(„The Angriest Man in Brooklyn“ directed by Phil Alden Robinson, 2014)

The Angriest Man in BrooklynWas würdest du tun, wenn du nur noch 90 Minuten zu leben hättest? Diese Frage muss sich der ewig schlecht gelaunte Henry Altman (Robin Williams) stellen, nachdem er von Dr. Sharon Gill (Mila Kunis) die vernichtende Diagnose erhalten hat. Ohne zu wissen, dass der psychisch labilen Vertretungsärztin dieses Urteil nur rausgerutscht ist, stürmt der Todgeweihte aus dem Krankenhaus. Drei Punkte sind es, die er in seinen letzten Stunden noch erledigen will: 1. Ein letztes Mal mit seiner Frau Bette (Melissa Leo) schlafen. 2. Seinem Sohn Tommy (Hamish Linklater) sagen, dass er ihn liebt. 3. Sich von seinen Freunden von früher verabschieden. Doch das ist gar nicht so einfach, denn der Miesepeter hat es geschafft, zuvor alle zu vergraulen, die ihm einmal nahe standen.

Dass der im Sommer verstorbene große Komiker Robin Williams in einer seiner letzten Rollen ausgerechnet einen Mann spielt, der nur noch kurze Zeit zu leben hat, wird The Angriest Man in Brooklyn sicher mehr Aufmerksamkeit bescheren, als es der Film ansonsten verdient hätte. Von den US-Kritikern in Fetzen zerrissen, ist die Tragikomödie aber nicht annähernd so schlecht, wie es einem manche weismachen wollten. Allein schon die versammelte Schauspiel-Prominenz – neben Williams spielen auch Mila Kunis, Peter Dinklage, Melissa Leo, James Earl Jones und Richard Kind größere oder kleinere Rollen – ist Grund genug, einen Blick auf diesen Film zu riskieren. Und die eine oder andere schöne Szene gibt es auch.The Angriest Man in Brooklyn Szene 1

Die betreffen vor allem die Momente, die Henry mit seinen Kindern zeigen. Immer wieder sehen wir in Flashbacks gemeinsame Momente der Familie, manche davon Alltagssituationen, andere etwas skurriler. Manchmal übertreibt es Regisseur Phil Alden Robinson (Feld der Träume, Sneakers) damit ein wenig und man fühlt sich als Zuschauer wie in einer Retrospektive. Und ganz zum Schluss neigt sich The Angriest Man in Brooklyn zu sehr einer Heile-Welt-Idylle, wenn nicht sogar dem Kitsch zu. Doch oft genug ertappt man sich dabei, dass einem das Geschehen nahe geht. Denn wer hat nicht unangesprochene Konflikte in einer Schublade liegen, Dinge, die man bereut? „Nutz die Zeit, die du hast, anstatt alles auf später zu verschieben“ lautet dann auch die wenig originelle, aber doch immer wieder passende Moral des Films.The Angriest Man in Brooklyn Szene 2

Während das Ziel so klar umrissen ist, war man sich auf dem Weg dorthin wohl aber nicht immer so ganz einig, welche Richtung denn nun die richtige wäre. Dass das immense komische Talent Williams’ genutzt werden sollte, ist verständlich. So ganz aufgehen wollte dieser Plan aber nicht, dafür ist der Humor zu bemüht, beschränkt sich meist darauf, den Hauptdarsteller mit nach unten gezogenen Mundwinkeln und in chaotischen Szenen zu zeigen. Wirklich witzig ist die Tragikomödie daher eher selten, passen wollen die Versuche zu dem sonstigen Ton ebenso wenig. Und auch den Einfall, einen Erzähler zu haben, der aus dem Off das Geschehen kommentiert, hätte es nicht unbedingt gebraucht – lediglich am Anfang wird er gewinnbringend eingesetzt. Und so ist der zusammengestückelte The Angriest Man in Brooklyn nicht nur ein Film über nicht genutzte Zeit, sondern auch einer über nicht genutztes Potenzial. Nett ist er trotzdem. Und wer gerade für die Weihnachtszeit einen rührenden Film sucht, der an das Familienbewusstsein appelliert, der darf ruhig mal mit dem Gedanken spielen, zusammen mit dem Wüterich Brooklyn unsicher zu machen.

The Angriest Man in Brooklyn ist seit 12. Dezember auf DVD und Blu-ray erhältlich



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The Angriest Man in Brooklyn
4 (80%) 20 Artikel bewerten

The Angriest Man in Brooklyn
So richtig genutzt wird das komische Talent von Robin Williams in einer seiner letzten Filme nicht, zusammenpassen will hier auch nicht alles. Und doch ist The Angriest Man in Brooklyn eine nette Tragikomödie mit einigen rührenden Szenen und einer immer wieder gültigen Moral.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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