(„Viva la vie“, Claude Lelouch, 1984)

Es gibt einen netten Einschub in Viva la vie, wo zu Beginn Regisseur Claude Lelouch im Radio interviewt wird und man ihn zu seinem neuen Film Es lebe das Leben befragt. Lelouch entgegnet auf die Frage, worum es in dem Werk gehe, dass er das nicht sagen wolle, da man es nicht könne ohne zuviel zu verraten. Dieser recht originelle Einfall erfüllt zwar im Film selber keinen höheren Zweck und ist für die Handlung komplett unwichtig – um nicht zu sagen unpassend – aber das macht die Aussage nicht falsch. Was der Rezensent verraten kann sind wohl 20% der gesamten Handlung: Michel Perrin (Michel Piccoli) ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, der eines Tages spurlos verschwindet.

Wie sich herausstellt, verschwindet auch die Schauspielerin Sarah Gaucher (Evelyne Bouix) zur gleichen Zeit ohne Hinweise. Nach drei Tagen tauchen die beiden Verschollenen wieder auf, sind sich aber der Tatsache nicht bewusst, dass sie drei Tage vermisst wurden – laut eigenen Aussagen glauben sie, lediglich fünf Minuten weg gewesen zu sein. Kurz darauf wiederholt sich das Spektakel: Sarah und Michel sind erneut spurlos verschwunden, um einige Tage darauf wieder aufzutauchen, diesmal jedoch mit einer Operationsnarbe an der Schädeldecke. Nun gilt es herauszufinden, was hinter den ominösen Vorfällen steckt…

Wenn man diesen Film nicht zu ernst nimmt, kann man viel Spaß haben. Lelouch inszenierte hier ein trickreiches Verwirrspiel mit subtilem Humor, womit er die Gradwanderung zwischen angebrachtem Amüsement und übertriebener Albernheit perfekt meistert und niemals in die letztgenannte Richtung abdriftet. Sehr geschickt ist auch die Einführung des Jean-Louis Trintignant Charakters, der zunächst fortwährend in kurzen Monologen vorgestellt wird, ehe Lelouch ihn in die eigentliche Handlung als eine der zentralen Figuren einführt.

Es werden einige – soviel sei verraten – Weltuntergangszenarien beschrieben, die filmisch sehr simpel gestaltet sind, so wie am Anfang die Massenflucht der Bürger, für welche der Ton ausgeblendet wurde und lediglich dissonante Synthesizermusik zu hören ist. Wer demnach erwartet, einige surrealistische Sequenzen und eine verwirrende Mischung von Traum und Realität á la David Lynch serviert zu bekommen, wird schwer enttäuscht werden. Viva la vie ist ein sehr bescheidener Mysterythriller, einfach nachvollziehbar und dennoch sehr interessant je weiter man den Figuren folgt.

Ob das Ende nun befriedigend ist oder nicht muss jeder Zuschauer für sich entscheiden – man sollte bis zur letzten Sekunde jedoch nie sicher sein, dass die frisch präsentierte nun auch die tatsächliche Lösung ist. Man sollte ein wenig für Sci-Fi übrig haben, um den Film genießen zu können, dessen großes Plus auch die hervorragende Darstellung von Trintignant ist. Viva la vie ist bescheiden, harmlos, zeitweise übertrieben, filmisch simpel, aber dennoch sehr amüsant, teilweise durchaus spannend mit mysteriösen Vorkommnissen, die gute Unterhaltung garantieren.

Es lebe das Leben
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