(„The Reader“ directed by Stephen Daldry, 2008)

Der VorleserAngespornt durch die meist guten Bewertungen die der Film erhalten hat, wollte auch ich mir die ca. 125 Minuten Laufzeit zu Gemüte ziehen. Ich habe die Buchvorlage von Bernhard Schlink leider nie gelesen, kann also keine Vergleiche ziehen. Eines gleich vorweg: ich fand die Laufzeit um gut 30 Minuten zu lang, ich musste teilweise damit kämpfen meine Konzentration dem Film zu widmen. Das liegt nicht an der Thematik die durchaus interessant ist, sondern vielmehr an faden Szenen und dem leider nur mittelmäßigen Cast.

Der Vorleser spielt in Deutschland und erzählt von Hanna Schmitz (Kate Winslet), einer ehemaligen SS-Aufseherin eines Lagers. Genauso wie Michael Berg (Ralph Fiennes) weiß der Zuschauer über dieses düstere Kapitel ihres Lebens am Anfang des Streifens nichts. Es ist Sommer 1958 und Michael beginnt eine Affäre mit der doch schon etwas älteren Hanna. Das stört den unerfahrenen und pubertierenden Fünfzehnjährigen allerdings wenig. Ihre Beziehung basiert im Prinzip nur auf Geschlechtsverkehr und das Vorlesen von Büchern. Hanna liebt es nämlich wenn Michael ihr aus den verschiedensten Werken vorliest. Dass sie eigentlich Analphabetin ist versteckt sie dabei sehr gekonnt, nicht zuletzt bei ihrer Arbeiterin als Fahrscheinkontrolleurin merkt das keiner. Gegen Ende des Sommers verschwindet sie allerdings ohne ein Wort zu verlieren. Für Michael ist das ein herber Schlag der allerdings nicht allzu lange anhält denn durch einen zeitlichen Sprung wird der Kinobesucher sogleich in die Studienzeit von Michael befördert. Er ist mittlerweile ein fleißiger Jurastudent und schon bald sollen er und seine Kommilitonen einen echten Prozess live miterleben und davon lernen. Als sie den Gerichtssaal betreten kann Michael allerdings seinen Augen kaum trauen. Auf der Anklagebank befindet sich unter anderem Hanna Schmitz…

Ich weiß nicht wo genau das Ganze hinführen sollte, ich vermute der Zuschauer sollte ähnlich wie der Hauptdarsteller in ein moralisches Dilemma geraten. So Leid es mir auch tut, dies war bei mir nicht der Fall. Zum einen konnten die Charaktere und das Schauspiel keine richtige Verbindung zu mir herstellen und zum anderen waren einige Szenen wie schon gesagt mehr fad als gefühlsreich. Als psychotischer Killer in Roter Drachen mag Fiennes ja toll gespielt haben, hier wirkt er leider total fehl am Platz, schade. Die Bewertung fällt daher bei mir nicht sonderlich hoch aus, wäre allerdings durchaus interessiert was Kenner der Buchvorlage zum Streifen sagen.

Der Vorleser
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