Kritik

Es ist schon etwas länger her, dass ich den letzten Film von Stanley Kubrick gesehen habe. Trotz der vielen schlechten Kritiken, konnte mir der Streifen auch diesmal etwas mitgeben. Die an sich gewaltigen 150 Minuten Laufzeit vergehen wie im Fluge, der Zuschauer ist zu sehr damit beschäftigt die Dialoge genauestens zu verfolgen um zu verstehen was nun Traum und was Wirklichkeit ist.

Die Geschichte erzählt von einem erfolgreichen, wohlhabenden Ehepaar aus New York. Dr. William „Bill“ Harford (Tom Cruise) und seine Frau Alice (Nicole Kidman) sind auf eine Party eingeladen. Dort lernen beide sehr interessante und attraktive Menschen kennen. Es scheint so, als ob Alice mit einem etwas älteren Mann (Sky Dumont) ihren Spaß hat, während ihr Mann lieber mit zwei Topmodells flirtet. Zu Hause angekommen, beginnen die beiden über ihr Sexleben zu sprechen. Alice gesteht dabei ihrem Mann, dass sie schon einmal an eine Affäre mit einem Marineoffizier dachte. Obwohl es gar nicht so weit kam, ist Bill sichtlich bedrückt und auch ein wenig schockiert. Er selbst schwört, dass er seine Frau nie betrügen würde, weil er sie nämlich über alles liebe. An einem der folgenden Abende wird er noch sehr spät von einem Patienten kontaktiert. Er macht sich also auf dem Weg um einen Hausbesuch zu machen, doch vor seinen Augen hat er immer noch das Bild von Alice, die mit einem Marineoffizier schläft. Von nun an scheint er total von seinen eigenen sexuellen Trieben gesteuert zu sein und so kommt es, dass er durch den Tipp eines Freundes (Todd Field) in einem geheimen Club landet. Besagter Freund verrät ihm nämlich die Adresse des Anwesen in dem eine etwas andere Party stattfinden wird und teilt ihm das benötigte Passwort mit. Als Bill dort angekommen ist, spielt sich vor seinen Augen eine riesige Sexorgie ab, doch schon bald wird er als Eindringling identifiziert…

Ich selbst habe die Traumnovelle von Arthur Schnitzler, auf der der Film basiert, leider nie gelesen. Viele Kritiken greifen aber genau da das Werk von Kubrick an. Außerdem wird oft davon gesprochen, dass es sich hier um den wohl schwächsten Kubrick-Streifen handelt. Das mag vielleicht sogar stimmen, dennoch finde ich handelt es sich hier um ein überdurchschnittlich gutes Werk. Vor allem die Performance von Nicole Kidman, die wie gewohnt eine superbe Darstellung bietet, macht den Film sehenswert. Interessant finde ich übrigens die Tatsache, dass sie anno dazumal noch mit Cruise verheiratet war. Hervorheben möchte ich noch die Musik von Jocelyn Pook, der mit seinen Piano-Stücken ständig für eine nervöse und mysteriöse Atmosphäre sorgt.

Die Aussage selbst lasse ich lieber unkommentiert, da ich finde jeder sollte sich seine eigenen Gedanken machen. Einige Fragen werden aber wohl bei jeden offen bleiben: Was ist nun Realität und was ist nur Traum? Und: Ist das wirklich wichtig?

Credits

OT: „Eyes Wide Shut“
Land: UK, USA
Jahr: 1999
Regie: Stanley Kubrick
Drehbuch: Stanley Kubrick, Frederic Raphael
Vorlage: Arthur Schnitzler
Musik: Jocelyn Pook
Kamera: Larry Smith
Besetzung: Tom Cruise, Nicole Kidman, Sydney Pollack, Marie Richardson

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
César 2000 Bester fremdsprachiger Film Nominierung
Golden Globes 2000 Beste Musik Jocelyn Pook Nominierung

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2 Responses

  1. parker

    Ich habe die Traumnovelle auch nicht gelesen, kann aber die negativen Kritiken nicht nachvollziehn. Kubrick hat sich mit diesem Film an ein Thema gewagt, dass zwar oft behandelt wird aber nie mit der Radikalität und Ehrlichkeit insziniert wird die notwndig ist um die Wahheit ans Licht zu bringen.
    Das letzte abgeschlossene Meisterstück Kubriks schließt an seinem Frühwerk „Lolita“ an, in dem die Sexualität ja nur unter der Oberfläche durchschimmert.

    Ganz Großes Kino, Respekt an die beiden Hauptdarsteller die sich getraut haben ihr Privatleben so schonungslos darzustellen. Kubrik provozierte mit dem Film sicher auch einen Vojuerismus, der zwar in in seinen anderen Filmen auch diese nervenaufreibende Spannung erzeugt, aber angesichts der Tatsache das die Hauptdarsteller wirklich verheiratet sind einen noch extremeren Touch bekommt.

    Die Szene in der Alice ihrem Mann von dem Marineoffizier erzählt ist schauspielrische Hochleistung!

    Unbedingt im Originalton ansehen!!

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  2. Der kleine Candide

    Danke für den Beitrag. “Lolita” steht übrigens auf meine Warteliste, hab ihn leider noch nie gesehen, aber intuitiv dachte ich mir, dass er zu “Eyes Wide Shut” gut passen würde 😉

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