Ich und Kaminsk
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Ich und Kaminski

(„Ich und Kaminski“ directed by Wolfgang Becker, 2015)

Ich und Kaminski DVD
„Ich und Kaminski“ ist seit 17. März auf DVD und Blu-ray erhältlich

Es lief schon mal besser für den Journalisten Sebastian Zöllner (Daniel Brühl). Seine Freundin schmeißt ihn aus der gemeinsamen Wohnung, mit der Arbeit geht es nicht voran. Einen Lichtblick gibt es jedoch: Manuel Kaminski (Jesper Christensen). Der war früher ein bekannter Maler, wohl auch deshalb, weil er durch seine Blindheit zu einer Kuriosität der Kunstszene wurde. Inzwischen erinnert sich kaum einer an ihn, die meisten halten ihn sogar für tot. Da das Ableben des zurückgezogenen Künstlers tatsächlich nicht mehr allzu lange dauern kann, beschließt Zöllner, Kaminski zu besuchen und für eine kommende Biografie zu befragen, stößt dabei jedoch auf Hindernisse – nicht zuletzt auch Kaminskis Tochter Miriam (Amira Casar), die den Deutschen am liebsten erst gar nicht ins Haus lassen würde.

Irgendwie scheint es die Woche der künstlerischen Satiren zu sein. Während Kill Your Friends genüsslich das Musikgeschäft auseinandernimmt, wendet sich Ich und Kaminski der Malerei zu. Zwar wird bei der deutschen Produktion nicht fröhlich gemordet, an Biss mangelt es hier aber definitiv nicht. Und auch nicht an wenig sympathischen Protagonisten. Sebastian Zöllner zum Beispiel lässt keinen Zweifel daran, dass er ein schrecklicher Mensch ist, ohne größere Skrupel, dafür mit einem enormen Ego. Dass man ausgerechnet Daniel Brühl für eine solche Rolle auserkoren hat, mag angesichts seiner häufigen Gutmenschverkörperungen etwas überraschend sein, ein Nachteil ist es sicher nicht: Mit eindeutigem Spaß an der Sache mimt er das Ekelpaket. So viel Spaß, dass der Journalist scharf an einer Karikatur vorbeischrammt.

Allerdings sind die Grenzen zwischen Kunst und Wirklichkeit in Ich und Kaminski ohnehin sehr durchlässig. Der Mockumentary-Einstieg über den ominösen Maler sind so überzeugend, dass man anschließend gleich auf Wikipedia mehr über ihn lesen möchte, nur um festzustellen, dass es ihn gar nicht gibt. Immer wieder verschmelzen Szenen kunstvoll mit Gemälden, andere gehen nahtlos in Zöllners Tagträume über, was dem Film immer etwas Versponnenes gibt. Subtiler aber noch finden die Grenzüberschreitungen in den pointierten Dialogen statt, in denen immer wieder das Verhältnis der beiden Polen thematisiert wird. Ist Kunst das Abbild der Wirklichkeit? Wird die Wirklichkeit von der Kunst beeinflusst?

Das betrifft vor allem die zweite, interessantere Hälfte des Films, wo der zuweilen fiebrig-schrille Ton einer stärken Introspektive weicht. Dann nämlich schabt Wolfgang Beckers Adaption des bekannten Romans von Daniel Kehlmann (Die Vermessung der Welt) nicht nur an der Oberfläche herum, sondern lässt seinen Zöllner mehr als der überhebliche Aasgeier sein, der vom Ruhm eines anderen profitieren will. Es dauert allerdings recht lange, bis der vor allem für Good Bye, Lenin! bekannt gewordene Regisseur dorthin kommt, die knapp zwei Stunden Laufzeit sind trotz der kunstvollen Inszenierung und der fabelhaften Besetzung ein bisschen lang. So gibt es zwischendurch einige zwar schöne Gastauftritte, unter anderem von Jördis Triebel als von Zöllners Schmarotzereien genervte Exfreundin, Josef Hader darf den namenlosen Zugbegleiter geben, der sich mit dem Journalisten ein Wortgefecht liefert. Die Geschichte selbst wird durch diese Momente jedoch nur wenig vorangebracht, Ich und Kaminski ist an diesen Stellen ein netter, irgendwie aber auch recht harmloser Spaß.



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Mal bissig, dann wieder etwas banal nimmt „Ich und Kaminski“ die Begegnung eines Journalisten und eines Malers zum Anlass, das Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit zu beleuchten. Das ist unterhaltsam und kunstvoll inszeniert, insgesamt aber etwas zu lang.
7
von 10