GoldenEye 007 1997 Nintendo 64
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GoldenEye 007 (1997)

GoldenEye 007 1997 Nintendo 64

Inhalt / Kritik

Spieleumsetzungen bekannter Filme hatten in den Achtzigern und Neunzigern einen schlechten Stand. Meistens wurden sie unter Zeitdruck produziert, um rechtzeitig zum Kinostart des Films auf den Markt geworfen werden zu können. Die Ergebnisse waren oft unfertig und hastig zusammengeschustert wirkende Spiele, die wenig Spaß machten. Das betraf gerade auch die Spiele rund um James Bond: A View to a Kill (1985) und The Living Daylights (1987) fanden damals schon kein Gefallen. Ganz anders GoldenEye 007, das im August 1997 und damit schon fast zwei Jahre nach dem Start von Pierce Brosnans erstem James Bond-Abenteuer veröffentlicht wurde. Entwickelt von einem jungen Team des britischen Softwarestudios Rare (Donkey Kong Country), machte das Spiel nicht nur das Genre des First-Person Shooters auf Heimkonsolen salonfähig, sondern wurde rasch zum Kultklassiker und zu einem der bestverkauften Spiele für das Nintendo 64.

Wer indes in Deutschland Interesse an Goldeneye 007 hatte, musste auf einen Import aus dem benachbarten Ausland zurückgreifen. Aufgrund der expliziten Gewaltdarstellungen im Spiel verzichtete Nintendo nämlich auf eine Veröffentlichung hierzulande, was wiederum die deutschen Behörden dennoch nicht davon abhielt, das Spiel auf den Index zu setzen (die Indizierung wurde 2021 aufgehoben). 2023 erschien das Spiel schließlich für Nintendo Switch, Xbox One und Xbox Series S/X.

Unbemerkt ans Ziel

Gameplaytechnisch handelt es sich bei dem Spiel wie gesagt um einen First-Person Shooter. Wüst drauflos zu ballern, führt jedoch gerade auf den höheren Schwierigkeitsgeraden selten zum erfolgreichen Abschluss eines Levels. James Bond ist schließlich ein Geheimagent, dementsprechend wird vom Spieler regelmäßig verlangt, sich an Gegner anzuschleichen, um sie möglichst unbemerkt mit einem gezielten Schuss auszuschalten. Dabei stehen im Verlauf des Spiels eine Vielzahl von Waffen zur Verfügung, von der einfachen „PP7“-Pistole über Sturmgewehre bis hin zu Raketenwerfern (alle Waffen im Spiel tragen fiktive Namen). Gelaufen wird mit dem Analogstick des N64-Controllers, schießen darf man stilecht mit dem Z-Trigger, während sich mit den vier C-Buttons seitwärts laufen sowie nach oben und unten schauen lässt (eine heute für solche Spiele selbstverständliche Twin-Stick-Steuerung war auf dem Nintendo 64 mit einem einzigen Analogstick noch nicht möglich).

Das Spiel beginnt genau wie der Film auf dem Staudamm im russischen Archangelsk, wo man Gegner zum Beispiel aus der Ferne mit dem Scharfschützengewehr ausschalten darf und sich nach und nach den Damm entlang schleicht, um schließlich den aus der Eröffnungssequenz des Films bekannten Bungeesprung auszuführen. Für Fans des Films ist der Wiedererkennungswert hier von Anfang an hoch. Die Entwickler erhielten Zugang zu den Filmsets und setzten die verschiedenen Locations des Films liebevoll und (den technischen Gegebenheiten entsprechend) detailliert um. So kämpft man sich im späteren Verlauf des Spiels etwa durch das Archiv in St. Petersburg oder muss Natalya Simonova im Kontrollzentrum des GoldenEye-Satelliten beschützen. Das Spiel erweitert den Film aber auch sinnvoll um den einen oder anderen noch nicht gesehenen Schauplatz.

Viel Abwechslung für jeden Schwierigkeitsgrad

Die Level bieten dabei einiges an Abwechslung, erfordern wie erwähnt häufig ein überlegtes Vorgehen und lassen sich alle in jeweils drei Schwierigkeitsgeraden spielen. Diese unterscheiden sich nicht nur in der Menge an Lebensenergie, die einem ein gegnerischer Treffer abzieht, sondern auch in der Anzahl an zu erledigenden Aufgaben. Während man etwa im ersten Level auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad nur die Plattform für den Bungeesprung erreichen muss, muss man auf der höchsten Stufe („00 Agent“) zusätzlich unter anderem noch mehrere Alarmanlagen ausschalten und ein Modem installieren. Wie und wo genau man diese Dinge tun muss, sagt einem das Spiel allerdings nicht, was bisweilen für Frust sorgen kann.

Wer das Spiel hundertprozentig durchspielen will, muss also alle 18 Level auf allen drei Schwierigkeitsgeraden absolvieren, ebenso die beiden an alte Bond-Filme angelehnten Bonuslevel. Zusätzlich kann man noch Cheats erspielen, die jeweils das Beenden eines Levels auf einem bestimmten Schwierigkeitsgrad innerhalb eines Zeitlimits voraussetzen, was zum Teil stundenlanges Üben und zahlreiche Versuche erfordert.

Vier-Spieler-Granate

Für zahlreiche durchgezockte Nächte sorgte GoldenEye 007 allerdings natürlich nicht nur mit seiner Einzelspielerkampagne. Der erst wenige Monate vor der Veröffentlichung zum Spiel hinzugefügte Mehrspielermodus lässt bis zu vier Spieler per Splitscreen gegeneinander antreten. Dabei gibt es zwar eine Reihe von Einstellungsmöglichkeiten – so kann man etwa wählen, ob jeder Schuss sofort zum Tod führen soll oder kann in Zweierteams gegeneinander spielen. Diese Optionen halten sich jedoch in Grenzen, sodass der Spaß des Multiplayermodus wohl auch gerade in dessen Einfachheit begründet liegt. GoldenEye 007 dürfte jedenfalls wie kein anderes Spiel auf dem Nintendo 64, außer vielleicht Mario Kart 64, Spieler vor der Konsole zu stundenlangen Multiplayer-Sessions versammelt haben. Und um es ein für alle Mal festzuhalten: Wer im Mehrspielermodus den kleinen und damit schwer zu treffenden Oddjob als Spielfigur wählt, der schummelt!

Credits

OT: „GoldenEye 007“
Land: UK
Jahr: 1997
Director: Martin Hollis
Producer: Martin Hollis
Musik: Grant Kirkhope, Graeme Norgate, Robin Beanland
Publisher: Nintendo
Entwickler: Rare
Plattformen: Nintendo 64, Nintendo Switch, Xbox One, Xbox Series X/S

Trailer



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GoldenEye 007 (1997)
fazit
Abwechslungsreiche Level, durchdachtes Gameplay, Detailverliebtheit und die Nähe zum Film machen „GoldenEye 007“ zu einer der besten Filmumsetzungen und einem Meilenstein seines Genres. Der Mehrspielermodus ist das Sahnehäubchen, welches das Spiel endgültig zum Kultspiel machte.
Leserwertung0 Bewertungen
4.5