A propos de Joan Die Zeit die wir teilen
© Camino Filmverleih

Die Zeit, die wir teilen

„Die Zeit, die wir teilen“ // Deutschland-Start: 31. August 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Beruflich hat Joan Verra (Isabelle Huppert) einiges erreicht. Privat sah es bei der Verlegerin hingegen nicht immer gut aus. Als sie eines Tages einer vergangenen und sehr stürmischen Liebe gegenübersteht, wird sie derart von ihren Erinnerungen überwältigt, dass sie beschließt, erst einmal in ihr Landhaus zu fahren. Dort will sie zur Ruhe kommen und ihre Gefühle sortieren. Ganz allein ist sie jedoch nicht. Neben ihrem Sohn Nathan (Swann Arlaud), den sie über alles liebt, ist da auch noch der Autor Tim Ardenne (Lars Eidinger), den sie verlegt. Auch er hat große Gefühle. Diese gelten aber Joan, weswegen immer wieder die Grenzen zwischen dem Beruflichen und dem Privaten überschritten werden …

Nebeneinander von Vergangenheit und Gegenwart

Auch wenn das Wort Vergangenheit es impliziert, so richtig vergangen sind unsere Erlebnisse nie. Vielmehr leben sie fort in Form von Erinnerungen, begleiten uns über längere Zeit – manche sogar ein Leben lang. Das können sie konstant tun. Manchmal melden sie sich nur in verschiedenen Situationen zurück. Dabei sind aber selbst die vermeintlich konstanten Erinnerungen einem Wandel unterworfen. Nur weil wir ganz fest zu wissen glauben, was früher einmal geschehen ist, heißt das nicht, dass dies auch der Wahrheit entspricht. Das sind keine neuen Erkenntnisse, die meisten von uns werden das an der einen oder anderen Stelle merken. Insofern hat Die Zeit, die wir teilen, das sich dieses Themas annimmt, nichts zu sagen, was wir nicht schon hier und da mal gehört haben.

Aber nur weil wir von einem Film nichts Neues lernen, heißt das nicht, dass er nichts zu sagen hat. So hat Regisseur und Co-Autor Laurent Larivière sich schon einiges einfallen lassen, um das ständige Nebeneinander von Vergangenheit und Gegenwart verdeutlichen zu können. So greift er in Die Zeit, die wir teilen zwar auf klassische Flashbacks zurück, wenn sich seine Protagonistin an ihre Jugend erinnert. In diesen Szenen wird Joan von Freya Mavor verkörpert. Das Publikum lernt dabei mehr über diese stürmische Liebe, die in dem Drama gleich mehrfach am Anfang steht. Chronologisch, weil das Leben von ihr damit erst wirklich anfing. Die Wiederbegegnung mit dieser, indem sie ihren damaligen Freund trifft, setzt darüber hinaus die Ereignisse in dem Film in Gang.

Zwischen Ruhe und Theatralik

Wobei Ereignisse vielleicht etwas hoch gegriffen wäre. So richtig viel passiert in den mehr als anderthalb Stunden nicht. Am ehesten passen da noch die Auftritte von Lars Eidinger (Nahschuss, Abgeschnitten), der hier mal wieder seiner ungehemmten Theatralik nachgibt. Das beißt sich schon ziemlich mit der ansonsten recht ruhigen Art des Films, bei dem viele Grenzen fließend sind. Es stellt auch einen starken Kontrast zu Joan dar, bei der sich das meiste hinter der Fassade abspielt. Die Zeit, die wir teilen nimmt hier zwei absolute Schauspielgrößen, die beim direkten Nebeneinander aber so wirken, als stammten sie aus zwei verschiedenen Filmen und wären sich durch einen Irrtum über den Weg gelaufen. Warum Tim seiner deutlich älteren Verlegerin derart verfallen ist, wird dabei noch nicht einmal klar. So wie einiges im Drama etwas kryptisch bleibt.

Etwas fragwürdig ist auch eine späte Wendung, mit der Larivière sein Publikum wohl überrumpeln wollte. Immerhin passt diese thematisch aber gut bei einem Film, der die Trennung von Vergangenheit und Gegenwart in Frage stellt. Eben dieses gleichzeitig Fragmentarische und Fließende macht das Drama, welches auf der Berlinale 2022 Premiere feierte, doch sehenswert. Wir bekommen dort einen Einblick in das Leben einer Frau, deren vielen Erlebnisse sie bestimmen und zu einem Menschen formen, selbst wenn dieser nur aus Bruchstücken besteht. Das Ergebnis ist ein Film, der zum Grübeln anregt, auch darüber, wie sehr wir geprägt sind vom gestern. Antworten braucht man hingegen keine zu erhoffen, dafür bleibt das dann letztendlich doch zu vage.

Credits

OT: „A propos de Joan“
IT: „About Joan“
Land: Frankreich, Irland, Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Laurent Larivière
Drehbuch: Laurent Larivière, François Decodts
Musik: Jérôme Rebotier
Kamera: Céline Bozon
Besetzung: Isabelle Huppert, Lars Eidinger, Swann Arlaud, Freya Mavor

Bilder

Trailer

Filmfeste

Berlinale 2022

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Die Zeit, die wir teilen
fazit
„Die Zeit, die wir teilen“ ist ein interessantes Drama um eine Frau, die sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt, was zu einer ständigen Vermischung von Erinnerungen und Erlebnissen führt. So richtig viel auszusagen hat der Film hingegen nicht. Außerdem irritieren die theatralischen Auftritte von Lars Eidinger, die kaum zu der ruhigen Art des Restes passen.
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