Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean 2025
© Happy Entertainment / Radar Films - Une société Mediawan – France 3 Cinéma

Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean

Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean 2025
„Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean“ // Deutschland-Start: 2. April 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

19 Jahre hat Jean Valjean (Grégory Gadebois) in einem Gefängnis verbracht, wo er Schwerstarbeit verrichten musste. Sein Verbrechen: der Diebstahl eines Brotes. Jetzt ist er zwar wieder auf freiem Fuß. Seine Vergangenheit kann aber nicht hinter sich lassen. Nicht nur, dass er viel Wut in sich trägt und gewaltbereit ist, nachdem ihm viel Unrecht angetan wurde. Die Menschen sehen in ihm zudem in erster Linie einen Verbrecher und wollen ihn so schnell wie möglich wieder loswerden. Das ändert sich erst, als er auf Bischof Bienvenu (Bernard Campan) trifft, der ihn dazu einlädt, bei sich zu wohnen. Während dessen schwerkranke Schwester Baptistine (Isabelle Carré) ihm ebenfalls mit Freundlichkeit begegnet, ist die Magd Magloire (Alexandra Lamy) misstrauisch und feindselig. Und tatsächlich hat Valjean mit seinen inneren Dämonen zu kämpfen …

Neuer Zugang zu einem Klassiker

1862 veröffentlicht, ist Die Elenden nicht nur eines der Hauptwerke von Victor Hugo. Der Mammutroman, der anhand zahlreicher Figuren das Frankreich zwischen 1815 und 1832 porträtiert, wird sogar zu den bedeutendsten literarischen Werken der Grande Nation gezählt. Kein Wunder also, dass es immer wieder fürs Fernsehen oder die große Leinwand adaptiert wurde. Ob nun Die Miserablen – Die Elenden (1958) mit Jean Gabin, die sehr freie Adaption Die Elenden (1995) mit Jean-Paul Belmondo oder auch die Hollywood-Fassung von 2012, die auf dem Musical basiert, es mangelt nicht eben an Versuchen, den epochalen Roman filmisch umzusetzen. Da werden sich nicht wenige bei Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean gefragt haben: Braucht es wirklich noch eine weitere Version?

Doch man würde dem Historiendrama nicht gerecht werden, wenn man in diesem „nur“ eine zusätzliche Adaption sieht. Der Grund: Regisseur und Drehbuchautor Éric Besnard (Die einfachen Dinge, Louise und die Schule der Freiheit) verzichtet darauf, noch einmal die komplette Geschichte auszubreiten und ein großes Gesellschaftsporträt anzulegen. Stattdessen nimmt sich der französische Filmemacher, der schon in früheren Werken seine Vorliebe für historische Stoffe demonstrierte, einen ganz kleinen Aspekt aus der Vorlage heraus. Jean Valjean ist zwar auch im Roman die Hauptfigur. Seine Begegnung mit dem Geistlichen und sein Wandel hin zu einem guten Menschen fallen hingegen kurz aus. Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean stellt jedoch genau das in den Mittelpunkt und interessiert sich dafür, wie dieser Wandel genau ausgesehen hat.

Spannend und nachdenklich

Damit verbunden sind existenzielle Fragen. Da Valjean anfangs gegen Vorurteile anzukämpfen hat, ähnelt Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean anderen Filmen, die sich mit der schwierigen Rückkehr von Ex-Häftlingen in die Gesellschaft befassen, Home und Lorelei beispielsweise. Stärker noch als diese Filme stellt aber Besnard die Frage, inwieweit die Menschen das Produkt ihres Umfelds sind. So lernen wir den Protagonisten zu Beginn des Films als jemanden kennen, der sich für seine Schwester und deren Kinder einsetzt. Der Diebstahl des Brotes geschieht ihretwillen. 19. Jahre später ist von dem hilfsbereiten Mann nicht mehr viel geblieben, das Gefängnis und die Zwangsarbeit haben ihn verändert. Kann jemand, der so viel durchgemacht hat, noch einmal zurückkommen? Ist Güte eine freie Entscheidung? Der Roman bejaht das, weshalb man die Antwort schon kennt. Hier ist das noch offen.

Tatsächlich gelingt es Besnard, aus der an und für sich bekannten Geschichte unerwartet viel Spannung herauszuholen. Ein Grund: Er kreiert eine sehr düstere und unheilvolle Atmosphäre, bei der man das Gefühl hat, das Schlimmste könnte wirklich eintreffen. Zeitweise hat man hier das Gefühl, einen Thriller zu sehen, wenn nicht sogar einen Horrorfilm. Daran hat auch die Optik ihren Anteil, Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean arbeitet mit kunstvollen, streckenweise geradezu unwirklich betörenden Bildern. Das kann ein Nachteil sein, etwa bei den Gefängnisszenen, die nicht so dreckig werden, wie es vielleicht ratsam gewesen wäre. Aber es sieht alles schon sehr gut aus und sorgt zusammen mit dem intensiven Auftritt von Grégory Gadebois dafür, dass der Film trotz der altbekannten Geschichte sehenswert ist.

Credits

OT: „Jean Valjean“
Land: Frankreich
Jahr: 2025
Regie: Éric Besnard
Drehbuch: Éric Besnard
Vorlage: Victor Hugo
Musik: Christophe Julien
Kamera: Laurent Dailland
Besetzung: Grégory Gadebois, Bernard Campan, Isabelle Carré, Alexandra Lamy

Bilder

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean
fazit
Basierend auf dem Romanklassiker stellt „Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean“ die alles verändernde Begegnung des Ex-Sträflings und des Geistlichen in den Mittelpunkt. Das Drama befasst sich mit existenziellen Fragen, ist aber auch als Seherfahrung spannend – und unerwartete düster.
Leserwertung0 Bewertungen
0
7
von 10