
Die Ressourcen sind aufgebraucht, auch sonst ist die Welt kein sehr lebensfreundlicher Ort mehr. Doch dafür gibt es ja The Head, eine künstliche Intelligenz, welche über die Menschen wacht und sie versorgt. Dass dies mit einigen Regeln und Bedingungen verbunden ist, nehmen die meisten in Kauf. Djonny (Andrzej Konopka) ist einer der Leute, die dafür sorgen, dass diese Regeln auch eingehalten werden. Als es jedoch bei einer Gruppe von Geflüchteten zu einem Mord kommt, muss er sich erst einmal dieser Geschichte annehmen. Zusammen mit Maria (Filippa Kaye) geht er der Sache nach und ist dabei besonders an Rana (Noomi Rapace) interessiert, eine Geflüchtete, die sich irgendwie verdächtig verhält. Doch die Geschichte ist deutlich komplizierter …
Typisch schreckliche Zukunftsvision
Segen oder Fluch? Das weiß bei der künstlichen Intelligenz derzeit niemand so genau, große Zukunftsversprechen treffen auf eine ebenso große Angst. Das ist dankbarer Stoff für Filme, regelmäßig kommen welche heraus, in denen solche Intelligenzen entweder ausbrechen und gefährliche Dinge tun oder gleich ganz die Kontrolle übernommen haben. Kürzlich startete die deutsche Romanadaption Corpus Delicti im Kino, wo die Menschen sich einen absoluten Überwachungsstaat erschaffen haben, bei denen die Technik alles bestimmt. Fürs Heimkino erschien hingegen Battleground – Der letzte Widerstand, wo die KI noch einmal deutlich brutaler auftritt. Mit Hot Spot – Nowhere in the Future folgt nun ein weiterer Beitrag, der es sogar ins Kino schafft. Aber nur versteckt, der Verleih tut mal wieder so, als gäbe es den Film überhaupt nicht.
Das mag auch mit der verheerenden Resonanz zusammenhängen, die der Film im Ausland erhalten hat. Diese ist auch durchaus nachvollziehbar, denn es ist schon einiges, was einem hier zugemutet wird. Das Szenario an sich ist dabei eigentlich sehr klassisch. Da ist nicht nur die Sache mit der Maschine, die sich die Menschen untertan macht. Auch das Szenario, dass die Welt nach Raubbau und Katastrophen nicht mehr ganz so lebensfreundlich ist, ist im Science-Fiction-Genre Standard. Auch an anderen Stellen arbeitet Hot Spot – Nowhere in the Future mit bewährten Elementen und Themen. Tatsächlich ist ein Manko, dass der Film – von einem zynischen Recyclinggedanken abgesehen – nicht wirklich etwas zu diesem Themenkomplex beizutragen hat. Da gibt es weder neue Erkenntnisse noch relevante Diskussionsansätze.
Alles irgendwie seltsam
Das allein erklärt aber nicht die negativen Reaktionen. Denn auch wenn das eigentlich alles bekannt ist, schafft es die europäische Coproduktion, diesen Stoff aber zu einem ganz seltsamen Gebilde zu machen. Das sollte nicht überraschen, da Agnieszka Smoczyńska hier Regie geführt hat. Die Polin hat schließlich vorher das Amnesie-Drama Fugue und das Meerjungfrauen-Horrormusical Sirenengesang gedreht, die beide mit surrealen Elementen auf Festivals einiges an Aufmerksamkeit erhielten. Bei Hot Spot – Nowhere in the Future gibt es einen Mix aus inhaltlichen und visuellen Bestandteilen, die dafür sorgen, dass das alles gleichzeitig bekannt und fremd ist. So sieht der Protagonist aus, als käme er aus einer Komödie. Die Besetzung ist international, spricht aber nur in holprigem Englisch, was die zum Teil ohnehin schon unverständlichen Dialoge noch unverständlicher macht.
Das ist alles schon irgendwie faszinierend, die Bilder tragen ebenso dazu bei, dass man sich das Treiben weiter anschaut. Aber es ist auch frustrierend und unbefriedigend. Man wartet hier die ganze Zeit darauf, dass irgendwann eine tatsächliche Geschichte beginnt. Der dystopische Science-Fiction-Thriller, der auf dem Fantasia Film Festival 2026 Weltpremiere hatte, reiht Szene um Szene an, ohne dass daraus aber jemals ein wirkliches narratives Werk wird. Wenn Hot Spot – Nowhere in the Future wenigstens wirklich konsequent gewesen wäre, wenn es um das Erzeugen von Mindfuck-Momenten geht. So aber bleibt ein Film, der zwar schon in der Kinolandschaft hervorsticht, bei dem man aber nicht sagen kann, wem man ihn empfehlen sollte.
OT: „Hot Spot“
Land: Polen, Griechenland, Schweden, Norwegen
Jahr: 2026
Regie: Agnieszka Smoczyńska
Drehbuch: Robert Bolesto
Musik: Marcin Mack, Zuzanna Wrońska
Kamera: Jakub Kijowski
Besetzung: Andrzej Konopka, Noomi Rapace, Reika Kirishima, Filippa Kaye, George Aurimas Cris
Fantasia Film Festival 2026
BFI London Film Festival 2026
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