
Seit 24 Jahren sind Anja (Andrea Sawatzki) und Christoph Bremermann (Christian Berkel) inzwischen verheiratet. Doch die Chancen auf eine silberne Hochzeit stehen schlecht, die Luft ist einfach draußen. Eigentlich sind sie sich daher einig, dass sie sich scheiden lassen sollten, auch wenn sie noch nicht genau wissen, wie sie das ihren Kindern Frederik (Marcel Glauche) und Franziska (Amelie Plaas-Link) erklären sollen. Als sie sich jedoch die Anwältin Dr. Simone Schirmer (Doris Schretzmayer) nehmen, wird das mit der einvernehmlichen Trennung immer schwieriger. Denn während Christoph nicht einsieht, warum er wirklich die Hälfte des Zugewinns abgeben soll, da nur er gearbeitet hat, fühlt sich Anja nicht genug gewürdigt in ihrer Rolle als Mutter und Hausfrau …
Anfang einer Reihe von Paar-Komödien
Mit Langzeitbeziehungen kennen sich Andrea Sawatzki und Christian Berkel natürlich aus. Schließlich sind die beiden seit 1998 liiert. Ein bisschen überraschend war es da schon, als die zwei 2018 Scheidung für Anfänger drehten, eine Komödie, in der die beiden als ein solches Langzeitpaar trennen. Ein böses Omen? Offensichtlich nicht. Zum einen sind die zwei noch immer zusammen, auch Jahre später. Zum anderen war der Film der Auftakt einer erfolgreichen Kooperation vor der Kamera, die den inoffiziellen Reihentitel „für Anfänger“ trägt. So folgte 2021 Sportabzeichen für Anfänger, 2024 kam Entführen für Anfänger. 2025 schließlich feierte der vierte Teil Berühmt sein für Anfänger Premiere, selbst wenn dieser bei der Ausstrahlung kürzlich in Ein Taxi für zwei umbenannt wurde.
Während die späteren gemeinsamen Filme teilweise mit recht originellen Szenarien arbeiteten, gab man sich bei dem Debüt noch genügsam. Zwei Menschen, die sich bei einer Scheidung bekämpfen? Das ist nicht sehr einfallsreich. Beispiele hierfür gibt es nicht gerade wenige, wobei das Angebot mal als Drama (Kramer gegen Kramer), mal als Komödie (Der Rosenkrieg) umgesetzt wird. Gerade letzteres Beispiel drängt sich bei Scheidung für Anfänger als Referenzmaterial geradezu auf. Nicht nur, dass beide Filme aus einer solchen an und für sich tragischen Entwicklung humoristisches Kapital schlagen wollen. Beide Male wird zudem von einer zunehmenden Eskalation erzählt, wenn mit der Zeit immer erbitterter gekämpft wird und der Streit um die Objekte letztendlich nur die Fassade ist für die emotionalen Kämpfe nach 24 Jahren Ehe.
Nicht wirklich böse
Natürlich sollte man von der ARD-Produktion nicht erwarten, dass sie auch nur annähernd so böse wird wie der Kultfilm von 1989. Im deutschen Fernsehen muss das alles harmloser sein, versöhnlicher, darf nicht so gravierende Auswirkungen haben. Wenn der Gipfel der Bosheit ist, die Lieblingshandtaschen zu zerstören, dann kann man nicht erwarten, dass der Film eine ähnliche Wirkung erzielt wie das Vorbild. Allenfalls durch die Anwältin bzw. deren Kollege Jonas Hansen (Marcel Glauche) gewinnt Scheidung für Anfänger an Schärfe. Es reicht sogar für leicht satirische Anleihen, wenn der Kleinkrieg der beiden Hauptfiguren als Geschäft wahrgenommen wird. Das Motto: Scheidungen wären einfacher, wenn es nicht Leute gäbe, die davon profitieren.
Ansonsten ist der Film eher nichtssagend. Man versucht weder, zu Beziehungen noch zu deren Ende etwas Substanzielles zu sagen. Wer großzügig ist, sieht hier eine Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen, wenn es um die Frage geht: Wie bemisst man eigentlich den Wert einer Mutter? Scheidung für Anfänger will aber primär unterhalten, nicht intellektuell stimulieren. Manchmal gelingt das ganz gut, auch weil das Paar sich zu fetzen versteht. Mangelnde Chemie kann man da kaum vorwerfen. Oft lauthals lachen wird man zwar wohl nicht. Für ein gelegentliches Schmunzeln reicht es aber. Der Film ist sogar einer der unterhaltsameren dieser Reihe, was angesichts des Themas überraschen könnte.
OT: „Scheidung für Anfänger“
Land: Deutschland
Jahr: 2018
Regie: Thorsten M. Schmidt
Drehbuch: Nina Bohlmann
Musik: Lorenz Dangel, Fabian Zeidler
Kamera: Michael Merkel
Besetzung: Andrea Sawatzki, Christian Berkel, Doris Schretzmayer, Pierre Besson, Amelie Plaas-Link, Marcel Glauche
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