Bearcave
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Bearcave

Bearcave
„Bearcave“ // Deutschland-Start: 3. Dezember 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Dieses griechische queere Arthouse-Drama des Regieduos Stergios Dinopoulos und Krysianna B. Papadakis stellt das gegenseitige Annähern und das wiederkehrende Einander-Verpassen zweier bester Freundinnen, die mehr als das sein könnten und auch gerne wollen würden, in den Vordergrund. Argyro (Chara Kyriazi) und Anneta (Pamela Oikonomaki) leben in einem Bergdorf und könnten verschiedener nicht sein: Erstere ist Bäuerin, Zweitere das „It-Girl“ des Dorfes, das ihren Lebensunterhalt mit Maniküre verdient. Ihre Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt, als Anneta von ihrem Freund, einem Polizisten, schwanger wird, wodurch sich die Leben der Beiden stark zu verändern drohen. Bevor dies jedoch passiert, fordert Argyro sie zu einem letzten Abenteuer heraus, nämlich die sagenumwobene Bärenhöhle zu finden.

Queerness auf dem Lande

Das Leben auf dem Land, vor allem für junge Frauen, kann ganz schön langweilig sein – trotzdem kann man irgendwie das Beste daraus machen. Anneta macht sich öfter schick, um feiern zu gehen, Argyro macht das, was Bäuerinnen halt so machen. Währenddessen und zwischendurch ist das Dorf nicht ausgestorben, im Gegenteil, es gibt Community, Feste, Speis und Trank, aber schließlich bleibt Dorf eben Dorf. Das Positive daran: die Existenzen von Argyro und Anneta werden nicht als eingeengt beschrieben, die dörfliche Gemeinschaft nicht als besonders repressiv dargestellt, sondern erträglich bis hoffnungsvoll, auch wenn klare Geschlechterrollen (natürlich, leider) existieren. Und so soll Bearcave keine tragische Geschichte einer komplizierten queeren Liebe auf dem Lande sein, denn davon gibt es laut den Regisseur*innen schon zu viel.

Dabei findet die Queerness der Beiden sehr lose, wie auf einem Spektrum statt. Offensichtlich haben sie Gefühle füreinander, verspüren psychische und physische Anziehung; trotzdem geht Anneta auch einem heteronormativen Leben nach, ist mit einem Cop zusammen, wird sogar schwanger von ihm, was Argyro einen Schlag versetzt, vor allem, da Anneta mit ihrem Freund in die Stadt ziehen möchte bzw. müsste. Ihre letzte Hoffnung: eine Wanderung zur Bärenhöhle, einem mystischen Ort irgendwo im tiefen, bergigen Wald. Und auf dem Weg dorthin passiert allerhand, nämlich … äh, ja, was eigentlich genau? Okay, die Beiden kommen sich immer wieder näher, entdecken auf irgendeine Weise, was sie möchten, aber leider bleibt dabei vieles schlicht flach. Weder die Freundschaft von Anneta und Argyro noch die romantischen Gefühle zueinander oder das Begehren voneinander versprüht Funken. Eine Chemie ist in den seltensten Fällen vorhanden, Tiefe oder Komplexität in der Beziehung wird kaum transportiert.

Mittelmaß mit Lichtblicken

Das ist durchaus schade, denn Bearcave macht so einiges richtig. Angefangen bei der Produktion, die kollektiv-demokratisch, weiblich-geführt und lokal stattfand (so wurden z.B. Szenen im Haus der Großmutter eines Teammitglieds gedreht), über das Casting von insbesondere Pamela Oikonomaki, die so ziemlich den gesamten Film trägt, bis hin zur Songauswahl, bei der sich der pumpende griechische Folk-Techno für längere Zeit in die Gehörgänge fräst. Zusätzlich ist die Kinematographie mit viel sattem Grün und Blau durchaus gut gelungen. Gegenteilig dazu steht die vor sich hinplätschernde Erzählweise, die sich bereits ab spätestens der Filmmitte im Kreis dreht, die unzureichend ausgearbeitete Beziehung zwischen den Hauptcharakteren, und das Abarbeiten an mindestens zehn Jahre alten Festivalfilmklischees, die längst zur Volkskrankheit der Kreativität geworden sind und selbst bei spannenden Voraussetzungen einen Film killen können, wenn sie nicht besonders genug umgesetzt werden.

Dies ist bei Bearcave nur im Ansatz der Fall, dieser Ansatz hievt dieses Werk dennoch über bloßen Mittelmaß. Anzumerken ist, dass Stergios Dinopoulos und Krysianna B. Papadakis im Jahre 2023 einen gleichnamigen, 38-minütigen Kurzfilm mit denselben Schauspielerinnen veröffentlichten, bei dem schon andere Stimmen bemängelten, dass sich dieser lang anfühle – ob daraus einen zweistündigen Spielfilm zu machen also der richtige Move war, ist ob der Dröge und der Seichte des Materials zu bezweifeln, denn ein Film sollte nicht auslösen, dass man ab ca. Minute 45 auf die Uhr guckt. Und nach gefühlten 30 Minuten nochmal, nur um festzustellen, dass seit dem letzten Mal doch nur fünf Minuten vergangen sind. Nichtsdestotrotz sei dem Team und dem Cast die Aufmerksamkeit auf Festivalbühnen aus tiefstem Herzen gegönnt.

Credits

OT: „Arkoudotripa“
Land: Griechenland, UK
Jahr: 2025
Regie: Stergios Dinopoulos, Krysianna B. Papadakis
Drehbuch: Stergios Dinopoulos, Krysianna B. Papadakis
Musik: John Tournas
Kamera: Arsinoi Pilou
Besetzung: Chara Kyriazi, Pamela Oikonomaki, Sozos Christou, Vasso Gougara, Lefteris Tsatsis

Bilder

Trailer

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Bearcave
fazit
„Bearcave“ füllt fast alle Boxen eines 08/15-Festivalfilms aus: Die Erzählung ist gegliedert in Akte, die Erzählweise mäandert vor sich hin, der Film fühlt sich nicht nur zu lang an, sondern ist auch zu lang, und auch die Connection der beiden Hauptcharaktere ist voller auserzählter Tropen. Eingebettet in das ländliche Griechenland, bietet „Bearcave“ trotz alledem durch das vornehmlich queere, weibliche, junge Team, die kollektive Arbeit dahinter, und vor allem durch den Soundtrack, die inhärente Positivität und die Ausstrahlung von Pamela Oikonomaki allerhand Rahmenbedingungen, die es wert sind, mal ausgecheckt zu werden.
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