(„Le Mans“ directed by Lee H. Katzin, 1971)

Die 24 Stunden von Le Mans sind nicht nur für Autoliebhaber ein Begriff, die Meisten wissen, dass es sich hierbei um ein traditionelles wie waghalsiges Autorennen irgendwo in Frankreich handelt. Ich selbst würde mich nicht gerade als „Autonarr“ und schon gar nicht als begeisterten Motorsport-Fan bezeichnen, ganz im Gegenteil, wenn im TV gerade Formel 1 läuft dann kann man sicher sein, dass ich spätestens fünf Minuten nach Massenstart bereits im Reich der Träume bin.

Dass der Film von Lee H. Katzin mich so gut unterhalten konnte ist deshalb umso bemerkenswerter, denn der ca. 110 Minuten lange Streifen ist nichts anderes als ein einziges Autorennen. Ok, da gibt es Steve McQueen, seines Zeichen übrigens selbst begeisterter Hobbyrennfahrer der die meisten Szenen deshalb selbst meisterte, doch er alleine macht diesen Film nicht aus. Le Mans ist eine äußert punktgenaue Dokumentation die unter dem Deckmantel eines Spielfilms agiert. Neben den obligatorischen Überholmanövern und Unfällen werden nämlich akribisch genau die Boxenstopps wiedergegeben. Da wird minutenlang gezeigt wie an den Rennwagen die Regenreifen montiert werden, wie Mechaniker unter Zeitdruck eine Maschine wieder fit machen sollen und letztendlich wie groß der Druck auf die einzelnen Fahrer ist, nicht zuletzt durch die beinharten Teamchefs. Auch die nervigen und hektischen Reporter oder das Publikum wie es jubelt oder fast schlimmere Strapazen als die Fahrer erleidet wird sehr realistsich eingefangen.

McQueen spielt den erfolgreichen Amerikaner Michael Delaney, der nach seinem Unfall im Jahr davor wieder mit dabei ist und mit seinem Porsche 917 als Titelanwärter gehandelt wird. Sein schärfster Konkurrent ist ohne Frage Erich Stahler (Siegfried Rauch). Der Deutsche fährt für Team Ferrari, neben Porsche das eindeutig schnellste Auto das an dieser Edition teilnehmen wird.

Le Mans entstand quasi ohne Drehbuch und das merkt man auch wenn man ihn als puren Spielfilm betrachtet, denn außer dem Rennen gib es hier so gut wie nix. McQueen, der maßgeblich am Stil des Films beteiligt war, brachte zunächst das Projekt fast zum Erliegen als er sich gegen die Vorgaben der Produzenten aus Hollywood stäubte, erst im Nachhinein sieht man aber wie sinnvoll es war auf eine starke weibliche Rolle zu verzichten oder den Plot fernab der Rennstrecke nicht weiterzuspinnen und damit womöglich einen philosophischeren Weg einzuschlagen. Le Mans gefällt nämlich genau deshalb, weil er all dies beiseite schiebt und stattdessen den Zuschauer an der Besessenheit der Fahrer teilnehmen lässt und mit wahnsinnig rasanten und vor allem echten Bildern aufwartet die schlichtweg begeistern.

Trotz des geradlinigen und auch recht eintönigen Geschehens hat man es sich nicht nehmen lassen ein paar künstlerische Spielereien einzubauen. So gefällt vor allem eine wunderbare Komposition von vorbeiflitzenden Autos im Takt der Musik. Diese wurde übrigens nur sehr dezent eingesetzt, schließlich bilden meistens die einzelnen und original aufgenommenen Motorgeräusche einen dichten Klangteppich.

Für Motorsportinteressierte also ein wahres Muss, vor allem da die neu restaurierte Blu Ray-Fassung ein wirklich tolles Bild im Vergleich zum Original abliefert. Die in der Rezension verwendeten Bilder entsprechen übrigens nicht dieser Qualität, leider war der Verleih anscheinend nicht im Stande ein paar ordentliche Szenebilder zur Verfügung zu stellen.

Was bei dieser neuen Version allerdings negativ auffällt, ist der DTS-HD Ton der bei vielen Höhen sehr gerne und sehr oft „kratzt“. Dies mag vermutlich an einer schlechten Originalquelle liegen, ist aber äußerst unangenehm und für eine digital restaurierte Fassung irgendwo auch enttäuschend.
Das noch auf der Scheibe enthaltene Making-Of ist sehr lieblos gehalten, dafür kann man aber einige interessante Infos aus dem kurzen Beitrag gewinnen.

Le Mans erscheint am 9. Juni auf Blu Ray

Le Mans
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