(„The Stag“ directed by John Butler, 2013)

The Bachelor WeekendDie meisten Männer interessieren sich nicht wirklich für die eigene Hochzeit, überlassen die Planung der Details lieber ihren Frauen – so heißt es. Doch Fionnan (Hugh O’Conor) ist nicht wie die meisten Männer, treibt mit seinen peniblen Vorbereitungen nicht nur die Hochzeitsplanerin, sondern auch Ehefrau in spe Ruth (Amy Huberman) in den Wahnsinn. Diese entschließt daraufhin, zusammen mit seinem Trauzeugen Davin (Andrew Scott) einen Junggesellenabschied zu organisieren. Statt durch Parks und Stripclubs zu tingeln, soll der gemeinsame Ausflug mit Freunden jedoch in die Natur zum Wandern führen. Ein richtig netter Plan, wäre da nicht ein Problem: Ruths Bruder „The Machine“ (Peter McDonald) ist ebenfalls mit von der Partie – und der hält nicht viel von Plänen.

Ein Junggesellenabschied, der ausufert, da denkt der Kinogänger unweigerlich an Hangover und seine beiden Fortsetzungen. Doch mit dem oder anderen Partyabsturzfilmen wie Project X hat The Bachelor Weekend nur wenig gemeinsam. Für übergroße Absurditäten oder Exzesse interessiert sich die kleine irische Komödie nicht, hier stehen vor allem die Protagonisten im Mittelpunkt. Anstatt haarsträubende Abenteuer zu erleben, geht es also vor allem um das Miteinander, um kleine Geheimnisse, unausgesprochene Probleme und die eine oder andere Vergangenheitsbewältigung. Das ist auch nicht unbedingt origineller, Freunde, die bei einem gemeinsamen Ausflug ganz neue Seiten an sich entdecken, hat man schließlich schon häufiger gesehen.The Rover Szene 1

Umso wichtiger ist es daher, in einem solchen Fall gute Schauspieler zu gewinnen, die ihre Rollen mit Leben füllen. Zumindest in der Hinsicht hat The Bachelor Weekend einiges zu bieten, auch wenn die Rollen etwas einseitig verteilt sind: Drei der sechs Teilnehmer fungieren eigentlich nur als Stichwortgeber, auch Fionnan hat erstaunlich wenig zu sagen. Dafür reißen die beiden anderen die Aufmerksamkeit umso häufiger an sich. Andrew Scotts exzessives Minenspiel durften wir schon in Sherlock lieben lernen, und auch Peter McDonald brilliert als grobschlächtiger zukünftiger Schwager, der die selbe Anziehungskraft wie eine Zugentgleisung hat: ein Anblick, der so schrecklich ist, das man eigentlich nicht hinschauen mag, von dem man aber die Augen nicht abwenden kann.

Richtig viel Interessantes hat aber auch er nicht zu tun. Den leisen Untertönen zum Trotz setzt Regisseur John Butler, der zusammen mit McDonald das Drehbuch schrieb, vor allem auf Humor. Der ist mal witzig, vor allem wenn sich The Machine mit Simon (Brian Gleeson) Wortgefechte liefert. Oft aber auch nicht, so mancher Gag ist schlicht zu bemüht oder zu verbraucht. Während dort ein bisschen mehr Kreativität nicht geschadet hätte, wusste das Schreiberduo an anderer Stelle nicht, wo es sich besser zurückgehalten hätte: Die Marotten von Fionnan und The Machine sind schon sehr überzeichnet, fast schon Karikaturen, wodurch sich nicht so recht das Gefühl einstellen will, es mit realen Menschen zu tun zu haben.The Bachelor Weekend Szene 2

Und auch beim Dramateil wäre weniger mehr gewesen: Da wurde reingepackt, was nur irgendwie ging, ohne sich um Plausibilität oder eine richtige Auflösung zu scheren. Viel zu schnell wird hier alles zum üblichen Wohlfühlende zurechtgebogen, zum Schluss wird es sogar noch mal richtig kitschig, natürlich wird hier jeder eine wichtige Lektion fürs Leben gelernt haben. Mehr als eine nette, beliebige Komödie ist The Bachelor Weekend damit nicht geworden. Und da wäre angesichts der Schauspieler dann doch mehr drin gewesen.

The Bachelor Weekend läuft ab 6. November im Kino

The Bachelor Weekend
4.4 (88%) 10 Artikel bewerten

The Bachelor Weekend
Ein Junggesellenabschied auf Wanderwegen, das muss ja schief gehen. Auf den Film trifft das nicht zu, auch wenn die nur mittelmäßige irische Komödie zu wenig aus dem Schauspieleraufgebot macht, an einigen Stellen zu übertrieben und an anderen zu konventionell ist.
5von 10

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