Rosebush Pruning
@ Felix Dickinson
Rosebush Pruning
„Rosebush Pruning“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Ed (Callum Turner) und seine Geschwister Jack (Jamie Bell), Anna (Riley Keough) und Robert (Lukas Gage) führen mit ihrem schwerreichen, erblindeteten Vater (Tracy Letts) in einer Villa im Speckgürtel von Barcelona ein sorg- aber zielloses Leben. Sie alle lieben Mode und ehren ihre angeblich verstorbene Mutter alljährlich mit Lammfleischopfern vom Metzger. Neben seiner Vorliebe für Gartenarbeit gibt es für Ed nicht viel, womit er sich beschäftigen könnte – außer vielleicht seinem Schwarm, dem Griechen George, der ihn ab und zu in Spanien besucht. Das ändert sich, als Jack eine Liebesbeziehung mit der Klassikgitarristin Martha (Elle Fanning) beginnt, die zum Streitthema für die ganze Familie wird und droht zu eskalieren…

Formelhaft wie eh und je

Rosebush Pruning tritt als stereotypischer Eat-the-Rich-Film nach jüngsten Hypes wie The White Lotus oder Saltburn (2023) ein schwieriges Erbe an. Schon wieder also geht es wohlhabende, vom Leben gelangweilte, nach irgendeinem Kick suchende Reiche… die meisten dürften schon nach den ersten Minuten genervt mit den Augen rollen. Was sich ebenfalls langsam abnutzt, sind die inhaltlich absurden, aber mit psychopathischer Ruhe vorgetragenen Dialoge von Giorgos Lanthimosʼ Haus- und Hofautor Efthymis Filippou. So überraschend diese Figureninteraktionen in den Frühwerken des griechischen Regisseurs waren, so formelhaft wirken sie mittlerweile. Auf eine Dinnerszene mit Jacks neuer Flamme Martha reagiert man weder entgeistert, noch lacht man über die Skurrilität, sondern zuckt einfach nur müde mit den Achseln.

Zufällig am Puls der Zeit

Auffällig ist außerdem, wie forciert die Versuche Filippous wirken, den Zuschauer zu verstören, indem irgendein Tabu gebrochen wird, das es in dieser Form vielleicht noch nicht gegeben hat. Dazu werden die patriarchalen Familiendynamiken noch ein Stückchen mehr auf eine perverse Spitze getrieben, als es im Vorbild Fists in the Pocket (1965) der Fall war. Aber weil Inzest ja allerspätestens seit Game of Thrones (2011–2019) im Mainstream komplett salonfähig geworden ist, fühlt es sich eben nur nach billiger Provokation an, die um ihrer selbst willen ihren Weg ins Drehbuch gefunden hat.

Allerdings profitiert Rosebush Pruning ein wenig von seinem Erscheinungsdatum. So fühlt es sich nämlich mit Blick auf die 3 Millionen veröffentlichten Seiten der Epstein-Files und den darin erwähnten, grauenhaften Verbrechen so an, als könne es weiterhin nicht genug Filme und Serien über die charakterlich degenerierten, dekadenten und dämonischen Eliten unserer Welt geben. Das macht Karim Aïnouzʼ siebten Regieauftritt trotzdem noch lange nicht zum treffendsten Abbild dieses abstoßenden Zeitgeists.

So ansehnlich wie ein Rosenbusch

Mit einer offensichtlichen Sache kann sich der Film dann aber doch ins Mittelmaß retten: Er sieht einfach in fast jeder Sekunde fantastisch aus. Hélène Louvart weiß einfach, welche Motive, in welchem Licht, aus welcher Entfernung, mit welcher Schärfentiefe am eindrücklichsten sind. Gefühlt jede Einstellung von Kleidungsstücken, Fluren, Pflanzen oder Landschaften könnte man für sich allein fünf Minuten betrachten, ohne dass einem langweilig wird.

Auch wenn Aïnouz bei uns im Interview betonte, dass die visuelle Ästhetik nicht über dem stehen sollte, was die Charaktere in der jeweiligen Szene erleben, sind die Schauwerte das, was bei Rosebush Pruning besonders heraussticht. Die Leinwandpräsenz des gesamten (gut performenden!) Casts wächst alleine durch die detaillierten Aufnahmen ihrer Sommersprossen, Narben, Falten und – in diesem Fall sogar relevant für die Handlung – Zähne. In jüngsten Projekten wie zum Beispiel La Chimera (2023) stand diese analoge Bildgewalt zusätzlich im Zusammenhang mit einer tiefgehenden, unprätentiösen Handlung. Hier überschattet sie diese von Anfang bis Ende.

OT: „Rosebush Pruning“
Land: Deutschland, Italien, Spanien, UK
Jahr: 2026
Regie: Karim Aïnouz
Drehbuch: Efthymis Filippou
Musik: Matthew Herbert
Kamera: Hélène Louvart
Besetzung: Callum Turner, Riley Keough, Jamie Bell, Lukas Gage, Elena Anaya, Tracy Letts, Elle Fanning, Pamela Anderson

Bilder

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Rosebush Pruning
Fazit
„Rosebush Pruning“ definiert das elitenkritische Kino in keinster Weise neu, schafft es aber durch seinen über weite Strecken atemberaubenden Look ein paar erinnerungswürdige Momente zu erschaffen.
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