Ewald Krüger (Thomas Arnold) ist vom Leben gezeichnet. Vier Monate ist es her, dass seine Tochter Pia ermordet wurde, bis heute wurde der Täter nicht gefunden. Und nun hat er auch noch seine Frau Lydia (Marianna Linden) verloren, die sich offenkundig aus Trauer erhängt hat. (Melanie Marschke), Kim Nowak (Amy Mußul), Moritz Brenner (Johannes Hendrik) und Jana Zschocke (Altine Emini) gehen der Sache nach und treffen dabei auf einen Ehemann, der in seiner Verzweiflung zu nahezu allem bereit ist und um jeden Preis verhindern will, dass ihm jemand seine Frau nimmt. Und das ist nicht die einzige Überraschung, die auf das Quartett bei einem Fall wartet, der für viele richtig böse enden könnte …
Die Verzweiflung des Schmerzes
Und weiter geht es mit SOKO Leipzig. Vergangene Woche meldet sich der ZDF-Dauerbrenner nach einer mehrmonatigen Pause mit der bereits 27. Staffel zurück. Die erste Episode Das Auge handelte dabei einerseits von dem neuen Kollegen und kleineren Streitigkeiten im Team. Der Fall selbst wiederum sprach unter anderem von Korruption in der Polizei und einer unerwarteten Überwachung. Das war schon ziemlich übertrieben, zeitweise konnte man sich gar nicht sicher sein, ob das überhaupt ernst gemeint ist. Mit Letzte Umarmung steht jetzt die zweite Folge der besagten Staffel an. Diese ist zwar kein Stück alltäglicher geworden. Sie ist aber deutlich besser, aus mehreren Gründen.
Einer davon ist, dass diesmal auf diese penetranten Streitigkeiten verzichtet wurde, durch die man das letzte Mal das Gefühl hatte, die Polizeiwache sei zu einem Kindergarten umfunktioniert worden. Tatsächlich werden die Reibungen mit dem Neuen nicht einmal angesprochen. Ganz angekommen ist der Kollege zwar noch nicht, man wird noch nicht ganz schlau aus ihm. Aber da bleibt ja noch Zeit. Stattdessen steht der trauernde Ehemann in SOKO Leipzig: Letzte Umarmung im Mittelpunkt. Teilweise ist sein Verhalten geradezu grotesk, seine Trauer hat ihn geradezu wahnsinnig werden lassen. Aber es nimmt einen schon mit, ihn so zu sehen, wie er in diesem doppelten Schicksalsschlag zerbrochen ist und ihm nichts anderes bleibt, als diesen Schmerz in Stücke zu reißen – und alles andere gleich mit.
Sehr tragisch
Das geht phasenweise eher in Richtung Thriller, weil es mehr darum geht, Schlimmeres zu verhindern. Für das Vergangene bleibt kaum Zeit. Die eine oder andere Wendung, wenn die Ermittlung doch noch ein Ergebnis hervorbringt, ist dennoch drin. Zum Ende hin wird es in SOKO Leipzig: Letzte Umarmung dann auch noch mal besonders heftig, wenn rauskommt, was genau da geschehen ist und aus welchem Grund. Wie vermeidbar all dieses Leid gewesen wäre. Das ist deutlich sehenswerter als der vermurkste Auftakt. Immerhin: Die Serie beweist mit ihren ersten beiden Folgen, dass sie – im Gegensatz zu vielen anderen Krimis im deutschen Fernsehen – ganz eigene Geschichten erzählen kann. Nächstes Mal geht es in Heute sterbe ich nicht um einen Mann, der den Krebs besiegt hat, nur um dann ermordet zu werden.
OT: „SOKO Leipzig: Letzte Umarmung“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Eline Gehring
Drehbuch: Uwe Kossmann
Musik: Anna-Marlene Bicking
Kamera: Julia Schlingmann
Besetzung: Melanie Marschke, Simon Böer, Amy Mußul, Johannes Hendrik Langer, Daniel Steiner, Anna Stieblich, Thomas Arnold, Marianna Linden, Axel Wandtke, Matthias Zera
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