(„The Ledge“ directed by Matthew Chapman, 2011)

Der Polizist Hollis Lucetti (Terrence Howard) muss erfahren, dass er Zeugungsunfähig ist und zwar von Geburt an. Die damit einhergehenden Lügen seiner Frau belasten ihn schwer, da er bis zu diesem Zeitpunkt geglaubt hat, er sei der Vater seiner beiden Kinder. Doch Hollis hat nicht viel Zeit darüber nachzudenken, denn Gavin Nichols (Charlie Hunnam) hat sich ein hohes Gebäude ausgesucht, von dem er zu springen plant. Dass hinter diesem offensichtlichen Selbstmord etwas viel Größeres und Subtileres lauert, erfährt der Detective erst als es schon fast zu spät ist. Bis punkt 12 muss sich Gavin entschieden haben ob er in den sicheren Tod springt, oder das Leben seiner Geliebten Shana (Liv Tyler) ausgelöscht wird.

The Ledge ist ein mit 97 Minuten viel zu langer Thriller, der es nicht schafft eine gesunde Balance zwischen Spannung und Entspannung aufzubauen. Zwar sind die beabsichtigt spannenden Stellen teilweise wirklich gelungen und fesselnd gestaltet, doch die zwar notwendigen, aber langweiligen Hintergrunderzählungen ziehen sich wie das seichte Harmoniegeplätscher in Rendevouz mit Joe Black bis ins Unerträgliche.

Liv Tyler scheint die Rolle der hübschen, zugekokst wirkenden Elbe Arwin aus Der Herr der Ringe so verinnerlicht zu haben, dass sie auch bei diesem Film nicht sonderlich anders agieren kann. Ruhig, ängstlich und stets eine ernste Miene im makellosen Gesicht lässt sie scheinbar alles mit sich machen. Ihr Kollege Charlie Hunnam hingegen ist ein aufgewecktes Kerlchen mit Schalk im Nacken, der trotz vorhandener Leichtigkeit des Seins eine schwere Entscheidung treffen muss. Hier gelingt es auch eine gewisse Empathie zu entwickeln und ein wenig mit zu leiden.

Terrence Howard in seiner Rolle als entmannter Cop hätte an diesem Tag und mit einem wirklichen Selbstmordversuch das Leben des Gefährdeten vermutlich drastisch verkürzt, da er wohl so ziemlich jeden Fehler begangen hat, den man in einer solchen Situation begehen kann. „Entschuldigen Sie, meine Frau ruft an“ „Wenn Sie meinen Tag nicht noch schlimmer machen wollen, dann springen Sie bitte nicht.“
Patrick Wilson (Watchmen – Die Wächter) in seiner Rolle als Shanas Ehemann schafft es hingegen seiner Figur die nötige Glaubwürdigkeit und Bedrohlichkeit einzuhauchen. Als fanatischer Bibeljünger ist er zu allem bereit und das nimmt man ihm vollständig ab.

Die Story ist zeitlich versetzt inszeniert, dass bedeutet es beginnt mit der bedrohlichen Situation auf dem Dach und es folgen lange Phasen der Rückblende, welche erzählen, wie es überhaupt erst zu diesem Szenario kommen konnte. An sich keine schlechte Idee, die immer und immer wieder funktioniert. Der Zuschauer weiß worauf es letztendlich hinauslaufen wird, doch der endgültige Ausgang bleibt bis zum bitteren Ende ungewiss.



(Anzeige)

The Ledge – Am Abgrund
4.07 (81.43%) 14 Artikel bewerten

The Ledge - Am Abgrund
Gute Performance von Charlie Hunnam und Patrick Wilson in einem Thriller, der nur halb so lang hätte sein dürfen, um die Spannung nicht zu gefährden und den Zuschauer nicht zu verlieren. Insgesamt ganz nett, aber nichts Besonderes.
6von 10

Über den Autor

Autor

3 Responses

  1. Martin Zopick

    Regisseur Chapman beweist hier, dass er ein Gespür für Spannung, Timing und gegensätzliche Ausgangssituationen hat, die doch vergleichbar werden.
    Der Plot nimmt ganz langsam Fahrt auf, weil die persönlichen Hintergründe der vier Akteure ausgiebig dargestellt werden.
    Gavin (Charlie Hunnam) steht auf dem Dach eines Hochhauses und will sich das Leben nehmen. Er steht am Abgrund.
    Der Polizist Hollis (Terrence Howard) versucht ihn zu überreden, zurück ins Gebäude zu klettern. Hollis hatte zuvor gerade erfahren, dass er zeugungsunfähig ist und folglich seine beiden Kinder nicht von ihm stammen. Seine Ehe ist in Gefahr. Er steht auch am Abgrund.
    Gavin hat sich in Shana (Liv Tyler) verliebt, die mit dem religiösen Fundamentalisten Joe (Patrick Wilson) verheiratet und keineswegs glücklich ist. Joe droht seine Frau zu erschießen, falls er bis 12 Uhr mittags nicht springt.
    Die Dialoge schwanken zwischen Gavins Selbstmord und dem Erfolg von Hollis Überzeugungskünsten. Mit den Hintergrundinformationen kommen nach und nach immer mehr Details zum Vorschein. Die Uhr tickt, die Zeit läuft.
    In erschreckender Konsequenz geht das Drama zu Ende, wobei es nicht mehr um Schuld geht. Die normative Kraft des Faktischen siegt einfach.
    Diskussionen über den Sinn des Lebens, das Glück, den Glauben oder die Freiheit könnten sich anschließen.

    Antworten
  2. Erich

    Ich bin aufgrund der vielen negativen Kritiken sehr vorurteilsbehaftet an diesen Film herangegangen, hab ihn dann aber als spannendes Kammerspiel empfunden und war tief beeindruckt und nachdenklich. Die Rezension von Martin Zopick faßt alles zusammen, was ich dazu schreiben könnte. Hier geht es um die Fragen des Lebens, auf die es oft keine eindeutigen Antworten gibt, weil dafür eben verschiedene Betrachtungsweisen existieren.

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.