Immaculate Film
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Immaculate

„Immaculate“ // Deutschland-Start: 4. April 2024 (Kino)

Inhalt / Kritik

Als ihre Gemeinde in den USA aufgelöst wird, ist das für Cecilia (Sydney Sweeney) ein guter Anlass, um etwas Neues zu wagen. Und so reist sie nach Italien, wo sie sich einem abgelegenen Kloster anschließen möchte. Der Empfang dort ist herzlich, vor allem Vater Tedeschi (Álvaro Morte) tut alles dafür, damit sich die junge Frau unter den Ordensschwestern wohlfühlt. Ganz anders Isabelle (Benedetta Porcaroli), die wenig begeistert ist und sich beim Herumführen äußerst frostig verhält. Dabei ist die eifersüchtige Schwester noch das geringste ihrer Probleme. Immer wieder macht sie rätselhafte Beobachtungen. Mit der Zeit wächst in ihr die Überzeugung, dass das alte Kloster ein Geheimnis hat …

Der Horror der Kirche

Die christliche Kirche ist seit jeher eng mit dem Horrorgenre verbunden. Besonders oft tritt diese seit Der Exorzist als Symbol des Guten auf, welches gegen dämonische Kräfte ankämpft. Jedes Jahr kommen weitere dieser Okkult-Titel rund um Teufelsaustreibungen auf den Markt. Immer mal wieder sind es aber auch die Kirchen selbst, die zum Ort des Schreckens werden. The Nun ist da eines der bekanntesten Beispiele. Der Film spielte mehr als 350 Millionen US-Dollar ein, was ihn zum bislang erfolgreichsten Teil der Conjuring Filmreihe macht. Vergleichbare Einnahmen wird man bei Immaculate eher nicht haben. Aber auch hier geht es um junge Nonnen in einem alten Kloster, in dem alte düstere Geheimnisse verborgen sind.

Wobei, so richtig geheim ist das alles nicht. So beginnt der Film damit, dass eine junge Nonne aus dem Kloster zu fliehen versucht und dabei von finsteren Schwestern verfolgt wird. Das Publikum weiß also von vornherein, dass den Menschen, die bei der Ankunft von Cecilia so nett tun, nicht zu trauen ist. Zumindest einige von ihnen sind offensichtlich böse. Der andere Hinweis ist im Titel versteckt: Immaculate bezieht sich auf die unbefleckte Empfängnis Marias. Das ist zwar nicht dasselbe wie die Jungfrauengeburt, wird aber oft gleichgesetzt. Insofern verwundert es dann auch nicht wirklich, wenn – Vorsicht kleiner Spoiler – Cecilia auf einmal schwanger ist, ohne je mit einem Mann zusammen gewesen zu sein. Die Nonnen sind ekstatisch, das Publikum weiß: Da geht etwas nicht mit rechten Dingen vor sich. Da wächst etwas Böses heran, auch wenn niemand etwas davon wissen will. Die Frage ist nur: Wurde die junge Nonne von einem Dämon geschwängert oder haben irdische Männer ihre Hände im Spiel?

Extreme Schwankungen ohne Konzept

Das ist aber auch mehr oder weniger der einzige Faktor, der noch irgendwie für Spannung sorgt. Über weite Strecken ist Immaculate ein wenig bemerkenswerter Genrevertreter, der noch nicht einmal versucht, sich von der zahlreichen Konkurrenz abzuheben. Das weitläufige Kloster ist zwar stimmungsvoll. Aber man hätte sicherlich mehr daraus machen können als eine Aneinanderreihung von Jump Scares und arg konventioneller Szenen. Bei den Figuren ist ebenfalls nichts zu holen. Wer hier böse ist, lässt sich recht leicht erkennen. Auch die Protagonistin selbst ist langweilig. Dass diese aus den USA angereist ist, ist für die Geschichte unerheblich, auch wenn es immer mal wieder zu Sprachproblemen kommt. Der einzige Grund für die Nationalität ist, dass es sich nun einmal um eine US-Produktion handelt und das heimische Publikum angesprochen werden soll.

Immerhin: Die Rolle wurde prominent besetzt. Sydney Sweeney, die gerade erst in der Liebeskomödie Wo die Lüge hinfällt und dem Marvel-Actiofilm Madame Web zu sehen war, macht die Sache schon ganz ordentlich. Sie zeigt auch eine größere Körperlichkeit, wenn die Geschichte gegen Ende hin plötzlich völlig eskaliert. Dieser extreme Wandel ist dann auch der Punkt, der einem am ehesten in Erinnerung bleibt. Was als recht einfallsloser Haunted-House-Horror beginnt, endet als grotesker und überraschend brutaler Rape-and-Revenge-Thriller, der zum Teil auch sehr trashig wird. Das passt alles nicht zusammen, ist zum Teil auch völlig bescheuert. Der Film, der beim South by Southwest Festival 2024 Premiere feiert, ist ein willkürlich angefertigtes Stückwerk zwischen uninspiriert und überzogen. Diese Schwankungen heben Immaculate schon von der Konkurrenz ab. Gut ist das Ergebnis aber kaum.

Credits

OT: „Immaculate“
Land: USA
Jahr: 2024
Regie: Michael Mohan
Drehbuch: Andrew Lobel
Musik: Will Bates
Kamera: Elisha Christian
Besetzung: Sydney Sweeney, Álvaro Morte, Benedetta Porcaroli, Dora Romano, Giorgio Colangeli, Simona Tabasco

Bilder

Trailer

Filmfeste

SXSW 2024

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Immaculate
fazit
Wenn in „Immaculate“ eine angehende US-Nonne in einem italienischen Kloster unheimliche Erfahrungen macht, dann bedeutet das über lange Strecken Horror von der Stange, der zwar ein atmosphärisches Setting hat, aber keine Ideen. Dafür überschlagen sich später die Ereignisse, wenn aus dem wenig bemerkenswerten Grusler ein trashiges Gemetzel wird. Das passt alles nicht zusammen, bleibt aber immerhin etwas in Erinnerung.
Leserwertung9 Bewertungen
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von 10