Kritik

City Of GodAls ich City of God das erste mal sah, war ich sehr beeindruckt von diesem wunderbaren Film von Fernando Meirelles und auch beim zweiten Mal kann ich ihn nur wärmstens weiterempfehlen.

Basierend auf wahren Begebenheiten, erzählt der Streifen von den Kindern aus der „Cidade de Deus“, der Stadt Gottes, einem Stadtteil von Rio de Janeiro in Brasilien. Im Jahre 1960 baute die Regierung diese Siedlung, um systematisch die Favelas aus dem Stadtzentrum zu verbannen. Es wurden also tausende Menschen in die Stadt Gottes zwangsumsiedelt. Unter schlechtesten Bedingungen, ohne Strom und ohne fließendes Wasser wachsen dort unter anderem Buscapé (Alexandre Rodrigues), Bené (Phellipe Haagensen) und der brutale „Löckchen“, später „Locke“ genannt (Leandro Firmino da Hora), auf. Es ist vor allem Locke, der in die Fußstapfen seines großen Bruders als Gangster treten möchte. Als er heranwächst, macht er sich Ende der 70er schnell einen Namen. Da er Grips hat und somit gute Pläne schmiedet, wird seine Bande schnell eine der gefürchtetsten in ganz Rio. Immer mit dabei ist Bené, der quasi das Gewissen von Locke ist. Während letzterer schießwütig durch die Straßen zieht, will Bené lieber per diplomatischen Weg mit den anderen Gangs um die Einflussgebiete verhandeln. Größter Widersacher ist dabei „Karotte“ (Matheus Nachtergaele).

Bald merken die jugendlichen Kriminellen, dass man mit Drogen am meisten Kohle macht. Im Kampf um Macht beschwören sie aber alsbald einen riesigen Bandenkrieg herauf, der das ganze Stadtviertel in einen Kriegsschauplatz verwandelt. Doch was macht eigentlich in der ganzen Zeit Buscapé? Er selbst schwört sich, nie ein Gangster zu werden, doch in der Stadt Gottes ist es nicht leicht, sich als ehrlicher Arbeiter über Wasser zu halten. Sein größter Wunsch ist es Fotoreporter zu werden, doch wie soll das klappen, wenn das Geld nie und nimmer für eine ordentliche Kamera reicht? Er beginnt also ganz unten, als Zeitungsjunge, doch als er eines Tages von Locke beauftragt wird, von seiner Gang Fotos zu schießen, und diese anschließend auf der ersten Seite einer großen brasilianischen Zeitung landen, scheint er den Durchbruch geschafft zu haben. Weil andere Reporter keinen Zugang zu den Banden und somit keine Chance haben, ähnliche Bilder wie Buscapé zu schießen, wird ihm die gefährliche Aufgabe überlassen. Inmitten eines immer brutaler werdenden Bandenkriegs versucht also der begabte Fotograf an neue Fotos zu kommen …

Es ist nicht ganz leicht, die 130 Minuten Laufzeit adäquat zusammenzufassen. Der Film von Meirelles enthält extrem viel Informationen und porträtiert die Stadt Gottes auf beeindruckende Art und Weise. Meiner Meinung handelt es sich hier um einen der besten neuzeitlichen Filme und nicht umsonst hat er unzählige internationale Filmpreise gewonnen. Sehr empfehlenswert ist übrigens auch Der ewige Gärtner, der nächste Streich von Meirelles nach City of God. Wer den Regisseur noch nicht kennt, sollte sich also schleunigst ein Bild seiner Werke machen.

Credits

OT: „Cidade de Deus“
Land: Brasilien
Jahr: 2002
Regie: Fernando Meirelles
Drehbuch: Bráulio Mantovani
Vorlage: Paulo Lins
Musik: Antônio Pinto, Ed Côrtes
Kamera: César Charlone
Besetzung: Alexandre Rodrigues, Leandro Firmino da Hora, Jonathan Haagensen, Phellipe Haagensen, Douglas Silva, Daniel Zettel, Seu Jorge

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 2004 Beste Regie Fernando Meirelles Nominierung
Bestes adaptiertes Drehbuch Bráulio Mantovani Nominierung
Beste Kamera César Charlone Nominierung
Bester Schnitt Daniel Rezende Nominierung
BAFTA Awards 2003 Bester fremdsprachiger Film Nominierung
Bester Schnitt Daniel Rezende Sieg
Europäischer Filmpreis 2002 Screen International Award Nominierung
Film Independent Spirit Awards 2004 Bester fremdsprachiger Film Nominierung
Golden Globes 2003 Bester fremdsprachiger Film Nominierung

Filmfeste

Cannes 2002
Telluride Film Festival 2002
Toronto International Film Festival 2002
International Film Festival Rotterdam 2003

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City Of God
Auch nach mehrmaliger Sichtung immer noch empfehlenswert. Meirelles gelingt es bemerkenswert gut, den Spagat zwischen Unterhaltung und den tragischen Fakten zu meistern.
9von 10

2 Responses

  1. parker

    Wahnsinns Streifen. Was mich begeistert hat waren die Schnitttechniken und die knalligen Farben, was Meirelles auch bei „der ewige Gärtner“ beibehalten hat.

    Ich würde noch erwähnen, dass die Art der Gewaltdarstellung sicher nicht jedermanns Sache ist, dann sogar die Brasilianer selbst haben selbst haben den Film angeblich als etwas zu überzogen kritisiert. Ich denke, das extreme an dem Film ist die Perspektive, die ja ständig wechselt (auch wenn Buscapes Stimme aus dem Off zu hören ist), aber immer vom handelnden Akteur aus eingenommen wird. Das verleiht dem Film auch ein besonderes Stressmoment. Nicht jeder Zuseher hat die Nerven für so eine Art Film.

    Sehr gut fand ich übrigens die deutsche Synchronisation, vor allem Buscapes Stimme, gesprochen von Xavier Naidoo!

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  2. Lorenz Mutschlechner

    Stimmt Xavier Naidoo macht seinen Job gut. Auch den Rest des Kommentars kann ich nur zustimmen.

    Was ich im Review vergessen habe zu erwähnen: Bei den Schauspielern handelt es sich um Laien, die teilweise aus den Armenviertel aus Rio stammen. Respekt an den Regisseur und auch an das Casting-Team.

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