Themen zu personalisieren, weder die Therapeutin noch ihre Patienten wirken hier noch als glaubwürdige Projektionsfläche. Wem es mehr um die Sache geht und keine Identifikationsfigur braucht, um sich mit Sex auseinanderzusetzen, der darf über das zu oft gestellt wirkende Drumherum aber gerne hinwegsehen. Ein vollständiger Ersatz für eine eigene Beratung ist Make Love zwar nicht, dafür jedoch ein informativer Einstieg, der zumindest eins erreicht: die Angst vor unangenehmen Themen zu nehmen.

Make Love – Staffel 2
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Make Love – Staffel 2
Was mach ich, wenn’s im Bett nicht läuft? In drei Folgen nimmt sich Ann-Marlene Henning verschiedener heikler Sexthemen an, klärt auf, gibt Tipps. Das ist nicht nur für Betroffene interessant, auch wenn die zweite Folge etwas zu beliebig ist und die Gesprächssituationen zu künstlich und gestellt wirken.
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