Devil’s Pass

Devil’s Pass

(„Devil’s Pass“ directed by Renny Harlin, 2013)

Devil’s PassDie besten Geschichten schreibt dann doch das Leben. Und manchmal auch die rätselhaftesten. Mehr als 50 Jahre sind vergangen, doch noch immer kann keiner wirklich sagen, was sich 1959 auf dem Gebirgspass zugetragen hat. Klar ist nur, dass neun Ski-Wanderer im nördlichen Ural unterwegs waren, genauer auf einem Berg, der bei den Einheimischen „Berg der Toten“ genannt wird. Und alle neun kamen in derselben Nacht zu Tode. Nun sind Unglücksfälle in Gebirgen zwar tragisch, aber nicht unbedingt überraschend. Überraschend war jedoch, dass die Tourmitglieder vorher ihr Zelt von innen aufschlitzten und anschließend barfuß und nur leicht bekleidet umherliefen. Warum sie das taten und aus welchem Grund bei der Kleidung radioaktive Strahlen gemessen wurden, keiner weiß es.

Devil’s Pass hat nun eine ganz eigene Version der Ereignisse in Filmform gepackt. Ausgestattet mit einer Förderung machen sich hier fünf Menschen – die Filmstudenten Holly King (Holly Goss), Denise Evers (Gemma Atkinson) und Jenson Day (Matt Stokoe) sowie die beiden erfahrenen Bergführer Andy Thatcher (Ryan Hawley) und JP Hauser Jr. (Luke Albright) – gemeinsam auf den Weg zum damaligen Unglücksort, um eine Dokumentation zu drehen und vielleicht doch noch dem Rätsel auf den Grund zu gehen. Auch wenn die örtliche Bevölkerung der Gruppe dringend davon abrät, die alte Geschichte noch einmal auszugraben, aufhalten lassen sie sich nicht. Eine Entscheidung, die sie später noch bitter bereuen werden.Devil’s Pass Szene 1

Ein Überfall durch die Einheimischen, ein geheimer Waffentest der Sowjetunion, ja, sogar Außerirdische mussten als Erklärung für das Unglück herhalten. Devil’s Pass übertrifft die aber noch bei weitem. Einige werden von der Auflösung begeistert sein, die mit einem Twist aufwartet, den man selbst als erfahrener Horrorfan kaum vorhersehen wird. Für andere wird aber genau das zum Problem werden, denn auch wenn die Idee dahinter originell ist, ist sie doch auch reichlich absurd. Außerdem wimmelt es zum Ende von Logikfehlern, vieles wird einfach nicht erklärt. Als Folge macht sich so auch Frust breit.

Schön wäre es zudem gewesen, nicht nur bei der Auflösung, sondern auch bei der Inszenierung etwas Einfallsreichtum ins Projekt einzubringen. Stattdessen wandelt Regisseur Renny Harlin (Stirb langsam 2, Cliffhanger) auf reichlich platt getretenen Found-Footage-Pfaden. Das bedeutet, wir sehen das Geschehen immer nur durch eine Kamera, der gesamte Film basiert auf angeblich gefundenen Originalaufnahmen. Zu Blair Witch Project-Zeiten mag das noch außergewöhnlich sein, seit Paranormal Activity wird der Markt von Nachahmern überschwemmt. Und leider fehlen bei Devil’s Pass zündende Einfälle, um dem bekannten Schema noch eine neue Seite abzugewinnen.

Im Gegenteil: Nur in wenigen Szenen macht es überhaupt einen Unterschied, ob da eine Kamera ist oder nicht. Eine direkte Erzählweise hätte also ebenso gut funktioniert. Mehr noch: Mit dem Reportagestil findet der in dem Genre oft zu findende Fehler Einlass, am Anfang sehr viel Zeit auf das Drumherum zu verschwenden, um die Authentizität zu steigern. Bis wir selbst in den Bergen ankommen, dauert es einfach zu lange.Devil’s Pass Szene 2

Dafür werden wir dort mit wirklich tollen Aufnahmen belohnt. Und eine Zeit lang, wenn die fünf ihr Lager auf dem Berg des Todes aufgeschlagen haben, ist die Atmosphäre auch gelungen. Hätte Harlin an der Stelle mehr Zeit investiert, Devil’s Pass wäre vielleicht ein richtiges Highlight geworden. So bleibt aber ein zwar nicht schlechter, aber doch ärgerlich unausgewogener Horrorfilm, aus dem man mehr hätte machen können und auch müssen.



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Tolle Naturaufnahmen, eine zeitweise gelungene Atmosphäre und eine originelle Geschichte – Devil’s Pass bringt die Zutaten für einen sehr guten Horrorfilm mit. Leider werden diese Stärken aber durch unnötige Found-Footage-Spielereien und Logikfehler wieder leichtfertig verspielt.
5
von 10