Über Unterbiberger – Vom Woid in die Welt
© Matthias Ditscherlein, Kippelsteiner Filme / Filmperlen

Über Unterbiberger – Vom Woid in die Welt

Über Unterbiberger – Vom Woid in die Welt
„Über Unterbiberger – Vom Woid in die Welt“ // Deutschland-Start: 1. Oktober 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Ein Mann in Lederhose steht vor den Pyramiden von Gizeh, in der Hand eine Trompete. Mit diesem Bild beginnt der Dokumentarfilm Über Unterbiberger – Vom Woid in die Welt, und es ist ein kluger Auftakt: halb Gag, halb Manifest, ein Stück Bayern im Wüstensand. Wer nun einen Film erwartet, der so keck ist wie sein erstes Bild, wird am Ende nicht ganz belohnt.

Der Mann heißt Franz Himpsl, stammt aus dem „Woid“, wie der Bayerische Wald im Dialekt heißt, unterrichtete lange Musik und Sport an der Realschule und gründete Anfang der Neunziger die Unterbiberger Hofmusik. Längst ist sie ein Familienbetrieb: Ehefrau Irene und die Söhne Xaver, Ludwig und Franz Jr. sind mit dabei. Das Rezept: bayerische Volksmusik, aufgemischt mit Jazz und immer neuen Zutaten aus der Ferne. Den Anstoß gab 1991 eine Masterclass mit dem brasilianischen Trompeter Claudio Roditi. Dazu kam das Türkische, im Projekt Bavaturka, das bayerische und türkische Einflüsse verarbeitete. Man ordnet das der Neuen Volksmusik zu, jener Bewegung, die seit den Siebzigern das Überlieferte aus folkloristischer Erstarrung befreien will. Nur dass es der Hofmusik weniger um Satire geht, wie sie beispielsweise die Biermösl Blosn einst pflegten, als um die Verständigung mit fremden Klangwelten.

Braves Musikerportät

Regiseur Matthias Ditscherlein kennt das alles aus nächster Nähe. Vor mehr als zehn Jahren traf er Himpsl in Izmir, wo der, natürlich in Lederhose, türkische Volkslieder spielte; so etwas vergisst man nicht. 2018 folgte der Kurzfilm Bavarabica, eine Reise der Hofmusik samt Freunden durch die arabische Welt. Nun also die lange Form. Das passt zu einem Regisseur, der 2012 in Das Glück da unten von vier Frauen erzählte, die nach dem 2. Weltkrieg im Bergbau gearbeitet hatten. Der nächste Film Hadi tschüss (2015) entstand aus einer Begegnung mit deutsch-türkischen Jugendlichen in Izmir, und Kinomann (2020) porträtiert den ältesten mobilen Kinobetreiber Deutschlands, Helmut Göldner. Dazwischen entstanden Veranstaltungsfilme über Posaunentage und Bläserfeste; Blech war ihm also nicht fremd. Aber immer wieder geht es um Menschen mit Leidenschaft und ungeradlinigem Lebenslauf sowie um die Frage, was aus Heimat wird, wenn Fremdes zu Besuch kommt.

Umso ernüchternder, wie brav der Film daherkommt. Ditscherlein, der für Regie, Kamera, Schnitt und Produktion verantwortlich war, reiht Stationen aneinander (Marrakesch, Ägypten, Türkei, Iran) und springt zwischendurch immer wieder zurück nach München oder in den Bayerischen Wald, zum Brotjacklriegel. Herausgekommen ist ein Musikerporträt aus dem Bausatz: ein charismatischer Held, ein paar Konzerte, ferne Schauplätze, Familienszenen, alles gefällig montiert. Falsch ist daran nichts, Eigenes aber auch nicht viel. Man erfährt kaum etwas, das man nicht schon beim Titel ahnte.

Glatter Familienfilm

Dass der Film vor allem Franz gehört, ist verständlich. Er ist Trompeter, Lehrer, Antreiber, Kommunikator, Unterhalter, und seine Energie füllt jedes Bild, das er betritt. Aber diese Band lebt davon, dass sie eine Familie ist, und im Film kreist die Familie um ihn wie Planeten um eine sehr helle Sonne. Man ahnt, dass Irene das Gegengewicht zu seinem Ideenfeuerwerk bildet und die Söhne längst eigene Köpfe haben, ausgebildete Musiker sind, keine bloßen Begleiter. Mehr als ein Ahnen und Texttafeln vor dem Abspann sind aber nicht drin. Wer führt, wer folgt, wer setzt sich wie ab: Das wäre der interessantere Stoff gewesen.

Vielleicht liegt es an der Vertrautheit, dass das nicht zustande gekommen ist. Ditscherlein begleitet die Familie seit mehr als einem Jahrzehnt, produziert wurde in Zusammenarbeit mit Himpsl Records, die Filmmusik stammt von Ludwig Himpsl und der Hofmusik selbst. Da schließt sich ein Kreis, und in geschlossenen Kreisen entsteht selten Reibung. Wer so lange dabei ist, wird leicht zum Freund, und Freunde drehen ungern die Szenen, die wehtun. Das erklärt die Wärme des Films und seine Glätte.

Dabei steckt im Stoff eine Frage, die mehr Neugier verdient hätte: Was bleibt von Heimat, wenn sie auf Tournee geht? Die Lederhose vor der Pyramide deutet eine Antwort an, doch ein Bild ist noch keine Erkenntnis. Immerhin sind zum Kinostart bei ausgewählten Vorstellungen Auftritte von Bandmitgliedern vorgesehen. Das könnte das lebendigere Erlebnis werden.

Credits

OT: „Über Unterbiberger – Vom Woid in die Welt“
Land: Deutschland
Jahr: 2025
Regie: Matthias Ditscherlein
Buch: Matthias Ditscherlein
Musik: Ludwig Himpsl, Unterbiberger Hofmusik
Kamera:Matthias Ditscherlein

Bilder

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Über Unterbiberger – Vom Woid in die Welt
fazit
Die Himpsls sind interessanter als der Film über sie: „Über Unterbiberger: Vom Woid in die Welt“ ist ein braves Musikerporträt aus dem Bausatz, das mehr Franz zeigt als Familie und kaum etwas verrät, das überrascht. Neugierig macht der Film trotzdem – auf die Band.
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