(„The American“ directed by Anton Corbijn, 2010)

Auch wenn hier Anton Corbijn nicht an die Genialität seines Spielfilmdebüts Control herankommt, überzeugt The American dennoch dank toller Szenerie und einem passenden George Clooney in der Hauptrolle.

Clooneys Figur und dessen Namen bleiben bis ans Ende der nur 105 Minuten mehr oder weniger ein Mysterium. Sofort entführt uns Corbijn in eine unbevölkerte und verschneite Landschaft – wie wir später erfahren werden, irgendwo in Schweden – und wirft den Zuschauer sofort ins kalte Wasser: ein Pärchen (Clooney und Irina Björklund), das in einer charmanten Hütte im Nirgendwo ein romantisches Wochenende verbringt, wird urplötzlich von einen kaltblütigen Killer angegriffen worauf Clooney zum Entsetzten seiner Begleiterin auch die Maske fallen lässt und eine Schusswaffe zieht. Typisch heldenhaft beschützt der Mann zunächst seine Frau und erledigt den Angreifer ohne große Probleme, doch was dann folgt erwartet sich der Kinobesucher wohl kaum, das Einsetzen der Credits gibt uns deshalb erstmals eine kurze Verschnaufpause.

Der Szenenwechsel nach Italien bringt uns nicht nur ein wärmeres Klima sondern wundervolle Aufnahmen entlang der Küstenstraßen und herrliche Abbildungen malerischer Kleindörfer wie man sie sonst nur aus dem Reiseprospekt kennt. Dass die Dreharbeiten an Originalschauplätzen in den Abruzzen gedreht wurden, macht sich hier bezahlt und bildet zugleich auch einen der stärksten Punkte von The American, nämlich seine formidable und perfektionistische Optik.

Über den Hauptdarsteller erfahren wir im Grunde herzlich wenig uns wird irgendwann aber klar, dass er ganz im Gegenteil zu seinen Behauptungen, sehr wohl ein Händchen für Maschinen und Technik besitzt. Clooney entpuppt sich als angesehener Waffenbauer der laut seinem Auftraggeber den Zenit überschritten hat und die zum „Business“ gehörenden Verfolger einfach nicht mehr abschütteln kann. In Italien soll er nun im Laufe einiger Wochen oder Monate, wir wissen es nicht genau, für eine ominöse Frau (Thekla Reuten) ein spezielles Gewehr herstellen. Die Dinge verkomplizieren sich allerdings als er sich in Clara (Violante Placido), eine Prostituierte die er regelmäßig aufsucht, verliebt.

The American ist mit Sicherheit kein Actionfilm, auch wenn sich der Protagonist mitunter schon mal die Bahn freischießen muss, es handelt sich auch nicht um einen Thriller, sondern Corbijn verschmelzt hier lieber verschiedene Genres zu einen spannungsgeladenen, visuellen Feuerwerk. Clooney gefällt außerordentlich gut, ebenso seine zahlreichen weiblichen Kolleginnen, allen voran die dem internationalen Publikum kaum bekannte Italienerin Violante Placido.

Man merkt The American in jeder Sekunde an, dass hier ein Fotograf am werkeln war. Jede Einstellung ist eine wunderbare Komposition, man kann sich der herrlichen Bildern gar nicht satt genug sehen. Hervorzuheben gilt an dieser Stelle auch das brillante Filmplakat. Musikalisch untermalt wird das Ganze von Herbert Grönemeyer, der sich widererwarten sehr angenehm zurückhält und dem Ganzen lediglich den nötigen Feinschliff verpasst.

Der ganze große Wurf ist Anton Corbijn dann aber doch nicht gelungen, denn der Plot weist teilweise einfach zu viele Längen auf was den Film für mich persönlich zwar keineswegs langweilig wirken ließ, aber am Ende doch einen lauen Beigeschmack einer gewissen Inhaltslosigkeit hinterlässt. Die Story stammt übrigens aus den Roman A Very Private Gentleman von Martin Booth, inwiefern die Adaption dem Schriftstück gerecht wird kann ich leider nicht beurteilen.

Wer sich selbst einen Gefallen tun möchte und neben all den neuzeitlichen 0815-Filmen einen interessanten Mainstreamfilm mit hervorragender Optik ansehen möchte, der wird hier bestimmt nicht enttäuscht werden. Wer üblicherweise bei längeren, dialoglosen Szenen anfängt nervös zu werden sollte lieber das herbstliche Action- und Komödienkino in Anspruch nehmen.

The American
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