Lola 2022
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LOLA (2022)

„LOLA“ // Deutschland-Start: 28. Dezember 2023 (Kino) // 10. Mai 2024 (DVD / Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Als die beiden Schwestern Thomasina (Emma Appleton) und Martha Hanbury (Stefanie Martini) 1941 eine Maschine entwickeln, machen sie eine überraschende Entdeckung: Sie können damit Aufnahmen aus der Zukunft sehen und hören! Zunächst ist das für sie in erster Linie eine Möglichkeit der Unterhaltung, vor allem ihre musikalischen Entdeckungen David Bowie und Bob Dylan haben es ihnen angetan. Doch als der Krieg immer intensiver wird, beschließen sie, ihre Erkenntnisse in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen und damit den Kriegsverlauf zu beeinflussen. Anfangs läuft das alles nach Plan. Aber je mehr sie sich in alles einmischen, umso schwieriger wird die Geschichte …

Lasst uns alles anders machen!

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, in die Vergangenheit zu reisen und Ereignisse zu ändern oder rückgängig zu machen? Ob es nun eigene Fehler sind, die man gemacht hat, oder es um Geschichten geht, die man gern beeinflussen würde: Einsatzgebiete fallen einem dabei nicht zu knapp ein. Das wiederum ist ein dankbares Thema für Filme und Serien, um so richtig der Fantasie freien Lauf zu lassen und die unglaublichsten Szenen auszudenken. Die Kult-Trilogie Zurück in die Zukunft fällt einem da vielleicht ein, bei der Marty mehrfach durch die Zeit springt und versucht, alles in Ordnung zu bringen. Sehr empfehlenswert ist zudem das Science-Fiction-Trial-and-Error-Anime-Abenteuer Steins;Gate. Zumindest phasenweise geht auch LOLA in diese Richtung.

Der Clou ist: Wo in solchen Geschichten meistens jemand in die Vergangenheit fährt, um die Zukunft zu verändern, holen sich die Schwestern hier Informationen aus der Zukunft, um die Gegenwart zu beeinflussen. Das Prinzip ist aber sehr ähnlich. Wie bei klassischen Zeitreisen-Abenteuern wird an einzelnen Stellschrauben herumgewerkelt, was dann zum Teil gravierende Auswirkungen nach sich zieht. Und auch anderweitig folgt LOLA anderen Werken zu diesem Thema, indem diese Handlungen bald unvorhergesehene Folgen mit sich bringen. Die Weltgeschichte ist dann doch keine lineare Entwicklung, wo ein Punkt zu einem zweiten führt. Da gibt es unzählige Wechselwirkungen, frei nach der Chaostheorie, wonach alles zusammenhängt, ohne dass man diese Zusammenhänge wirklich kennt oder kennen kann. Was anfangs ganz einfach wirkt, endet so selbst im Chaos.

Lust am Experimentieren

Das ist anfangs recht unterhaltsam, weil sich Regisseur und Co-Autor Andrew Legge ein paar schön absurde Sachen hat einfallen lassen. Das betrifft einerseits den Inhalt. Wenn die musikalische Zukunft in den 1940ern Einzug erhält und die Grenzen zwischen gestern, heute und morgen verwischen lässt, ist das schon spaßig. Aber auch inszenatorisch zeigt der irische Filmemacher Lust am Experimentieren und Ausprobieren. So ist LOLA in Schwarzweiß gehalten, spielt mit einer Found-Footage-Thematik und einer dazu passenden körnigen Optik. Auch an der Stelle werden die starren Grenzen zwischen den Zeiten aufgehoben, wenn aus der Zukunft in die Vergangenheit geblickt wird, die wiederum in die Zukunft schaut. Oder so ähnlich.

Doch so reizvoll diese Anordnung ist, so unterhaltsam der wilde Auftakt, wenn die zwei vergnügungssüchtigen Protagonistinnen über die Zeit herrschen, nach einer Weile nutzt sich das schon ab. Vor allem die besagten Genre-Konventionen, an die sich Legge und Angeli Macfarlane beim Drehbuch halten, tragen dazu bei, dass der Film am Ende nicht ganz so exzentrisch ist, wie man das zunächst noch glauben möchte. Zumal LOLA sich kaum mit den eigentlich philosophischen Themen auseinandersetzt. Aber auch wenn die Indie-Produktion, die 2022 beim Locarno Filmfestival Premiere feierte, vielleicht nicht das ganz große Highlight ist, das es hätte sein können: Legge legt mit seinem ersten Langfilm ein vielversprechendes Debüt vor, dem hoffentlich noch viele weitere folgen werden.

Credits

OT: „LOLA“
Land: Irland, UK
Jahr: 2022
Regie: Andrew Legge
Drehbuch: Andrew Legge, Angeli Macfarlane
Musik: Neil Hannon
Kamera: Oona Menges
Besetzung: Emma Appleton, Stefanie Martini, Rory Fleck Byrne, Theodora Brabazon Legge, Francesca Brabazon Legge, Eva O’Brien, Aaron Monaghan, Chacha Seigne

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LOLA (2022)
fazit
In „LOLA“ hören zwei Schwestern während des Zweiten Weltkriegs Nachrichten aus der Zukunft und versuchen damit, den Verlauf der Geschichte zu beeinflussen. Das Ergebnis ist unterhaltsam und zeigt sich auch inszenatorisch von einer größeren Experimentierfreude, selbst wenn der Schwarzweiß-Found-Footage-Science-Fiction-Film mit der Zeit doch immer mehr Konventionen folgt.
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