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Das letzte Abendmahl

„Das letzte Abendmahl“ // Deutschland-Start: 2. April 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Ein Jahr nachdem Jesus von Nazareth (Jamie Ward) am See Genezareth mit fünf Broten und zwei Fischen fünftausend Menschen gespeist hat, zieht er gemeinsam mit seinen zwölf Jüngern in Jerusalem ein. Die Menge empfängt ihn als Hoffnungsträger, doch Jesus selbst ahnt bereits, dass dieser Triumph von kurzer Dauer sein wird. Der Hohepriester Kajaphas (James Faulkner) sieht in ihm eine Bedrohung – besonders nachdem Jesus die Händler aus dem Tempel, den er als Haus seines Vaters bezeichnet, vertreibt. Auf der Suche nach einem Weg, ihn loszuwerden, findet Kajaphas in dem Jünger Judas Iskariot (Robert Knepper) einen Verbündeten. Währenddessen bereitet sich Jesus auf sein Schicksal vor: Verrat und Tod. Beim Pessachfest versammelt er seine Jünger zu einem letzten Abendmahl – ein Abschied, der zugleich zum zentralen Moment der christlichen Überlieferung werden soll.

Ein Stoff der Filmgeschichte

Verfilmungen des Neuen Testaments und insbesondere der Lebensgeschichte Jesu gehören zu den beständigsten Stoffen der Filmgeschichte. Von frühen Monumentalwerken wie König der Könige (1927) von Cecil B. DeMille über dessen opulente Neuverfilmung von 1961 durch Nicholas Ray und George StevensDie größte Geschichte aller Zeiten (1966) bis hin zu den reduzierten, künstlerisch ambitionierten Ansätzen eines Pier Paolo Pasolini (Das 1. Evangelium – Matthäus) reicht die Bandbreite. Auch kontroverse Perspektiven wie Martin Scorseses Die letzte Versuchung Christi oder Mel Gibsons Die Passion Christi haben den Stoff immer wieder neu interpretiert. In jüngerer Zeit erfährt die Jesus-Erzählung durch Formate wie die Serie The Chosen oder Animationsfilme wie Der König der Könige und Johannes und das Licht der Welt eine erneute Popularisierung.

Mit Das letzte Abendmahl folgt nun eine weitere Realverfilmung, die sich bewusst auf die letzten Tage im Leben Jesu konzentriert und den titelgebenden Moment ins Zentrum rückt. Regisseur Mauro Borrelli, der zuvor vor allem im Horror- und Thrillerbereich (Mindcage, WarHunt – Hexenjäger) tätig war und als Illustrator an Großproduktionen wie Dumbo beteiligt war, bringt dabei ein ausgeprägtes Gespür für Bildkompositionen mit. Diese visuelle Stärke ist ein Plus des Films: Viele Einstellungen wirken sorgfältig komponiert und sind atmosphärisch dicht.

Zu viel Erklärung, zu wenig Spannung

Doch weil der Film als dialoglastiges Kammerspiel angelegt ist, treten seine Schwächen umso deutlicher hervor. Die Gespräche, die den Großteil der Laufzeit tragen, bleiben oft hölzern und erklärend. Statt Raum für Ambivalenz oder interpretatorische Offenheit zu lassen, setzt der Film auf didaktische Eindeutigkeit. Das zeigt sich exemplarisch in der Parallelmontage zwischen einem traditionellen Pessachmahl im Untergeschoss und dem letzten Abendmahl im Obergeschoss: Die intendierte Verbindung zwischen jüdischer Tradition und christlicher Umdeutung wird zwar klar herausgestellt, wirkt jedoch eher belehrend als filmisch verdichtet.

Interessant ist hingegen der Versuch, den bekannten Figuren zusätzliche psychologische Dimensionen zu verleihen. Judas erscheint nicht nur als Verräter, sondern als zerrissene Figur zwischen politischer Hoffnung, persönlicher Enttäuschung und metaphysischer Versuchung – in einigen Szenen sogar im direkten Dialog mit einer personifizierten Gestalt des Satans. Auch Kajaphas wird nicht als bloßer Antagonist gezeichnet, sondern als ein Mann, dessen Handeln aus verletztem Stolz und Angst vor Machtverlust gespeist wird. Diese Ansätze deuten an, welches Potenzial in einer differenzierteren Erzählweise gelegen hätte.

Zwischen Härte und Zurückhaltung

Die Inszenierung der Gewalt bleibt uneinheitlich. Während die Verhaftung Jesu überraschend brutal dargestellt wird, spart der Film die Kreuzigung weitgehend aus und verweist lediglich in kurzen Rückblenden darauf. Diese Zurückhaltung steht in einem gewissen Spannungsverhältnis zur zuvor etablierten Härte und wirkt eher inkonsequent als bewusst gesetzt.

Auch die schauspielerischen Leistungen können das Gesamtbild nur bedingt tragen. Die Darstellung Jesu (Jamie Ward) bleibt eindimensional; unabhängig von der Situation dominiert ein gleichförmiger, entrückter Ausdruck, der kaum emotionale Entwicklung erkennen lässt. Genauso verhält es sich bei Petrus (James Oliver Wheatley), dieser bleibt trotz seiner zentralen Funktion eher schematisch gezeichnet. Dadurch verlieren die Figuren insgesamt an dramatischer Tiefe.

So bleibt Das letzte Abendmahl ein Film, der visuell überzeugt, inhaltlich jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Er liefert eine solide, handwerklich saubere Nacherzählung eines bekannten Stoffes, ohne diesem neue Facetten abzugewinnen oder eine eigene, prägnante Perspektive zu entwickeln. Für ein Publikum, das sich primär aus religiösem Interesse dem Thema nähert, mag das genügen. Wer jedoch nach einer filmisch oder gedanklich herausfordernden Auseinandersetzung mit dem Leben Jesu sucht, wird hier kaum fündig.

Credits

OT: „The Last Supper“
Land: USA
Jahr: 2025
Regie: Mauro Borrelli
Buch: Mauro Borrelli, John Collins
Musik: Leo Z

Kamera: Vladislav Opelyants
Besetzung: James Oliver Wheatley, Jamie Ward, Charlie MacGechan, Nathalie Rapti Gomez, Robert Knepper, James Faulkner, Billy Rayner, Ben Dilloway, Daniel Fathers, Frederik Wagner, Ottavio Taddei, Ismail Kanater, Ahmed Hammond, Batoul Marie Prennant, Henry Garrett, Harry Anton, Paco Reconti, Aissam Bouali

Bilder

Trailer

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Das letzte Abendmahl
fazit
Visuell eindrucksvoll, erzählerisch jedoch zu didaktisch und wenig nuanciert: „Das letzte Abendmahl“ bleibt eine konventionelle Bibelverfilmung, die ihre interessanten Ansätze nicht konsequent ausspielt und weder formal noch inhaltlich neue Impulse setzt.
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