Die Känguru Verschwörung
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Die Känguru-Verschwörung

„Die Känguru-Verschwörung“ // Deutschland-Start: 25. August 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Irgendwie hat sich Marc-Uwe (Dimitrij Schaad) das anders vorgestellt mit Maria (Rosalie Thomass). Erst platzt ihm das Känguru ins Date und macht ihm so alles kaputt. Als es dann darum geht, sie vielleicht doch zu einem zweiten zu überreden, lässt er sich auf eine wahnwitzige Wette ein: Sollte es den beiden gelingen, ihre Mutter Lisbeth (Petra Kleinert) wieder zur Vernunft zu bringen, winkt Marc-Uwe ein romantisches Wochenende in Paris. Scheitert er jedoch an der Aufgabe, muss er seine Wohnung an Maria abtreten, die schon länger mit etwas Größerem liebäugelt. Und so begibt er sich gemeinsam mit seinem tierischen Mitbewohner auf eine Reise zur Conspiracy Convention in Bielefeld. Dabei heißt es nicht nur, Lisbeth aus den Klauen des Verschwörungsgurus Adam Krieger (Benno Fürmann) zu befreien. Es ist zudem Eile angesagt, denn Marias Ex Joe (Michael Ostrowski) ist wieder zurück und droht ihm gefährlich zu werden …

Das Kult-Känguru meldet sich zurück

Eine Zeit lang gab es praktisch kein Entkommen vor dem Känguru. Neben den Hörspielen, mit denen der Siegeszug begonnen hat, war das Beuteltier in Büchern zu Hause, dazu zahlreichem Merchandising. Da war es keine wirklich große Überraschung, als dieser Erfolg im Kino fortgesetzt werden sollte. Das klappte auch relativ gut. Mit dem Zeitpunkt der Veröffentlichung hatte der Verleih zwar ein wenig Pech, weil kurze Zeit später in Folge der Corona-Pandemie alle Kinos schließen mussten und erst Monate später wieder aufmachten. Insgesamt strömten aber rund 800.000 Menschen in die Lichtspielhäuser, um Die Känguru-Chroniken sehen zu dürfen. Da war es kein Wunder, dass schon bald die Arbeiten an einer Fortsetzung begannen, die jetzt mit Die Känguru-Verschwörung als fertige Version vorliegen.

Für Fans ist das eine gute Nachricht, umso mehr da Känguru-Erfinder Marc-Uwe Kling noch einmal deutlich tiefer in die Produktion involviert war. Beim ersten Film begnügte er sich mit dem Verfassen des Drehbuchs und übernahm die Stimme des Kängurus. Die Regie überließ er hingegen Dani Levy. Bei Die Känguru-Verschwörung übernimmt er diese Position gleich mit und drückt dem Ganzen somit einen richtig fetten Stempel auf. Dieses Mal hat er sich – der Titel kündigt es bereits an – Verschwörungstheoretiker als Feindbild genommen, nachdem es beim letzten Mal noch Immobilienhaie und rechte Idioten waren. Aufhänger hierfür ist aber nicht Corona, selbst wenn das naheliegend gewesen wäre. Stattdessen arbeitet er sich an denjenigen ab, die den Klimawandel leugnen oder zumindest verharmlosen.

Mehr Spaß als Tiefgang

Als Zielscheibe ist das dankbar. Viele der Witze schreiben sich fast schon von selbst, man muss nur die „Argumente“ der Verschwörungsgruppen nehmen und wortwörtlich wiederholen. Warum die Menschen daran glauben, wird aus dem Film jedoch nicht ersichtlich. Die grundsätzlich spannende Frage, wie man Leute aus diesem intellektuellen Loch befreien kann, wird auf diese Weise ebenso wenig beantwortet. Ein bisschen schade ist das schon. Für einen Film, der gesellschaftliche Debatten anstoßen will – und das tut Die Känguru-Verschwörung ebenso wie Die Känguru-Chroniken –, ist das schon eher dünn. Es geht mehr um den Spaß als eine wirkliche Auseinandersetzung.

Spaß macht der Film dann auch wirklich, zumindest punktuell. Gerade Benno Fürmann (Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?) als aalglatter Verführer und Petra Kleinert (Hanne) in der Rolle der resoluten Ich-lass-mir-nichts-sagen-Querdenkerin sind wertvolle Neuzugänge im Känguru-Zirkus. Allerdings geht das zu Lasten anderer Figuren. So haben zwar die Leute aus der Nachbarschaft wieder Auftritte im Film. Sie haben aber nichts Relevantes zu tun, was gerade bei Maria sehr schade ist. So ist sie zwar der Grund, weshalb die Odyssee überhaupt gestartet wird. Sie ist aber kaum im Geschehen integriert. Dafür ist der Nebenstrang um ihren Ex, der wieder da ist, letztendlich zu schwach.

Unterhaltsam mit Längen

Das ist aber auch symptomatisch für einen Film, bei dem irgendwie alles mal angesprochen oder versucht wird, ohne sich um ein Gesamtkonzept zu kümmern. Die Känguru-Verschwörung entspricht über längere Strecken einer Sketch Show, die nur notdürftig durch eine inhaltliche Klammer zusammengehalten wird. Einige dieser Sketche sind sehr unterhaltsam, sind von der Anarchie geprägt, für die Marc-Uwe Kling berühmt geworden ist. Aber nicht jeder Schuss trifft sein Ziel. Tatsächlich gibt es zwischendurch immer mal wieder Phasen, in denen Leerlauf angesagt ist. Insgesamt überwiegt das Plus auf dem Konto zwar, weswegen zusammen mit dem erneut gut aufgelegten Ensemble ein Gang ins Kino durchaus lohnen kann. Mit einer besseren Balance wäre aber noch mehr drin gewesen.

Credits

OT: „Die Känguru-Verschwörung“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Marc-Uwe Kling
Drehbuch: Marc-Uwe Kling, Jan Cronauer
Musik: Die Tentakel von Delphi
Kamera: Markus Nestroy
Besetzung: Dimitrij Schaad, Rosalie Thomass, Petra Kleinert, Michael Ostrowski, Benno Fürmann

Bilder

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Die Känguru-Verschwörung
Fazit
„Die Känguru-Verschwörung“ ist wie schon der erste Teil eine unterhaltsame Komödie, die Humor mit gesellschaftlichen Themen verbindet. Während die Verspottung von Verschwörungstheoretikern Spaß macht, auch wegen des gut aufgelegten Ensembles, kommt es doch zwischendurch immer mal wieder zu Längen, weil zu viele Gags nichts zünden und bei den Figuren einiges verschenkt wurde. Eine wirkliche Auseinandersetzung mit den Quergedanken findet sowieso nicht statt.
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