(„El secreto de sus ojos“ directed by Juan José Campanella, 2009)

Benjamín Esposito (Ricardo Darín) ist pensionierter Gerichtsbeamter, doch der Fall der vergewaltigten und anschließend ermordeten Liliana Coloto (Carla Quevedo) beschäftigt den Mann nach 25 Jahren immer noch. Zwar konnte er den Verbrecher (Javier Godino) damals überführen und auch verhaften lassen, doch der politische Umsturz und diverse Meinungsverschiedenheiten mit führenden Persönlichkeiten führten dazu, dass der Mörder kurz darauf wieder ungestraft frei gelassen wurde.

Esposito verarbeitet ein Vierteljahrhundert danach nun seine Erinnerungen in einem Buch. Ob dies als Bewältigung des Traumas gedeutet werden soll ist im Prinzip egal, Juan José Campanella nutzt diesen Umstand nämlich um uns in über zwei Stunden Laufzeit etwa drei Jahrzehnte argentinische Geschichte näher zu bringen, ohne dabei allerdings von der eigentlichen Geschichte abzudriften. Diese spinnt er spannend und verteilt auf zwei zeitlichen Ebenen äußerst mitreißend voran.

Neben den notwendigerweise auftretenden Fragen nach Gerechtigkeit und Moral konzentriert sich der Argentinier primär auf die Ausarbeitung seiner vier-fünf Hauptfiguren und stellt diese unterschiedlichen Charaktere allesamt sehr interessant dar. Espositos beide Kollegen Pablo Sandoval (Guillermo Francella), der seine Alkoholprobleme als Leidenschaft bezeichnet, und Irene Menéndez Hastings (Soledad Villamil), Espositos verheimlichte und daher verlorene Liebe, gibt es da noch Ricardo Morales (Pablo Rago), dem Verlobten der Ermordeten. Jeder der Protagonisten hat also sein ganz persönliches Laster zu tragen, insbesondere Morales, der trotz der unglaublichen Ungerechtigkeit die ihm und seiner Geliebten wiederfahren ist, immer noch die Todesstrafe als Züchtigungsmittel strikt ablehnt. Ein wichtiger Umstand, der sich insbesondere am Ende nochmals überdeutlich zeigen wird.

Bei den genannten Schauspielern gefällt jeder einzelne gut bis sehr gut, lediglich das Makeup das den Alterungsprozess verdeutlichen soll wirkt oft zu dick aufgetragen und somit störend. Die Kameraarbeit ist wirklich exzellent was sich vor allem in der Szene des Fußballspiels zeigt. Zunächst betrachtet man in der Vogelperspektive nur den Sportpalast wo der Racing Club zu Hause ist. Majestätisch beleuchtet erhebt sich das Gebäude über die dunkle Stadt, während die dumpfen Fangesänge immer lauter werden da die Kamera, zuerst langsam dann immer schneller, ans bereits angepfiffene Match heranfährt nur um schließlich mitten im Publikum, bei Esposito und Sandoval zu stoppen, die im Ultras Sektor vergeblich nach ihrem Verdächtigen suchen. Als sie ihn tatsächlich entdecken und eine Verfolgungsjagd ausbricht wird sofort zur Handkamera gewechselt.

In ihren Augen ist spannend und auch bewegend aber vor allem spürt man die Liebe die Campanella zu seinem Land hegt. Er kombiniert geschickt reale Chronologie mit einem soliden und fiktiven (?) Plot der sich wie ein roter Faden schnurstracks durch den Film zieht. Das Ende wirkt hingegen wie eine brutale Zäsur, was das Publikum zunächst vielleicht etwas verdutzt dreinschauen lässt, damit aber wohl die Intention des Filmemachers erreicht, nämlich die, dass man sich auch nach dem der Abspann eingesetzt hat sich weiterhin mit dem Gesehen beschäftigt.

In ihren Augen erscheint am 14. April auf Blu Ray und DVD

In ihren Augen
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