Das Drama – Nochmal auf Anfang
© Leonine

Das Drama – Noch einmal auf Anfang

Das Drama – Nochmal auf Anfang // Deutschland-Start: 2. April 2026
„Das Drama – Nochmal auf Anfang“ // Deutschland-Start: 2. April 2026

Inhalt / Kritik

Etwas unbeholfen spricht Charlie Thompson (Robert Pattinson) Emma Harwood (Zendaya) in einem Bostoner Coffeeshop an. Zwei Jahre später steht ihre Hochzeit vor der Tür. Während das zukünftige Ehepaar zusammen mit Freunden letzte Vorbereitungen trifft, kommt es bei einem gemeinsamen Abendessen mit ihren designierten Trauzeugen zu einer unerwarteten Wendung, als alle vier betrunken die jeweils schlimmste Sache enthüllen, die sie je getan haben. Während die Geschichten der anderen schnell abgetan sind, erschüttert Emmas Geständnis ihre Brautjungfer Rachel (Alana Haim) zutiefst und auch Charlie muss sich fragen, ob er sich in seiner zukünftigen Ehefrau getäuscht hat.

Vertraut und doch verschärft

Nach Sick of Myself und Dream Scenario ist Das Drama – Noch einmal auf Anfang erst der dritte Langfilm von Regisseur Kristoffer Borgli. Genretechnisch bleibt er sich dabei treu. Wie bereits seine vorangegangenen Werke inszeniert er auch diesmal einen Genremix aus schwarzhumoriger Komödie und Drama. Stilistisch weniger abstrakt als Dream Scenario ist Das Drama – Noch einmal auf Anfang sein bislang womöglich kontroversestes Werk.

Wenn Wahrnehmung zur Wahrheit wird

Der Film beginnt mit Charlies Hochzeitsvorbereitung, speziell dem Schreiben seiner Traurede. Seine spielerische Reflexion der bisherigen Zeit mit Emma dient nicht nur als einleitende Exposition, sondern arbeitet heraus, was er an ihr zu lieben glaubt: ihre Empathie, ihre Großherzigkeit und ihre Leichtigkeit. Ein, wie kurze Zeit später klar wird, idealisiertes Bild einer Realität, die ihm zu entgleiten droht. Nach ihrer Beichte bei einem gemeinsamen Abendessen mit den beiden Trauzeugen verschiebt sich seine Wahrnehmung der Frau, die er glaubt besser zu kennen als jeden anderen Menschen.

Das Drama – Noch einmal auf Anfang proklamiert, dass Menschen sich lediglich in die Version eines anderen verlieben können, die ihnen gezeigt wird und die sie sich ein Stück weit selbst zu Ende vorstellen. Bröckelt diese wechselseitig gestützte Illusion einmal, gibt es keinen Weg zurück zur Idealisierung, lediglich die Frage nach Akzeptanz und danach, was wahre Liebe letztlich ausmacht. Diese grundlegende Frage ergründet Borgli vor allem über Pattinsons Charlie, der sich plötzlich in einer Abwärtsspirale aus Hilflosigkeit und Selbstzweifeln wiederfindet, nur Tage vor dem, was als schönster Tag seines Lebens geplant war. Das Drama – Noch einmal auf Anfang bleibt aber sehr auf den Gemütszustand von Pattinsons Figur zentriert.

Zwischen Projektion und Verdrängung

Emmas Vergangenheit wird durch narrative Rücksprünge aufgearbeitet, um keinen Zweifel an ihrer Figur zu lassen. Hier zeigen sich Parallelen zwischen den Unsicherheiten ihrer Vergangenheit und Charlies gegenwärtigem moralischen Dilemma. Doch er stellt die falschen Fragen: Seine Zweifel kreisen nahezu ausschließlich um sich selbst und seine Wahrnehmung seiner zukünftigen Frau sowie um die vermeintlich falsche Idealisierung seinerseits. Anstatt einen echten Zugang zu ihr zu suchen und das Vergangene gemeinsam aufzuarbeiten, verliert er sich in seiner eigenen Sinnkrise. Charlies Reaktion wirkt nicht per se unglaubwürdig, sondern die Einseitigkeit, mit der der Film seine Perspektive in den Vordergrund stellt und eine echte Auseinandersetzung mit Emmas Entwicklung nur begrenzt zulässt. Was angesichts der Brisanz des bewusst hier nicht weiter spezifizierten Themas als Entscheidung von Regisseur Kristofer Borgli verständlich erscheint, bleibt erzählerisch nicht immer vollständig schlüssig und dadurch nicht durchgehend rund.

Das dunkle Geheimnis, das ein hochsensibles gesellschaftliches Thema in den USA berührt, fungiert als einnehmender erzählerischer Bruch mit wirkungsvollem Schockfaktor. Durch den starken Fokus auf Charlie erfährt Zendayas Emma allerdings keine zufriedenstellende Auserzählung ihres Charakters. Das Drama – Noch einmal auf Anfang fragt nicht konsequent genug nach dem Warum, einem Was-wäre-wenn oder gar nach einer abschließenden Antwort. Stattdessen beschränkt sich der Film auf eine einseitige Charakterstudie über eine unmögliche Entscheidung in einer moralisch extrem komplizierten Situation. Letztlich entfaltet der Film ein moralisch kaum auflösbares Dilemma, bleibt jedoch eine überzeugende erzählerische Antwort auf dessen Konsequenzen schuldig.

Rettung in Immersion

Gleichzeitig glänzt Das Drama – Noch einmal auf Anfang jedoch mit einer ganzen Reihe an Stärken. Über eine Laufzeit von knapp unter zwei Stunden schafft es Borgli, eine Atmosphäre der Dauerspannung zu kreieren. Der zynisch-makabre Humor des Films fungiert meist nicht als Entlastung, sondern vielmehr als verstärkendes Element. Gepaart mit ausgezeichnetem Handwerk, was Musik, Sound und vor allem den Schnitt angeht, wird diese Anspannung einmal mehr intensiviert. Darüber hinaus tragen Zendaya und Robert Pattinson den Film mühelos durch ihre schauspielerische Glanzleistung, die eine perfekte Balance aus anfänglicher Chemie zu späterer Unbeholfenheit bis hin zu Aversion findet.

Credits

OT: „The Drama“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Kristoffer Borgli
Drehbuch: Kristoffer Borgli
Musik: Daniel Pemberton
Kamera: Arseni Khachaturan
Besetzung: Robert Pattinson, Zendaya, Alana Haim, Mamoudou Athie, Michael Abott Jr, YaYa Gosselin, Sydney Lemmon, Haley Gates, Jordyn Curet

Bilder

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Das Drama – Noch einmal auf Anfang
fazit
„Das Drama - Noch einmal auf Anfang“ ist ein ebenso intensiver wie frustrierender Film, der ein hochbrisantes moralisches Dilemma mit spürbarer Konsequenz aufzieht, sich jedoch dessen erzählerischer Auflösung weitgehend verwehrt. Während Brigolis neustes Werk bezüglich Inszenierung und Schauspiel auf sehr hohem Niveau agiert und eine durchgehende Anspannung erzeugt, bleibt die narrative Auseinandersetzung mit den zentralen Fragen letztlich unvollständig.
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