Drei gegen Hollywood
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Drei gegen Hollywood

„Drei gegen Hollywood“ // Deutschland-Start: 20. Februar 1982 (ZDF) // 11. Dezember 2025 (DVD)

Inhalt / Kritik

Dr. George Lewis (Hans Peter Korff), May Daniels (Beatrice Richter) und Jerry Hyland (Ulrich Faulhaber) sind zu Beginn der 1930er Jahre ein Varieté-Trio, das sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Als die drei von der technischen Innovation des Tonfilms erfahren, die gerade in Hollywood Einzug gehalten hat, wittern sie ihre große Chance im Filmbusiness. Sie haben sich überlegt, den bisherigen Stummfilmstars Sprechunterricht zu geben, weil viele von ihnen sonst den Sprung ins neue Medium nicht schaffen werden. Insbesondere die Stummfilmdiva Phyllis Fontaine (Elisabeth Volkmann), die über ein sehr kratziges und wenig damenhaftes Organ verfügt. Auf der Zugreise nach Westen treffen die drei Freunde auf die Klatschkolumnistin Helen Hobart (Brigitte Mira), in der sie ihren Schlüssel für Hollywood erkennen. Sie wickeln die selbstgefällige alte Dame um den Finger und schaffen es so, dass sie das Trio dem einflussreichen Hollywoodproduzenten Hermann Glogauer (Lambert Hamel) vorstellt, der Fontaine unter Vertrag hat.

Sprechunterricht für Stummfilmstars

In den 1970er Jahren besann sich Hollywood auf die gute alte Zeit, auf die Goldenen Jahre, in denen Kino zur Massenunterhaltung wurde und die ersten Stars geschaffen wurden. Filme wie Nickelodeon, Won Ton Ton – Der Hund, der Hollywood rettete, Silent Movie – Mel Brooks‘ letzte Verrücktheit oder die Kompilationsstreifen That’s Entertainment entstanden in jener Dekade und waren an den Kinokassen mal mehr, mal weniger erfolgreich. Der Trend schwappte damals auch nach Deutschland, wo man sich insbesondere beim Fernsehen der Stumm- und frühen Tonfilmzeit annahm. In Serien wie Väter der Klamotte (ab 1973) oder Western von gestern (ab 1978) brachte man Kinoklassiker auf den heimischen Bildschirm und befeuerte beim Publikum die Liebe zur Epoche, in der die Bilder laufen lernten. Diese Faszination ging schließlich soweit, dass man sogar in Deutschland selbst Hommagen an die Goldene Ära Hollywoods produzierte. Erfolgreich und auch recht gelungen war die 1981 entstandene 13-teilige Serie Kintopp Kintopp mit Georg Thomalla als Finanzmanager einer Berliner Filmproduktionsfirma in den 1920er Jahren.

Schon im Jahr darauf legte Vielfilmer Sigi Rothemund (Piratensender Powerplay, Die Einsteiger) nach, als er mit Drei gegen Hollywood ein altes Bühnenstück von Moss Hart und George S. Kaufman mit deutscher Starbesetzung neu verfilmte. „Once in a Lifetime“ war zum ersten Mal 1930 auf die Bühne gebracht worden, zwei Jahre später entstand unter der Regie von Russell Mack eine erste Filmadaption, in der Jack Oakie die Hauptrolle bekleidete. Bereits 1937 realisierten die Briten ein Remake mit Charles Farrell, 1953 folgte ein weiteres fürs Fernsehen, bei dem schließlich Michael Balfour in die Rolle des George Lewis schlüpfte. 1982 war das über 50 Jahre alte Stück schon gehörig in die Jahre gekommen, ein simples Remake hätte vermutlich kaum mehr den Publikumsgeschmack getroffen. Stattdessen entschieden sich Rothemund und sein Produzent Bernd Burgemeister dazu, den Nostalgiefaktor herauszukehren und mit dem Fernsehfilm eine Ode an die Goldenen Jahre Hollywoods zu inszenieren, bei der sich die Zuschauer über die Fettnäpfchen und Fallstricke früher Filmproduktionen lustig machen konnten. Trotz eines unübersehbaren Aufwands ließ sich dabei kaum verhindern, dass die Geschichte einen sehr theaterhaften Anstrich erhielt, zumal die meisten Szenen sowieso in abgeschotteter Studioatmosphäre angesiedelt sind.

Auf und Ab im Showbusiness

Die Geschichte dreier Abenteurer, die in einer Zeit des Aufbruchs und der technischen Neuerungen versuchen, daraus ihr Glück zu schlagen, ist in gewisser Weise zeitlos und universell. Der Reiz von Sigi Rothemunds Film liegt freilich darin, dass man dabei eintauchen kann in eine längst vergangene Zeit, in der vieles noch völlig anders ablief und von einer großen Naivität bestimmt war. Rothemund war allerdings der falsche Regisseur, um das mit Subtilität und Einfühlungsvermögen herüberzubringen. Er setzte vielmehr auf Albernheiten und kindlichen Schabernack, wie er es zur selben Zeit auch bei den Filmen für den Österreicher Karl Spiehs getan hatte, bei denen Nicht-Schauspieler wie Thomas Gottschalk und Mike Krüger zum Einsatz kamen, und deren mediale Präsenz und Popularität dazu beitrug, dass diese sowohl inhaltlich als auch qualitativ mauen Werke zu Kassenschlagern wurden.

Rothemund scheint sein Ensemble in keiner Weise gezügelt zu haben, wahrscheinlich hat er es im Gegenteil noch dazu angeregt, so richtig auf den Putz zu hauen und jegliches Feingefühl über Bord zu werfen. Anders kann man es sich nicht erklären, dass selbst talentierte Mimen wie Hans Peter Korff hier schnell zu nerven beginnen. Besonders furchtbar ist Elisabeth Volkmann, die hier selbst ihre exaltierten Auftritte aus Klimbim in den Schatten stellt. Bei Dolly Dollar (als Nachwuchs-Starlet Susan Walker) und Barbara Valentin (als Produktionssekretärin Miss Leighton) merkt man nur allzu deutlich, dass sie ohne richtige Führung nicht mehr sind als bessere Laiendarstellerinnen. Der einzige, der sich in all dem Chaos seine Würde bewahren kann und nicht unangenehm auffällt, ist Lambert Hamel als unbelehrbarer Studiomogul.

Man muss wohl ein ausgesprochener Trash-Liebhaber sein oder auf völlig überzogenes Chargieren stehen, um bei Drei gegen Hollywood auf seine Kosten zu kommen. Der Film dürfte schon zu seiner Entstehungszeit nicht zu den Fernsehperlen gezählt haben, hat in den vergangenen 40 Jahren aber noch zusätzlich an Unterhaltungswert eingebüßt. Wenn man auf amüsante Weise in die Frühzeit des Filmbusiness entführt werden möchte, ist man bei Kintopp Kintopp deutlich besser aufgehoben als bei dieser albernen und schon nach kurzer Zeit langweilenden Bühnenadaption. In der Reihe „Pidax Film-Klassiker“ wurde der Fernsehfilm nach etlichen Jahrzehnten nun aus den Archiven geholt und erstmals auf DVD veröffentlicht. Das Bild (im seinerzeit üblichen Vollbildformat 1,33:1) ist weitgehend in Ordnung, ebenso der deutsche Originalton, der in Dolby Digital 2.0 Stereo vorliegt. Auf die Beigabe von Bonusmaterial hat man komplett verzichtet.

Credits

OT: „Drei gegen Hollywood”
Land: Deutschland
Jahr: 1982
Regie: Sigi Rothemund
Drehbuch: Peter Petersen
Vorlage: Moss Hart, George S. Kaufman
Kamera: Klaus Günther
Besetzung: Hans Peter Korff, Beatrice Richter, Uwe Faulhaber, Lambert Hamel, Elisabeth Volkmann, Brigitte Mira, Barbara Valentin

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fazit
Sigi Rothemund war der falsche Regisseur, um mit Subtilität und Einfühlungsvermögen in die Frühzeit der Kinogeschichte einzutauchen. Er setzt vielmehr auf Albernheiten und kindlichen Schabernack, und sein namhaftes Ensemble scheint er in keiner Weise gezügelt zu haben, weshalb selbst talentierte Mimen wie Hans Peter Korff hier schnell zu nerven beginnen.
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