(„Mud“ directed by Jeff Nichols, 2012)

Mud – Kein AuswegGeld? Nein, davon gibt es im Leben von Ellis (Tye Sheridan) und Neckbone (Jacob Lofland) nicht allzu viel. Ellis’ Familie lebt mehr schlecht als recht vom Fischfang, und das auch nur, weil sein Großvater ihnen die Möglichkeit dazu gibt. Während sie immer kurz vor dem Aus stehen, hat sein Freund Neckbone überhaupt keine Eltern mehr. Zwar kümmert sich dessen Onkel (Michael Shannon) um den Jungen, eine richtige Vorbildfunktion hat der Weiberheld aber nicht.

Was den beiden an Geld fehlt, machen sie aber durch Fantasie und Abenteuerlust wieder wett. Gerade der Mississippi vor der Haustür bietet immer wieder Anlass und Platz für kleine Erkundungstouren. Als sie bei einer solchen ein Boot erkunden wollen, das auf einer Insel kenterte und nun in einem Baum hängt, lernen sie den mysteriösen Mud (Matthew McConaughey) kennen. Der erklärt den 14-Jährigen, dass er dort auf seine Freundin Juniper (Reese Witherspoon) wartet und ob sie ihm nicht etwas zu essen bringen können. Misstrauisch sind sie schon, dann gewinnt in Ellis aber das Mitgefühl die Oberhand. Während sich die Jungen und der Fremde näherkommen, wird klar, dass Mud noch ganz andere Gründe hat, sich auf der Insel zu verstecken.

Kaum einer hat in den letzten Jahren wohl ein ähnlich großes Comeback eingelegt wie unser Schauspieler der Stunde Matthew McConaughey. Man wusste ja schon gar nicht mehr, dass der frühere Romantic-Comedy-Dauergast überhaupt noch drehte, und dann kehrte er auf einmal mit einer beeindruckenden Reihe höchst unterschiedlicher Filme zurück: der etwas seichte Stripperhit Magic Mike, die abgründigen Thriller Killer Joe und The Paperboy, die herrlich schwarze Komödie Bernie, die Erfolgsserie True Detective und natürlich Dallas Buyers Club, für den er vor zwei Monaten den Oscar als bester Hauptdarsteller einsackte. Für den Texaner, der von den Kritikern längst abgeschrieben worden war, dürfte die goldene Trophäe eine Genugtuung gewesen sein. Aber auch deutsche Zuschauer dürfen sich freuen, denn die neugewonnene Popularität führte dazu, dass zwei Jahre nach seiner Premiere bei Cannes auch der Film Mud – Kein Ausweg endlich seinen weg in die hiesigen Verkaufsregale schafft.IMG_5711.CR2

Und das ist tatsächlich ein Glücksfall, denn qualitativ muss sich das Südstaatendrama vor den Filmen oben wirklich nicht verstecken. Dreh- und Angelpunkt ist natürlich auch hier McConaughey selbst, der als heruntergekommener, bohnenverschlingender Ausgestoßener trotz diverser oben-ohne-Aufnahmen ganz weit weg ist von seiner früheren Paraderolle als charmanter Schönling. Richtig Abstoßend ist sein Mud natürlich nicht, Charisma kann man dem Flüchtling kaum absprechen. Aber es hält sich mit seinen dunklen Seiten die Waage, bis zuletzt bleibt die Figur so undurchsichtig wie der Schlamm, nach dem er benannt ist.

So wie bei ihm haben fast alle etwas Zwiespältiges an sich, auf Licht, Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit treffen viele Schatten, innere Dämonen, finstere Vergangenheiten oder auch einfach Frust über ein Leben, das nicht so geworden ist, wie man es sich früher einmal vorgestellt hat. Mitten in diesen Sumpf aus Verbitterung und Perspektivlosigkeit platzen dann die beiden Jungen, die mit ihrem Optimismus und den unschuldigen Idealen den Gegenpol zu der Welt der Erwachsenen bilden.IMG_9000.CR2

Geschont werden aber auch die Kinder nicht, Regisseur und Drehbuchautor Jeff Nichols (Take Shelter) verschiebt den anfänglichen Fokus von Muds geheimnisvollen Vorleben hin zu einer Coming-of-Age-Geschichte, gerade Ellis wird im Laufe des Films mehrfach feststellen müssen, dass seine Vorstellungen von Liebe in der Welt nicht ganz funktionieren. Ob man das Thema gescheiterte Beziehung jetzt gleich in drei Parallelsträngen so breittreten musste, darüber lässt sich streiten. Ebenfalls unnötig: Zum Ende hin gibt Nichols seine zurückgenommen Erzählweise auf und wird etwas arg dramatisch und actionreich.

Doch trotz dieser kleinen Schwächen, gelohnt hat sich die Wartezeit auf Mud – Kein Ausweg auf alle Fälle, und sei es nur für die Entdeckung der beiden Nachwuchsschauspieler. Die schaffen es nicht nur, etablierte Veteranen wie Reese Witherspoon und Michael Shannon an den Rand zu drängen, sie machen selbst McConaughey eine Menge Spielzeit streitig.

Mud – Kein Ausweg ist seit 13. Mai auf DVD und Blu-ray erhältlich

Mud – Kein Ausweg
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Mud – Kein Ausweg
Mit Mud – Kein Ausweg ist Jeff Nichols eine stimmungsvolle Mischung aus Südstaatenkrimi und Coming-of-Age-Drama gelungen. Ein paar inhaltliche Schwächen gibt es, dafür ist Matthew McConaughey gewohnt großartig und auch seine kleinen Kollegen haben starke Auftritte.
8von 10

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