
Ein namenloser, merkwürdig gekleideter Mann (Sam Rockwell) betritt ein Diner in Los Angeles und verkündet den Gästen, dass er aus einer dystopischen Zukunft stamme, in der die gesamte Welt von einer KI kontrolliert werde. Schon mehr als hundert Mal sei er in die Zeit zurückgereist, genau in dieses Diner, und hätte immer wieder probiert, Freiwillige zu finden, mit der er die Katastrophe im Hier und Jetzt stoppen könnte – falls niemand mitkäme, müsse er wohl oder übel das Restaurant in die Luft sprengen. Etwas zögernd findet sich schließlich eine bunt zusammengewürfelte Gruppe (Juno Temple, Haley Lu Richardson, Zazie Beetz, Michael Peña, Asim Chaudry) zusammen, die sich mit dem Fremden auf eine schräge Mission begibt …
Die Zukunft wird turbulent
Bereits 2020, sagte Gore Verbinski (Fluch der Karibik, Rango) in einer Pressemitteilung im Zuge der 76. Berlinale, habe er Matthew Robinsons Drehbuch gelesen und gedacht: „Das fühlt sich dringend an.“ Noch zwei weitere Jahre hätten die beiden an der Geschichte gefeilt, um die Kritik an Smartphone-Sucht und immer unkontrollierbarer werdenden KIs möglichst aktuell zu halten. Sein elfter Spielfilm sei so etwas wie eine Vorbereitung auf eine düstere Zukunft: „Ich möchte kein Pessimist sein. Ich bin sowohl aufgeregt als auch besorgt. Der Tsunami kommt. Und es gibt diejenigen, die in Angst leben, und diejenigen, die in Verleugnung leben. Der Rest von uns muss surfen. Ich denke, das ist das Mantra unserer Zeit.“
Good Luck, Have Fun, Donʼt Die versteht sich somit von Anfang an als überdrehte Satire, in der unser gesellschaftlicher Niedergang durch digitale Technologien vorherbestimmt scheint. Und tatsächlich wecken der Anfangsmonolog von Rockwells Figur und vor allem die gesamte Inszenierung im stereotypischen US-Diner Hoffnungen. Denn man sieht hier, das mit Verbinski ein alter Hase auf dem Regiestuhl sitzt, der weiß, wie man einen Raum und dessen Anwesende clever einfängt und so ein lebendiges Setting kreiert.
Potpourri aus Sci-Fi-Zitaten
Allerdings verfliegt sich dieser optische Charme nach spätestens einer halben Stunde, während man der aus Versatzstücken des Sci-Fi-Universums bestehenden, episodenhaften Handlung folgt, die belangloser nicht sein könnte. Die meisten Prämissen, Szenarien und Figuren kennt man in originellerer Form aus Serien wie beispielsweise Black Mirror oder Rick and Morty, Klassikern wie Matrix (1999) und Terminator 2 (1991) oder sogar kürzlich erschienenen Streifen wie The Creator (2023). Nur reicht es für einen mehr als zweistündigen Kinoaufenthalt nicht aus, sich über diese Zitate fingerschnipsend zu freuen, vor allem nicht, wenn die eigenen Einfälle so albern und niveaulos sind wie haarige CGI-Riesenkatzenhoden.
Kein vorgehaltener Spiegel
Außerdem ist die Gesellschaftskritik in Good Luck, Have Fun, Donʼt Die eher einschläfernd als aufwühlend. Dass Gen Z, respektive Alpha, wie Zombies keine Sekunde mehr den Blick vom Bildschirm abwenden kann, ist nämlich eine ironische Beobachtung, die schon 2015 mit dem unlustigen Jugendwort „Smombie“ in Deutschland geprägt wurde. Anstatt wirklich neue Fragen aufzuwerfen, werden dem Publikum Trend-Themen – „Entfremdung voneinander“, „Verlust unseres Konzentrations- und Denkvermögens“, „KI nimmt überhand“ – serviert, von denen es schon dutzende Male gelesen oder sie gehört hat, ohne dass wirklich neue eine Erkenntnis, außer dass sich unsere globale Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten radikal verändern wird (was wir alle schon lange wissen), dabei herumkommt. Ein vorgehaltener Spiegel sieht anders aus.
Und einen Anspruch auf intelligente Botschaften können auch spaßige, überdrehte und laute Werke haben, wie Weißes Rauschen (2022), nur durch seine Dialogführung und das Erzähltempo, vor ein paar Jahren oder eben eine Animationsserie mit 20-Minuten-Konzeptmonstern wie Rick and Morty … Substanz und Übertreibung müssen sich eben nicht ausschließen.
OT: „Good Luck, Have Fun, Donʼt Die“
Land: Deutschland, USA
Jahr: 2025
Regie: Gore Verbinski
Drehbuch: Matthew Robinson, Gore Verbinski
Musik: Geoff Zanelli
Kamera: James Whitaker
Besetzung: Sam Rockwell, Juno Temple, Haley Lu Richardson, Zazie Beetz, Michael Peña, Asim Chaudry
Fantastic Fest 2025
Berlinale 2026
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