
Als in Amsterdams bildhübschen Grachten kurz nacheinander zwei grausame Morde geschehen, schwant dem Polizeichef Koos van Amstel (Pieter Van der Sman) nichts Gutes. Schon einmal, 37 Jahre zuvor, wurde die niederländische Hauptstadt von einem Serienmörder heimgesucht, der auf ähnliche Weise verfuhr. Haben es van Amstel und seine zwei ermittelnden Untergebenen, die Kriminalkommissarin Tara Lee (Holly Mae Brood) und ihr Kollege Dickie van Dongen (Ruben Brinkman), mit einem Nachahmer zu tun? Oder noch schlimmer: Wurde vor fast 40 Jahren der falsche Mann dingfest gemacht und der wahre Täter nie gefasst? Um das herauszufinden, nimmt van Amstel Kontakt zu dem Kommissar auf, der den Fall seinerzeit untersuchte: Eric Visser (Huub Stapel), der seinen Ruhestand in der Provinz angetreten hat.
Aufgewärmter Grachten-Grusel
Wer an niederländisches Genrekino denkt, der hat neben Paul Verhoeven (Der Soldat von Oranien, Der vierte Mann) auch Dick Maas im Kopf. Anders als Verhoeven, der nach Hollywood übersiedelte und dort mit heutigen Klassikern wie RoboCop (1987), Total Recall (1990) oder Basic Instinct (1992) reüssierte, gelang Maas nie der Sprung über den Großen Teich. Nach Kassenschlagern wie dem Horrorfilm Fahrstuhl des Grauens (1983) und der Komödie Flodder – Eine Familie zum Knutschen (1986) standen ihm in der Traumfabrik zwar einige Türen offen. So lag beispielsweise das Angebot auf dem Tisch, eine Fortsetzung von Wes Cravens Nightmare: Mörderische Träume (1984) zu drehen. Doch Maas lehnte ab und realisierte stattdessen lieber Verfluchtes Amsterdam (1988). Die Regie bei einer Episode der Fernsehserie Die Abenteuer des jungen Indiana Jones und der späte Versuch, seinem eigenen Film Fahrstuhl des Grauens mit Down (2001) ein US-Remake zu verpassen, bleiben Maas‘ einzige Ausflüge nach Amerika.
Auch wenn Maas es später bereute, nicht nach Hollywood gegangen zu sein, ist seine Entscheidung, in der Heimat zu bleiben, fürs Publikum ein Segen. Denn so viel halsbrecherische Action und tolle Stunts inmitten einer europäischen Metropole wie in Verfluchtes Amsterdam bekamen die Kinozuschauer bis dato allenfalls in einem James Bond-Film zu Gesicht. Dass der Hit um den von Huub Stapel gespielten Kommissar Eric Visser eine Fortsetzung erhalten würde, war also nur eine Frage der Zeit. Bereits in den 1990er-Jahren dachte Dick Maas darüber nach und zog in Erwägung, die Handlung von Amsterdam nach Rotterdam zu verlegen. Auf „Amsterdamned“, so der Originaltitel von Verfluchtes Amsterdam, hätte „Rotterdoom“ folgen sollen. Doch daraus wurde nichts. Die Fortsetzung, die fast 40 Jahre auf sich warten ließ, spielt erneut in der bekanntesten Stadt der Niederlande – und heißt dementsprechend einfach Amsterdamned II.
Es war einmal … das Reboot
Späte Fortschreibungen kultverdächtiger Filme liegen in jüngster Zeit auch in der europäischen Filmbranche im Trend – und sind mit Vorsicht zu genießen. 2017 stattete Danny Boyle seinen Jungs aus Trainspotting (1996) noch einmal einen Besuch ab, um nachzusehen, was aus den drogenabhängigen Chaoten zwei Dekaden später im Leben geworden war. Und erst im vergangenen Jahr tauchte Boyle mit 28 Years Later noch einmal in die Welt seines Zombiefilm-Klassikers 28 Days Later (2002) ein (die Nia DaCosta in diesem Jahr mit 28 Years Later: The Bone Temple erweiterte). Ole Bornedal wiederum drehte von seinem Sensationserfolg Nightwatch – Nachtwache (1994) erst das US-Remake Freeze – Alptraum Nachtwache (1997), um knapp 30 Jahre nach dem ersten Film mit Nightwatch: Demons Are Forever (2023) zu den Originalfiguren und -schauplätzen zurückzukehren.
Die Intention hinter solchen späten, oft erst Jahrzehnte nach dem Original erfolgenden Reboots ist nicht nur aus rein marktwirtschaftlicher Hinsicht verständlich. Oft haben die Regisseure mit liebgewonnenen Charakteren noch nicht abgeschlossen und möchten diesen noch ein weiteres Kapitel hinzufügen. Rundum gelungen sind jedoch die wenigsten davon. Im Bestreben, möglichst viele Fans der ersten Stunde nostalgisch abzuholen und gleichzeitig auch für ein neues Publikum zu funktionieren, geht in der Regel etwas verloren. Bei Amsterdamned II verhält es sich nicht anders. An die Frische, die narrative Geradlinigkeit und die atemlosen Actionszenen des Originals reicht dessen Fortsetzung nicht heran. Allerdings erzählt Dick Maas, der abermals das Drehbuch verfasst und wie immer die Musik selbst komponiert hat, dieses Mal auch eine tonal anders gelagerte Geschichte.
Was lange währt, wird endlich … anders
Nostalgische Momente hat Amsterdamned II zur Genüge. Schon der Auftakt des neuen Films ist eine Reprise des Einstiegs in den alten, jedoch mit einem originellen Twist. Und man fragt sich kurz, ob die Morde in der Fortsetzung nicht länger aus den Untiefen der Grachten, sondern aus der Luft verübt werden. Doch schnell begibt sich Maas in vertrautes Fahrwasser. Wer das Original nicht kennt, dürfte sich von einigen Momenten überraschen lassen. Denn der Regisseur, Jahrgang 1951, beherrscht es auch im fortgeschrittenen Alter noch, Spannungsmomente zu erzeugen. Fans der ersten Stunde, denen angesichts der vielen Parallelen zum Ursprungsfilm, die Langeweile droht, lockt Maas wiederholt mit gelungenen Variationen aus der Reserve. So bleibt die Fortsetzung stets nah genug am Original und entfernt sich doch weit genug davon.
Was ein wenig enttäuscht, ist die Action. Die sah bei Maas schon besser aus und kommt erst spät im Film zur vollen Entfaltung. Das Wiedersehen mit alten Bekannten wie Maas‘ Stammschauspieler Huub Stapel, der seine Paraderolle als zerknitterter Bulle Eric Visser noch einmal aufgreift und mit augenzwinkernder Selbstironie ausfüllt, macht trotzdem Spaß. Es ist vor allem der Humor, der in Amsterdamned II stärker zum Tragen kommt als noch im Original und dieser Fortsetzung, auch angesichts einiger hanebüchener Morde, gut zu Gesicht steht.
OT: „Amsterdamned II“
Land: Niederlande
Jahr: 2025
Regie: Dick Maas
Drehbuch: Dick Maas
Musik: Dick Maas
Kamera: Danny Elsen
Besetzung: Molly Mae Brood, Huub Stapel, Ruben Brinkman, Bas Keijzer, Tatum Dagelet, Pieter Van der Sman
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