(„The Muppet Show“ TV-Serie, 1978-79)

“Just when you think this show is terrible something wonderful happens.”

“What?“

“It ends.“

In einem Special des Bonusmaterials zur dritten Staffel der Muppet Show heißt es, dass die Muppets deshalb so erfolgreich waren und noch immer sind, weil diese Gruppe eine Unschuld im Menschen anspricht, die in jedem von uns innewohnt. Unabhängig von der Zeit, unabhängig von äußeren Umständen. Wahrscheinlich stimmt das, denn die Muppets sind eine Gruppe anarchistischer Spaßvögel, die das machen, was sie wollen: sie flippen aus. Disney hat nun die dritte Staffel dieser überaus beliebten Serie in Deutschland auf DVD veröffentlicht und dem Zuschauer damit Gelegenheit gegeben, sich mehrere Stunden lang berieseln zu lassen. Als Bonus ist erfreulicherweise eine einstündige Dokumentation beigefügt, ein Zeitdokument aus den 60er Jahren, in der Schöpfer Jim Henson die Technik des Puppenspielens erläutert und kurze Ausschnitte aus den Anfängen zeigt.

Hierbei muss man allerdings schon sehr fasziniert sein von der Kunst des Puppenspielens, ansonsten kann diese 60minütige Erläuterung schnell recht ermüdend wirken. Darüber hinaus ist eine zehnminütige Hinter-den-Kulissen-Einsicht angehängt, bei der Mitwirkende zu Wort kommen sowie eine Zusammenstellung von Werbungen, die Rolf, der Hund, für eine Marke Hundefutter gemacht hat. Weniger willkommen ist jedoch die schlechte Bild- und Tonqualität der DVD-Umsetzung, denn während die amerikanische Originalfassung klanglich einwandfrei ist, kommt die deutsche Synchronisation arg dumpf und verhalten rüber. Das Bild ist (bei beiden Fassungen) verwaschen und für eine DVD des 21. Jahrhunderts, auch wenn die Fernsehserie 30 Jahre alt sein mag, nicht zufriedenstellend.

Das tut dem Spaß keinen Abbruch, schaut man die Serie auf Englisch und aus einiger Entfernung, aus der man noch immer die originellen Ideen entdecken kann. Selbst wenn ein Gaststar wie Kris Kristofferson eine für Kinder wenig spannende Ballade von sich gibt, passiert in seinem Umfeld mit liebevoll detailliert ausgestatteten Puppen noch derart viel, dass der dämliche Text des Songs bald vergessen ist. Problematisch kann es bei weniger gelungenen Episoden werden, wenn etwa Country-Sänger Roy Clark eine recht flache Schnulze über Herzschmerz vorträgt und weder im Hinter-, noch im Vordergrund etwas Nennenswertes passiert. Solche öden Momente sind erfreulicherweise jedoch rar gesät und man kann sich an einem Wiedersehen mit den Helden so mancher Kindheit erfreuen: Kermit, Miss Piggy, Fozzie Bär, Beaker, dem schwedischen Koch, Gonzo und all den anderen zahlreichen Figuren, die einem seit so vielen Jahrzehnten bereits Freude schenken. Dass sie dabei so zeitlos geblieben sind, liegt an den Themen, die sie behandeln und die heute noch genauso Gültigkeit besitzen wie vor 30 Jahren.

Da ist etwa Miss Piggy, die eifersüchtig ist auf das Schwein Annabelle sowie deren Figur und sie daher in all ihrem Temperament aus dem Restaurant schubst oder die ewigen Flirtversuche, die sie mit Kermit unternimmt, der sie jedoch stets kühl abblitzen lässt. Nun könnte man daraus folgern, dass Die Muppet Show lediglich aus einer Ansammlung von Running-Gags besteht, die jedes Mal nur leicht variiert werden. Das stimmt auch zum Teil, denn immer wieder wird auf ein bewährtes Konzept zurückgegriffen. Immer wieder ist es Beaker, der sich bei Experimenten seines Vorgesetzten verletzt, immer wieder ist es Gonzo, dessen Trompetensolo misslingt und immer wieder sind es Waldorf und Statler, die ihren Senf aus einer Loge zum Geschehen auf der Bühne hinzugeben. Doch neben diesen Variationen bieten vor allem die Gaststars immer wieder Gelegenheiten, etwas neues Verrücktes auszuprobieren. Und an Stars soll es nicht fehlen: Sylvester Stallone, Alice Cooper, Lynn Redgrave, Rita Coolidge, Harry Belafonte oder Danny Kaye sind alleine in der dritten Staffel zu bewundern. Das kann auch zu einer Reise in der Zeitmaschine werden, wenn etwa der ehemalige Rockstar Leo Sayer sich in seinen, für die 70er Jahre typischen, weißen, hautengen Anzug schmeißt und mit kastratenhaft hoher Stimme ein Disco-Liedchen aus längst vergangenen Zeiten trällert. Aber das gehört eben zu dieser Anarchie dazu.

Um die kurze Aufmerksamkeitsspanne der jungen Zuschauer nicht zu überfordern, dauern im besten Fall die einzelnen Sketche kaum länger als zwei Minuten, was bemerkenswert ist, wenn man bedenkt, wie viel unterschiedliches Material sich die Autoren für jede Folge ausdenken mussten. Das betrifft auch Parodien auf Altbekanntes, wenn etwa eine Turnierszene aus dem Musical „Camelot“ persifliert wird oder Komikerin Gilda Radner für eine Gesangsnummer mit einer sieben Fuß hohen Karotte zusammenarbeiten muss. Die Muppet Show sprüht noch immer vor zahllosen Ideen und ist sicherlich förderlich für die Konzentration und Aufmerksamkeit von Kindern, die fast über die gesamte Laufzeit damit beschäftigt sein dürften, auf all die skurrilen Einfälle zu achten, die im Hintergrund geschehen, während im Vordergrund etwa Fozzie Bär damit beschäftigt ist, Kermit zu erklären, weshalb das Theater in Flammen steht und letzter erkennen muss, dass er doch nicht alles im Griff hat, wie er es sich eingebildet hat. Im Griff hat diese Show nämlich niemand. Und das ist das Schöne.

Die Muppet Show – Staffel 3 erscheint am 19. Mai auf DVD

Die Muppet Show – Die komplette dritte Staffel
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