
Als der US-amerikanische Mann (Hus Miller) in einem Bus in Senegal zu sich kommt, weiß er nicht, wie ihm geschieht. Er hat keine Orientierung, kann sich nicht erinnern, was geschehen ist. Er weiß nur eins: Jemand hat eine Bombenweste an ihm angebracht, in zehn Stunden wird diese in die Luft gehen. Vielleicht aber auch früher, denn er bekommt Anweisungen von einem Fremden, bestimmte Aufgaben für ihn zu erfüllen. Wer dieser Fremde ist, ist dabei ebenso unklar wie das Ziel hinter den Aufgaben. Immerhin: Kurze Zeit später trifft er einen zweiten US-Amerikaner (Cameron McHarg), der ebenfalls ein bombiges Geschenk erhalten hat und sich an den Missionen beteiligen muss. Erst einmal müssen die zwei also wohl oder übel mitspielen, bis sie einen Weg gefunden haben, aus der Situation wieder herauszukommen …
Überraschend komisch
Die Geschichten erfreuen sich immer wieder größerer Beliebtheit in Filmen: Eine oder mehrere Hauptfiguren kommen an einem fremden Ort zu sich, wo sie gezwungen werden, Rätsel zu lösen oder gefährliche Aufgaben zu erfüllen. So erlangte die Indie-Produktion Cube 1997 schnell Kultstatus, als eine Gruppe von Menschen sich durch tödliche, sich verändernde Räume bewegen müssen. Saw machte aus dem Konzept perfider Fallen sogar ein ganzes Franchise, welches unzählige Teile hervorgebracht hat. Einen ähnlich bleibenden Eindruck wird Zero – Wettlauf gegen die Zeit kaum hinterlassen, da sich der Film immer mal wieder selbst im Weg steht. Aber es ist doch ein interessanter Beitrag, bei dem klar ist, dass man größere erzählerische Ambitionen hatte als viele andere aus diesem Segment.
Der Einstieg fällt dabei auf jeden Fall launig aus. Wenn jemand zu sich kommt und eine Bombe an ihm befestigt ist, macht das schon in mehrfacher Hinsicht neugierig. Was hat es mit all dem auf sich? Und was mag da noch alles passieren? Doch Zero – Wettlauf gegen die Zeit bewegt sich in eine etwas andere Richtung, als man zunächst vermuten würde. Eine Überraschung betrifft die Tonalität. Diese ist ziemlich humorvoll angelegt, der Film ist über weite Strecken eher eine Komödie als ein Thriller. Das wird zwangsläufig einigen nicht gefallen. Zwar ist da schon Neugierde, eben weil zunächst alle Infos fehlen und nicht abzusehen ist, worum es da gehen soll. Spannend im Sinn von Nervenkitzel ist das aber nicht. Man vergisst zwischendurch geradezu, dass es überhaupt eine Lebensgefahr gibt.
Denkanstoß per Holzhammer
Dafür verfolgt der kongolesische Regisseur und Co-Autor Jean Luc Herbulot ein anderes Ziel. Ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen, beschäftigt er sich mit dem kolonialen Erbe, mit Rassismus und anderen Problemen, wenn Afrika nach wie vor bevormundet wird. Dass die beiden Opfer US-Amerikaner sind, ist kein Zufall, sondern fester Teil der Geschichte. Auch das könnte manchen Zuschauern und Zuschauerinnen böse aufstoßen, die einfach nur unterhalten werden wollen und keine Lust haben auf diese gesellschaftlichen bzw. politischen Aspekte. Zumal Zero – Wettlauf gegen die Zeit alles andere als subtil ist. Teilweise wird da schon mit dem Holzhammer agiert, um doch noch irgendwie die Nachricht in das Publikum zu bekommen.
Das ist schade, weil mit etwas mehr Feingefühl und einer ausgefeilteren Balance ein schön gemeiner Film daraus hätte werden können. So aber kann sich Herbulot nie wirklich entscheiden, was er mit dem Szenario anfangen soll – siehe auch die Figuren, wo er zwischen Minimalismus und übertriebener Exposition schwankt. Schlecht ist das Ergebnis nicht. Zwischendurch wird die Mischung aus Komödie und Thriller schon unterhaltsam. Das Ende hat es auch in sich, losgelöst von den üblichen Actionkonventionen. Aber es wäre eben noch mehr drin gewesen. Zero – Wettlauf gegen die Zeit ist zwar schon ganz interessant, bleibt insgesamt aber unter den eigenen Möglichkeiten.
OT: „Zero“
Land: USA
Jahr: 2024
Regie: Jean Luc Herbulot
Drehbuch: Jean Luc Herbulot, Hus Miller
Musik: Adrian Frutiger
Kamera: Grégory Turbellier
Besetzung: Hus Miller, Cameron McHarg, Gary Dourdan
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