(„Bayonetta: Bloody Fate“ directed by Fuminori Kizaki, 2013)

Bayonetta - Bloody Fate500 Jahre hat sie auf einem Grund eines Sees geschlafen. Doch warum, das kann Bayonetta nicht sagen, auch nicht wer sie ist oder was sie ist. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie nicht nur einer Schar blutrünstiger Engel, derer sie sich mit Hilfe eines imposanten Waffenarsenals und magischer Kräfte entledigt. Doch sie sind nicht die einzigen, die etwas mit ihrer Vergangenheit zu tun haben, auch die mysteriöse Jeanne und der Journalist Luka scheinen ständig ihren Weg zu kreuzen. Und dann wäre da noch die kleine Cereza, die darauf besteht, Bayonetta fortwährend „Mama“ zu nennen.

Videospiele sind ja eher in Ausnahmefällen für ausgeklügelte Plots oder tiefsinnige Figuren bekannt. Hat man den Controller in der Hand, lässt sich darüber hinwegsehen, gesetzt den Fall, das Gameplay stimmt dafür. Problematisch wird es jedoch, wenn das Medium hin zum Film gewechselt werden soll und dadurch der Eigenanteil am Fortgang der Handlung wegfällt. Denn für jeden gelungenen Vertreter (Silent Hill, Ace Attorney), der auch für sich alleine stehen kann, finden sich in der Geschichte der Adaptionen eine ganze Reihe von Gegenbeispielen, die so übel sind, dass sie allenfalls Trashfans ansprechen werden (Super Mario Bros., Double Dragon, Blood Rayne).Bayonetta - Bloody Fate Szene 1

Bayonetta: Bloody Fate, basierend auf dem 2009 erschienenen Actionspiel „Bayonetta“, fällt hier irgendwo in die Mitte. Schon bei der Vorlage war es weniger die Geschichte, welche Kritiker zu Begeisterungsstürmen verleiteten: Ein epischer Kampf zwischen Gute und Böse, Engel als grausame Widersacher, eine drohende Apokalypse – wer mit japanischen Videospielen oder auch Anime aufgewachsen ist, fand an dem vor Klischees triefenden Abenteuer von Bayonetta nichts, was er nicht schon anderswo gesehen hat. Dafür begeisterte das Spiel mit packenden, stylisch inszenierten Actionsequenzen, was nicht die schlechteste Voraussetzung für einen Film ist. Den Anime in Deutschland zeitgleich mit der spielerischen Fortsetzung „Bayonetta 2“ zu veröffentlichen ist ebenfalls geschickt.

Dass bei der Umsetzung die Wahl zudem auf Regisseur Fuminori Kizaki (Marvel Animated Series: X-Men) und das Animationsstudio Gonzo (Welcome to the N.H.K.) fiel, war vielversprechend, denn zusammen hatte man bereits an der actionreichen und stilisierten Mangaverfilmung Afro Samurai gearbeitet. An der Optik lässt sich dann auch tatsächlich nur wenig aussetzen: An einigen Stellen verschmelzen die detailreichen, gezeichneten Elemente und die aus dem Computer zwar nicht ganz so geschickt miteinander, die Animationen sind aber ausreichend flüssig, die futuristischen, sexualisierten und komplett übertriebenen Designs erinnern an den TV-Klassiker Aeon Flux.Bayonetta - Bloody Fate Szene 2

Und doch ist Bayonetta: Bloody Fate letzten Endes vor allem ein Fall für Fans der Vorlage, welche die graziöse und schlagkräftige Amazone noch einmal in Anime-Form bewundern möchten. Denn so groß und zahlreich die blutigen Kämpfe zwischen Bayonetta und den Engelscharen auch sein mögen, die nichtssagenden Figuren bleiben dabei auf der Strecke. Und die Spannung irgendwo auch. Oft sind die Auseinandersetzungen schon vorbei, bevor sie überhaupt richtig angefangen haben, das Gefühl einer echten Bedrohung will sich nie wirklich einstellen. Dass die Engel meist aus dem Nichts auftauchen und so erst gar nichts als ernstzunehmende Gegner aufgebaut werden können, hilft dem Film auch nicht besonders. Anschauen kann man sich das Ergebnis sicherlich trotz allem, mehr als Durchschnittsware sollte man jedoch besser nicht erwarten.

Bayonetta: Bloody Fate erscheint am 28. November auf DVD und Blu-ray

Bayonetta: Bloody Fate
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Bayonetta: Bloody Fate
Bayonetta: Bloody Fate übernimmt mit den stylischen Actionszenen die Stärken der Videospielvorlage, aber auch die klischeebeladene, langweilige Geschichte. Da zudem die Spannung eher gering ist, ragt der Anime trotz annehmbarer Optik nicht übers Mittelmaß hinaus.
5von 10

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