(„The Doors“ directed by Oliver Stone, 1991)

The DoorsDass Oliver Stone sich für psychedelische Indianer-Rituale interessiert konnte ich bereits Natural Born Killers entnehmen, sein früheres Werk, eine Biographie über Jim Morrison, hatte ich aber bis dato noch nicht gesichtet. Der Film der den gleichnamigen Titel der bekannten Rockband bei der Morrison Frontman war trägt, bietet aber nicht nur eine verschwommene Darstellung sondern versucht chronologisch den Werdegang des Musikers und Poeten festzuhalten. Der, laut eigenen Aussagen, prägende Autounfall den Morrison als Kind irgendwo in der Wüste von New Mexico erlebt, zieht sich wie bei den Songtexten der The Doors wie ein roter Faden durch den Film.

Schnell wird klar dass Morrison ein intellektuell durchaus begabter Schüler ist, der aber des öfteren durch aufwieglerische und Autoritätsablehnende Bemerkungen auffällt. Seinen Wortschatz und sein Wissen schärft er durch intensives lesen diversester Bücher darunter auch unüblichere Werke der Beat-Generation. Ein richtiges Ventil seiner künstlerischen Seite findet Morrison aber erst in Form von Songtexten die er für die bereits genannte Band schreibt. Der Film, wie auch andere Quellen, vermitteln aber dass The Doors für Morrison im Prinzip nur ein Mittel zum Zweck war und wie der Name schon sagt eben die Türen zu einem anderen Bewusstsein darstellen sollte. Die anderen Bandmitglieder waren nicht immer der Meinung des Querdenkers und der Streifen unterstreicht dies indem er internen Streitigkeiten und das Unverständnis der Anderen auch zeigt.

Val Kilmer hatte bestimmt keine leichte Aufgabe Jim Morrison wieder zum Leben zu erwecken doch schafft er dies m.E. mit Bravour. Sein Schauspiel und das von Michael Madsen, der den amerikanischen Schauspieler und Morrisons Saufkumpanen Tom Baker interpretiert, sind mitunter die besten des Streifens. Erwähnenswert, wenn oft auch etwas lächerlich wirkend, ist übrigens auch die Performance von Meg Ryan als Jim’s Freundin Pamela Courson. Selten habe ich die Schnulzenkönigin in einer für sie solch ungewöhnlichen Rolle gesehen.

Oliver Stone führt uns in seinem Werk von Gig zu Gig lässt allerdings die zwischenmenschlichen Beziehungen nicht außen vor. So bekommt Kilmer/Morrison oft auch Raum um seine Weltanschauung zu postulieren, natürlich immer begleitet von meist passenden Songs von den Doors. Weniger gut einfangen konnte Stone meiner Meinung das Flair der 60er selbst. Zwar gibt er uns genügend Hinweise auf die Nixon-Ära und den brodelnden Vietnamkrieg – sogar Andy Warhol bekommt seinen Auftritt – doch kreist Stone zu sehr um Morrison und dessen Drogenexzessen, lässt die restliche Jugend(bewegungen) quasi außen vor und stilisiert somit den Lizard King zu einen unverstandenen Avantgardisten den die Gesellschaft regelrecht in den Tod trieb.

Schlussendlich sind es 140 ansehnliche Minuten geworden, die sehr gut unterhalten können, für echte Fans des Rebellen aber vermutlich zu wenig und für diejenigen die sich tiefsinnigeren Inhalt wünschten etwas enttäuschend sein könnte.

The Doors
4.06 (81.11%) 18 Artikel bewerten

3 Responses

  1. Inspector Santini

    Also den Film fand ich immer ganz o.k, nur der Titel ist schlecht gewählt…die „Doors“ werden zu sehr auf Jim Morrison reduziert und der musikalische Kopf Ray Manzarek fällt irgendwie unter den Tisch . Der selbstzerstörerische Charakter von Morrison bietet natürlich genügend spektakulären Stoff für ein Hollywood-Script, aber mir wäre eine Band-Bio lieber gewesen.
    Immerhin sind die „Doors“ eine der ungewöhnlichsten Bands der 6oer und hatten, während alle erfolgreichen Bands sich noch am britischen Beat-Sound orientiert haben oder einen auf Flower-Power machten , mit düsteren und sehr progressiven Songs Nummer Eins-Hits …da hätte Oliver Stone mehr drauf eingehen müssen.
    Na ja, immerhin wird auch der New Yorker-Szene um „The Velvet Underground“ und Andy Warhols Factory ein Platz eingeräumt…das ist mir persönlich auch wichtiger als auf historische oder politische Ereignisse einzugehen. Die Doors waren nie eine politische Gruppe.

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  2. Candide

    Es gibt schon Ansätze dass Manzarek der Kopf der Gruppe ist (der übrigens von Kyle MacLachlan gespielt wird, den ich in der Besprechung nicht mal erwähnt habe…) aber wie Du richtig schreibst reduziert Stone zu sehr auf Morrison.

    Na ja, immerhin wird auch der New Yorker-Szene um “The Velvet Underground” und Andy Warhols Factory ein Platz eingeräumt…das ist mir persönlich auch wichtiger als auf historische oder politische Ereignisse einzugehen

    Wäre für mich auch ok gewesen aber dann hätte man ganz in die Richtung gehen sollen. Dass bereits Stone eine Verfilmung gemacht hat sollte übrigens kein Hindernis sein um eine neuen Anlauf zu versuchen.

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  3. Parker

    Hab den Film schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehn. Kann mich nur noch erinnern, dass ich Meg Ryan etwas unpassend fand.

    Inspector Santini :
    …das ist mir persönlich auch wichtiger als auf historische oder politische Ereignisse einzugehen. Die Doors waren nie eine politische Gruppe.

    Vielleicht keine politische Gruppe, aber durch Morrisons radikale anti-authoritäre Einstellung sicher politsch relevant. Er war meiner Meinung nach ein Stimmungsbarometer seiner Zeit ohne sich von irgendeiner Bewegung vereinamen zu lassen. Ich glaub er war sogar der erste Musiker der auf der Bühne verhaftet wurde. Five to one finde ich aussedem eine ihrer besten Nummern:

    Five to one, baby, one in five,
    No one here gets out alive now.
    You’ll get yours, baby, I’ll get mine,
    Gonna make it, baby, if we try.

    The old get older and the young get stronger,
    May take a week and it may take longer,
    They got the guns but we got the numbers,
    Gonna win, yeah, we’re takin‘ over, come on!

    Wow!

    Your ballroom days are over, baby.
    Night is drawing near,
    Shadows of the evening
    Crawl across the years.

    You walk across the floor with a flower in your hand,
    Trying to tell me no one understands,
    Trade in your hours for a handful dimes.
    Gonna make it, baby, in our prime.

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