(„Anger Management – Season One“ directed by various, 2012)

Anger Management – Die komplette 1. StaffelSo ein Wutausbruch ist nicht nur für das Umfeld eine hässliche Angelegenheit, auch für einen selbst können die Folgen ausgesprochen unangenehm sein. Charlie Goodson (Charlie Sheen) beispielsweise war ein leidlich erfolgreicher Baseball-Spieler, bevor er mal wieder einen Rappel bekam und sich bei einer Partie selbst das Knie zertrümmerte. Bye bye Karriere, hello Therapie. Aber der Heißsporn machte das Beste aus der Situation, ließ sich selbst zum Therapeuten ausbilden und hilft nun anderen Menschen, deren Wut in den Griff zu bekommen.

Etwas mehr als ein Jahr war nach seinem unrühmlichen Rauswurf Two and a Half Men vergangen, da meldete sich das Enfant Terrible Charlie Sheen im Fernsehen mit einer neuen Show zurück. Und so ein bisschen darf man hier schon den Eindruck haben, dass Anger Management – der auf dem Film Die Wutprobe von 2003 basiert – eine direkte Reaktion auf die Erfolgsshow war. Nicht nur, dass es zum Auftakt eine Anspielung auf Sheens eigenen Ausfall gibt, seine Figur, die wieder mal Charlie heißt, ist im Grunde die gleiche Rolle, die er zuvor im Konkurrenzprodukt spielte. Hintergrund und Beruf wurden ausgetauscht, der Rest ist zum Verwechseln ähnlich.Anger Management – Die komplette 1. Staffel Szene 1

Die Charaktere zählen aber ohnehin nicht unbedingt zu den Stärken der Serie. Getreu dem Motto „mehr ist mehr“ begnügte man sich nicht mit dem Aushängeschild, sondern stellte ihm ein Dutzend weiterer Protagonisten an die Seite. Das ist nicht nur anfangs ein wenig verwirrend, wenn man von der Vielzahl an Leuten etwas überrannt wird. Problematisch ist, dass hier kaum einer die Chance bekommt, je an Tiefe zu gewinnen, das gibt das Serienformat – jede Episode dauert rund 20 Minuten und muss in sich abgeschlossen sein – einfach nicht her. Während das bei Charlies Patienten weniger tragisch ist, da sie ohnehin stark überzeichnet sind, tun sich die anderen schwer, an Kontur zu gewinnen. Vor allem Shawnee Smith als Exfrau Jennifer und Daniela Bobadilla als Tochter Sam bleiben trotz angedeuteter Spleens sehr blass, bei mancher Figur (ein Nachbar, eine Barfrau) ist lange nicht mal sicher, ob sie nun zum festen Ensemble gehören oder nicht.Anger Management – Die komplette 1. Staffel Szene 2

Am witzigsten ist Anger Management dann auch, wenn die Serie sich auf die beiden Therapiegruppen – eine in Charlies Wohnung, die andere in einem Gefängnis – konzentriert. Tiefsinnig wird es auch da nicht, doch die geschliffenen One-Liner sitzen; wenn die kauzigen Wutpatienten sich gegenseitig die Beleidigungen um die Ohren hauen oder vom sonderbaren Leben im Knast berichten, steigt der Spaßfaktor enorm in die Höhe. Auch die keine-Liebe-nur-Sex-Beziehung Charlies zu seiner Therapeutin Dr. Kate Wales (Selma Blair) ist häufiger für Lacher gut.

Doch immer wieder kommt es während der ersten Staffel auch zu Längen, einige der zehn Episoden verlieren sich in den wenig spannenden Liebesgeschichten des Schwerenöters, und Vergleichbares hat man in Two and a Half Men dann einfach schon zu oft gesehen. Fans dieser Serie oder von Sitcoms allgemein machen hier aber nichts wirklich verkehrt, dafür hält sich die wenig ambitionierte Serie einfach zu sehr ans Lehrbuch. Wer nach Sheens Ausstieg Entzugserscheinungen hat, für den gibt es hier amüsanten Nachschub und als besonderes Schmankerl einen Gastauftritt von Schauspielveteran Martin Sheen, der bei Anger Management wie im wahren Leben die Rolle des Vaters innehat.

Anger Management – Die komplette 1. Staffel
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Anger Management – Die komplette 1. Staffel
Einmal Charlie Sheen, immer Charlie Sheen: Anger Management erinnert teilweise schon sehr an Two and a Half Men, Fans der Erfolgsserie dürfen den Schauspieler hier daher in seiner Paraderolle erleben. Anspruchsvoll ist das nicht unbedingt, dafür teilweise witzig, manchmal aber auch nicht.
6von 10

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