
Es wird Zeit, wieder von vorne anzufangen. Das zumindest erhofft sich June White (Mia Jenkins), als sie mit ihrer Mutter April (Elizabeth Kinnear) von London nach Mailand zieht. Schließlich muss sie den Tod ihres Bruders verarbeiten. Viel Ruhe ist an der neuen Schule aber nicht angesagt. So dauert es nicht lange, bis sie mit James Hunter (Pepe Barroso) aneinandergerät – und das mehr als einmal. Aber zum Glück sind da auch einige nette Menschen. Beispielsweise versteht sie sich mit Will Copper (Luca Melucci) gut. Tatsächlich kommen sich die zwei rasch näher, der erste Kuss lässt nicht auf sich warten. James ist davon aber alles andere als angetan, ist Will doch sein bester Freund und hat gerade erst eine schmerzhafte Trennung hinter sich. Also muss er verhindern, dass ihm schon wieder jemand das Herz bricht …
Business as usual
Kurz vorm Valentinstag hat Amazon Prime Video eine Reihe von Titeln herausgebracht, bei denen sich alles um die Liebe dreht. Schließlich will man irgendwie von der wirtschaftlich verordneten romantischen Stimmung profitieren. Da war Relationship Goals über eine TV-Produzentin, die für die neue Stelle ausgerechnet mit ihrem Ex-Freund konkurriert, auf den sie gar nicht gut zu sprechen ist. Der lizenzierte Film F*Ck Valentine’s Day wiederum handelte von einer Valentinstaghasserin, die unbedingt einen Heiratsantrag verhindern will. Wem diese beiden Filme zu komisch waren, bekommt mit dem Love Me, Love Me noch einen ernsthaften Beitrag zum Großthema Liebe. Zumindest nimmt man sich hier sehr ernst, wenn eine junge Frau plötzlich zwischen zwei Männern steht, die unterschiedlicher nicht sein könnten, dabei aber beste Freunde sind.
Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Amazon Original. Das soll aber nicht heißen, dass der Film deswegen eine tatsächliche Eigenentwicklung ist. Zum einen handelt es sich um die Adaption einer erfolgreichen E-Book-Reihe von Stefania Serafin. Zum anderen ist das Szenario so ziemlich das einfallsloseste, was man bei einem Jugenddrama haben kann. Eine junge Frau aus gutem Haus verliebt sich in einen arroganten Bad Boy? Das findet man in dem Bereich andauernd. Ob nun After Passion, Culpa Mia – Meine Schuld oder The Bad Boy and Me, die Konstellation wird immer wieder verwendet. Anders als Beautiful Disaster, das diesem Szenario mit ironischer Distanz begegnet und sich zum Teil über die Genrekonventionen lustig macht, widerholt man diese hier nur – inklusive den Mixed-Martial-Arts-Kämpfen, die zeigen sollen, was für ein harter Hund James ist. Außerdem darf in Love Me, Love Me die tragische Vorgeschichte nicht fehlen, als Ersatz für eine Charakterisierung.
Hauptsache Gefühle
Das ist nicht nur maximal langweilig. Der Film versucht nicht einmal, sein Verhalten groß erklärbar zu machen. Theoretisch ist es zwar schon so, dass seine Feindseligkeit gegenüber June auch ein Schutz für seinen besten Freund sein soll. Nur behandelt er sie auch schon vor der Annäherung mies. Und mit der Frau anzubändeln, in die sich Will verliebt, ist nun alles, aber kein Freundschaftsdienst. Solche Punkte werden aber irgendwie unter den Teppich gekehrt. Der Verrat wird in Love Me, Love Me verstörend schnell vergeben. Ebenso wenig nachvollziehbar ist, warum die beiden sich überhaupt ineinander verlieben. Da wird zu keiner Zeit ein Hinweis gegeben, was sie empfinden und weshalb die anfängliche Antipathie ins Gegenteil umschlägt. Klar, es gibt viele Liebesfilme, bei denen die Hauptfiguren erst nicht miteinander können, bevor sich das ändert. Umso wichtiger wäre es aber, diese Entwicklung auch plausibel aufzuzeigen, anstatt den Mittelteil mehr oder weniger zu überspringen.
Das Ergebnis ist ein Film, bei dem man gar nicht sagen kann, ob er nun eher ärgerlich oder langweilig ist. Als Komödie hätte das eventuell noch funktioniert, wenn sich die beiden designierten Liebenden zum Auftakt diverse unschöne Dinge an den Kopf werfen. Zumindest manchmal kann June auch gut dagegenhalten. Als Drama ist Love Me, Love Me hingegen eher unfreiwillig komisch. Das muss einen alles nicht stören. Toxische Jugenddramen, die als romantisch verkauft werden sollen, gibt es schließlich nicht wenige. Da reicht es dann, dass die Besetzung attraktiv ist, um ein bisschen träumen. Wer sich selbst dazu zählt, kann es hiermit natürlich versuchen. Der Rest darf den Film getrost ignorieren.
OT: „Love Me, Love Me“
Land: USA, Italien
Jahr: 2026
Regie: Roger Kumble
Drehbuch: Veronica Galli, Serena Tateo
Vorlage: Stefania Serafin
Musik: Ginevra Nervi
Kamera: Martina Cocco
Besetzung: Mia Jenkins, Pepe Barroso, Luca Melucci, Andrea Guo, Michelangelo Vizzini, Madior Fall, Vanessa Donghi
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