(„Die fetten Jahre sind vorbei“ directed by Hans Weingartner, 2004)

Die fetten Jahre sind vorbeiWas sich Anfangs als äußerst vielversprechend anhörte und auch so präsentierte, stellte sich leider sehr bald als eine mittelmäßige, deutsche Produktion dar.
Der Streifen erzählt von einer Gruppe junger Berliner, die beschlossen haben aktiv etwas gegen das kapitalistische Wirtschaftssystem zu unternehmen. Durch einen originellen Einfall wollen Peter (Stipe Erceg) und Jan (Daniel Brühl) darauf aufmerksam machen, dass auf dieser Welt etwas verdammt schief läuft. Nachdem sie mit ihrem alten VW-Bus nächtelang die Bewegungen im Villenviertel beobachtet und die leerstehenden Gebäude ausgemacht haben beginnt ihre Arbeit. Sie brechen ein, stehlen jedoch nichts von den Wertgegeständensondern verrücken Möbel und richten ein heilloses Durcheinander am restlichen Mobiliar an. Am Ende hinterlassen sie einen kurzen Brief den sie mit „die Erziehungsberechtigten“ unterschreiben der die Bonzen zum nachdenken anregen soll.
Da Peter früher bei einer Sicherheitsfirma gearbeitet hat, ist es für ihn kein Problem die komplexen Alarmsysteme zu umgehen. Das Denken und Pläne schmieden allerdings übernimmt hauptsächlich Jan, der einen leichten Hang zur Militanz aufweist und in sämtlichen linken Ideologien theoretisch fundiertes Wissen besitzt.
Das Leben der beiden wird allerdings etwas komplizierter als die Freundin von Peter, Jule (Julia Jentsch), in die WG der Jungs einzieht. Sie wurde aus ihrer Wohnung geschmissen da sie nicht mehr für die Miete aufkommen konnte: in ihrem jungen Alter hat sie mit fast 100.000 Euro eine beachtliche Summe an Schulden. Als Peter plötzlich kurzfristig ins Ausland fliegen muss hilft Jan seiner neuen Mitbewohnerin beim renovieren der alten Wohnung da ansonsten auch noch die Kaution futsch wäre. Die beiden unterhalten sich über Politik und Wirtschaft und schnell wird klar, dass sich beide ausgezeichnet verstehen. Jule erzählt, dass ihr Schuldenberg daher rührt, weil sie vor Jahren einen Autounfall mit einem reichen Schnösel hatte, der sie daraufhin verklagt hatte. Sie akzeptiert ihre Situation allerdings, denn sie ist sich bewusst, dass der Unfall tatsächlich ihre Schuld war. Jan hingegen kann es nicht fassen, dass ein Topmanager es auch noch für nötig empfindet einer jungen Frau ihr Leben zu verbauen nur wegen eines dämlichen Zwischenfalls.
Da ihm Jule ihr Geheimnis verraten hat, zeigt ihr Jan was er und Peter normalerweise abends machen. Wie es der Zufall will, kommen sie bei ihrer Rundfahrt durchs „Reichen-Viertel“ genau am Haus von Hardenberg (Burghart Klaußner) vorbei, der Manager der für Jules Miesere verantwortlich ist.
Auf Drängen Jules und weil das riesige Anwesen anscheinend leer steht, brechen die beiden also ein und machen das übliche Spiel. Bei ihrer Aktion kommen sich die beiden näher und was von Anfang an klar war wird war: sie verlieben sich in Peters Abwesenheit ineinander.
Am nächsten Morgen hat Jule allerdings Schwierigkeiten ihr Handy zu finden und Jan wird plötzlich schlagartig klar wo sie es verloren hat, nämlich in der Villa von Hardenberg. Sie müssen also nochmals einbrechen um das Telefon zu bergen. Nachts ,als sie wieder den Einbruch hinter sich haben, kommt allerdings unerwartet der Besitzer zurück und ertappt sie auf frischer Tat. Ideenlos und in Panik schlägt Jan den Herrn mittleren Alters einfach K.O. und ruft Peter um Hilfe an. Das Trio beschließt den Manager erstmal zu entführen und auf eine Almhütte in den Bergen zu bringen, die Jules Onkel gehört.
Sie verbringen also einige Tage mit Hardenberg unter einem Dach und lassen sich ein paar Möglichkeiten durch den Kopf gehen um nicht von den Bullen geschnappt zu werden. Es dauert nicht lange und die drei frühstücken und spaßen ganz entspannt mit ihrer Geisel. Der Mann scheint zwar immer noch ein überzeugter, heuchlerischer Großkapitalist zu sein, allerdings kann er bei den politischen Diskussionen die sie abends führen immer mitreden. Er erklärt den Jugendlichen, dass er damals 68 ein guter Freund von Rudi Dutschke war und gleich dachte wie die drei „Revoluzzer“.
Sie beschließen also den Manager laufen zu lassen, da die Alternativen (wie beispielsweise den Zeugen töten) nicht in Frage kommen. Er versichert den drei dass er die Polizei aus dem Spiel lassen wird, doch am nächsten Tag steht bereits ein Spezialkommando kurz davor die WG zu stürmen…
Der Schluss rettet den ansonsten stückeweis faden (über 125 Minuten Laufzeit sind einfach zu lang für so wenig Inhalt) und auch ein wenig „hollywoodianischen“ Film. Ich persönlich kann Daniel Brühl’s Schauspiel nicht sonderlich leiden und auch hier fand ich die Performance (des gesamten Cast) sehr mau. Die vorhandene Basis ist allerdings gut und hätte bestimmt für einen genialen und großartigen Film mit mehr Aussagekraft gereicht. So allerdings bleibt „Die fetten Jahre sind vorbei“ ein Streifen für Zwischendurch wenn einem gerade nichts Besseres einfällt.

Die fetten Jahre sind vorbei
4.17 (83.33%) 6 Artikel bewerten

Eine Antwort

  1. Marie B.

    Völliger Schwachsinn, das war endlich mal ein wirklich guter Film, der eben nicht
    oberflächlich ist wie das Meiste was man so sieht.

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