
Eigentlich will Harlan (Joel Kinnaman) nicht viel mit der Welt da draußen zu tun haben. Er hat sich in die Wildnis zurückgezogen, wo er ungestört um seine Frau und sein Kind trauern kann. Doch mit der Ruhe ist es vorbei, als er mitten im Eis ein abgestürztes Flugzeug entdeckt, in dem mehrere Millionen US-Dollar auf einen neuen Besitzer warten. Im Anschluss bekommt er es nicht nur mit der indigenen Rangerin Ani (Cara Jade Myers) zu tun, die dem Einsiedler misstraut. Auch Rhodes (Danny Huston), dessen Bande das Geld zuvor gestohlen hatte, ist hinter Harlan her, da er es nicht einsehen will, dass ihm jemand die Beute streitig macht. Zur Not geht er auch über Leichen, wenn er dadurch das Raubgut zurückbekommt …
Wohin mit dem Geld?
Viele dürften schon einmal darüber nachgedacht haben, was sie wohl tun würden, wenn sie eines Tages eine große Menge Geld finden. Würde man es zurückgeben oder es doch für sich selbst ausgeben? Und wenn ja, wofür? Wenn es nach Filmen geht, ist ein solcher Fund eher selten eine freudige Nachricht. Immer wieder werden Geschichten erzählt, wie jemand durch den unerwarteten Reichtum jede Menge Ärger bekommt, vor allem mit den eigentlichen Besitzern. In Sew Torn – Fäden des Verbrechens etwa platzt eine Näherin in einen missglückten Drogendeal und hat anschließend mit den Folgen zu kämpfen – in drei verwickelten Alternativszenarien. Im Vergleich dazu ist Icefall – Bis das Eis bricht! um eines geradliniger, auch hier bringt ein Zufallsfund das Leben der Hauptfigur kräftig durcheinander.
Tatsächlich ist die Hauptgeschichte so banal und bekannt, dass es sich kaum lohnt, sie noch irgendwie zu erwähnen. Jemand findet das Geld von Verbrechern und wird anschließend von diesen verfolgt, muss ihnen entkommen, manchmal auch gegen sie kämpfen. Die US-amerikanische Produktion weicht da nie von den Genrekonventionen ab. Auch dass die Polizei irgendwann dazukommt, ist ein so naheliegender Einfall, dass die meisten ihn haben. Gut, hier ist es eine Wildhüterin. Aber das macht keinen wesentlichen Unterschied. Es ist auch nicht so, als würde Icefall – Bis das Eis bricht! sehr viel in die Figurenzeichnung hinter der Uniform investieren. Eine tragische Vorgeschichte beim Protagonisten? Das ist mittlerweile Standard, weil es eine billige Möglichkeit ist, einen Charakter vorzutäuschen, wo keiner ist. Wozu Arbeit in das Drehbuch investieren, wenn es auch ein Klischee tut?
Solider Thriller
Und doch, ein paar Punkte sind da schon, die den Film sehenswerter machen als andere Genrevertreter. Beispielsweise ist der österreichische Regisseur Stefan Ruzowitzky (Hinterland, Anatomie), der auf düstere Stoffe spezialisiert ist, schon darum bemüht, die indigene Bevölkerung stärker zu integrieren. Da ist dann nicht nur die Herkunft der Wildhüterin. Da ist zudem eine spirituelle Note, die in Icefall – Bis das Eis bricht! etwas hervorsticht. Wirklich vertieft wird zwar auch das nicht. Dass dieses Thema überhaupt drin ist, ist schon ziemlich gewollt. Konkrete Auswirkungen auf die Handlung hat das nicht. Zumindest punktuell sorgt das aber für Aha-Momente und hilft ein wenig, dass der Actionthriller nicht völlig untergeht.
Positiv ist zudem das Setting, welches immer wieder stimmungsvolle Aufnahmen aus dem Eis mit sich bringt. Der Thriller hat dadurch auch leichte Survival-Anleihen, wenn schon der Alltag dezent lebensfeindlich ist. Schauspielerisch passt das prinzipiell auch. Der aktuell gut beschäftigte Schwede Joel Kinnaman (Imperfect Women, Jo Nesbo’s Harry Hole) ist für die Rolle des schweigsamen Überlebenskünstlers sicherlich eine passende Besetzung. Danny Huston hingegen neigt zum Overacting, was zu seltsamen Kontrasten führt. Insgesamt ist Icefall – Bis das Eis bricht! ein solides Beispiel für das bewährte Szenario, das man sich durchaus anschauen kann, selbst wenn nicht ganz so viel davon in Erinnerung bleibt.
OT: „Icefall“
Land: USA
Jahr: 2025
Regie: Stefan Ruzowitzky
Drehbuch: George Mahaffey, Steve Isles
Musik: Deepak Ramapriyan
Kamera: Benedict Neuenfels
Besetzung: Joel Kinnaman, Cara Jade Myers, Danny Huston, Graham Greene, Martin Sensmeier, Will Fletcher
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