Die Legende der Weihnachtshexe Befana vien di notte: Le origini
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Die Legende der Weihnachtshexe

„Die Legende der Weihnachtshexe“ // Deutschland-Start: 10. November 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Italien Mitte des 18. Jahrhunderts: Das Waisenkind Paola (Zoe Massenti) schlägt sich als Diebin durchs Leben und zeigt dabei ein ums andere Mal großes Talent. Zu viel Talent, wenn es nach dem Baron De Michelis (Fabio De Luigi) geht, der das Mädchen am liebsten gleich verbrennen würde, so wie die Hexen, auf die er Jagd macht. Dabei ahnt sie nicht, dass sie bald selbst eine Hexe kennenlernen wird: Dolores (Monica Bellucci) rettet ihr nicht nur die Haut, sondern nimmt sie auch mit in ihr kleines Haus am Wald, wo sie bereits einer Reihe weiterer Kinder eine Heimat geboten hat. Für Paola ist das gleich doppelt ein Geschenk. Nicht nur dass sie endlich ein Zuhause hat. Sie nutzt zudem die dort verfügbare Magie für ihre Beutezüge …

Der Anfang einer etwas anderen Hexe

Hierzulande dürften die meisten Hexen entweder mit Märchen oder auch Horrorfilmen in Verbindung bringen. So oder so, tendenziell handelt es sich dabei um eher böse Geschöpfe, die ihre Mächte zu weniger konstruktiven Zwecken nutzen. Gute Hexen gibt es zwar auch, Hui Buh und das Hexenschloss erzählt von einem Kampf zwischen den guten und den bösen Hexen. Aber das ist doch mehr die Ausnahme. In Italien ist das etwas anders. Dort ist es Teil der Folklore, dass im Januar eine gute Hexe namens Befana den Kindern Geschenke bringt. Drei Jahre ist es her, dass Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe auch den hiesigen Nachwuchs mit der Figur vertraut machte. Offensichtlich war dies so erfolgreich, dass mit Die Legende der Weihnachtshexe nun ein weiterer Film rund um die spendierfreudige Hexe bei uns in die Kinos kommt.

Wobei sich das Publikum, welches den ersten Teil gesehen hat, auf einige Änderungen einstellen muss. So wurde aus der erwachsenen Paola, die wir beim letzten Mal kennenlernen durften, ein Kind. Und auch im Hinblick auf die Persönlichkeit ist die Protagonistin kaum wiederzuerkennen. Anstatt Menschen zu beschenken, ist die junge Ausgabe darauf aus, den anderen möglichst viel von ihrem Besitz abzunehmen und für sich selbst zu behalten. Es handelt sich bei Die Legende der Weihnachtshexe also um ein typisches Origin Movie, wie man sie gerade von den Comic-Adaptionen kennt. Der Film erzählt, wie sich das Mädchen erstmals ihrer Fähigkeiten bewusst wird und auch lernen muss, diese für das Gute einzusetzen. Denn darauf hat sie zunächst keine Lust, auch hier ist für sie Nehmen seliger denn Geben.

Hübsch, aber zu lang

Dieser deutliche Hang zum Egoismus wird für die einen erfrischend sein im Kinderfilm-Segment. Andere werden wohl eher genervt sein von Paola, die einem wenig Gründe liefert, warum man ihr eigentlich durch das Abenteuer folgen sollte. Erst später, nachdem sie sich gewandelt und besonnen hat, wächst sie in ihre Heldinnenschuhe hinein. Um einen Coming-of-Age-Film, der die Entwicklung der Hauptfigur in den Mittelpunkt stellt, handelt es sich bei Die Legende der Weihnachtshexe jedoch nicht. Dafür ist der Part der Neubesinnung zu kurz und hektisch abgehandelt. Das fällt auch deshalb negativ auf, weil der Film mit einer Laufzeit von knapp zwei Stunden schon ein ganzes Stück zu lang ausfällt. Da hätte es doch mehrere Passagen gegeben, welche sich für Streichungen angeboten hätten und damit vielleicht auch zu einer besseren Balance geführt hätten.

Dennoch, Spaß macht der Film, mehr sogar als der Auftakt. Wo dieser an einer zuweilen billigen Optik litt, welche die entsprechenden Szenen runterzogen, da ist Die Legende der Weihnachtshexe ein überraschend hübscher Film geworden. Vor allem die Momente, wenn Paola mit den diversen Pudern hantiert, können sich sehen lassen. Das gilt auch für das historische Setting. Was hingegen leider weniger geworden ist, ist der Hang zum Skurrilen und Surrealen. Das hier ist deutlich alltäglicher, zumindest innerhalb des verwendeten Fantasy-Rahmens. Gleich geblieben ist eine Vorliebe fürs Turbulente, wenn eigentlich ständig irgendetwas passiert. Die junge Zielgruppe wird es freuen, Erwachsene müssen sich zumindest nicht ärgern. Nur eine Weihnachtsstimmung sollte man hier nicht erwarten, der Film ist so sehr mit den Ursprüngen beschäftigt, dass für diesen besonderen Abschnitt im Jahr kein Platz mehr ist.

Credits

OT: „Befana vien di notte: Le origini“
Land: Italien
Jahr: 2021
Regie: Paola Randi
Drehbuch: Nicola Guaglianone und Menotti
Musik: Salliana Seven Campbell
Kamera: Gherardo Gossi
Besetzung: Monica Bellucci, Zoe Massenti, Alessandro Haber, Herbert Ballerina, Guia Jelo, Corrado Guzzanti, Fabio de Luigi

Bilder

Trailer

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Die Legende der Weihnachtshexe
fazit
Wer hätte gedacht, dass die spendierfreudige Weihnachtshexe als Kind eine egoistische Diebin war? „Die Legende der Weihnachtshexe“ erzählt von den Ursprüngen der aus der italienischen Folklore bekannten Figur und setzt dabei wie schon der erste Teil auf turbulente Handlung. Die Entwicklung kommt hingegen etwas kurz, was angesichts der langen Laufzeit des Films ein Problem ist. Dafür ist er hübsch anzusehen.
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von 10