Chariot
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Chariot

„Chariot – Every Dream Has a Reason“ // Deutschland-Start: 29. Juli 2022 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Immer wieder hat Harrison (Thomas Mann) nachts denselben Traum, mehrere tausend Mal bereits: Er steht im Haus seiner Eltern, direkt unter dem Dachboden. Eigenartig ist dabei jedoch, dass das Haus überhaupt keinen Dachboden hat. Da er beim Versuch scheiterte, dieses Rätsel selbst zu lösen, sucht er Rat bei Dr. Karn (John Malkovich), einem Spezialisten für Schlafstörungen. Dieser verspricht ihm auch, ihm helfen zu können, dank einer speziellen Hypnose-Therapie. Es habe immer wieder Fälle wie seinen gegeben, wie er dem jungen Mann versichert. Doch bevor es losgehen kann, muss Harrison erst einmal in ein neues Wohnhaus ziehen, wo er die angehende Schauspielerin Maria (Rosa Salazar) sowie zahlreiche rätselhafte Menschen trifft …

Rätsel über Rätsel

Es ist nur eine kurze Szene kurz vorm Ende des Films: Harrison soll ein Rätsel lösen um drei Brüder, die in einer Herberge Rast machen und deren Geldbetrag nicht aufzugehen scheint. Mit der eigentlichen Geschichte des jungen Mannes hat das Rätsel nichts zu tun, es wird nicht einmal versucht, eine Verbindung herzustellen. Schlimmer noch, zumindest für einen Teil des Publikums: Dieses Rätsel wird nicht aufgelöst. Das darf man dann wegen der fehlenden Konsequenz ignorieren. Und doch ist die Szene sehr typisch für Chariot, wenn die Frage nach dem Traum und dem nicht vorhandenen Dachboden ständig durch andere Rätsel und Seltsamkeiten unterbrochen wird, für die der Film gar keine Verwendung hat.

Das soll nicht heißen, dass es hier gar keine Antworten gibt. Zum Ende hin wird schon ein Hinweis gegeben, worum es in dem Film überhaupt ging. Dieser wurde dann auch gleich in den Trailer gepackt, was schon in Richtung Spoiler geht und zudem falsche Erwartungen weckt. Denn selbst wenn es eine Lösung in Chariot gibt bzw. geben sollte, so steht diese nicht im Mittelpunkt. Stattdessen war das Hauptanliegen von Regisseur und Drehbuchautor Adam Sigal offensichtlich, eine maximal rätselhafte Atmosphäre zu erzeugen und das Publikum mit zahlreichen sonderbaren Figuren oder Ereignissen auf die Folter zu spannen. Denn auch wenn der Traum des Protagonisten so unspektakulär ist, dass man dort vergeblich auf eine Pointe wartet: Drumherum sind schon ein paar nette Einfälle dabei.

Ein Ende in Gleichgültigkeit

Chariot richtet sich damit mutmaßlich an ein Publikum, das Mystery um der Mystery willen anschaut und sich gern den Kopf an Rätselstücken von David Lynch (Lost Highway, Mulholland Drive) zermartert. Man sollte jedoch nicht erwarten, dass Sigals Variante auch nur annähernd auf demselben Niveau arbeitet. Während Lynch immer glaubhaft das Gefühl vermitteln konnte, dass hinter den sonderbaren Situationen irgendwo ein tieferer Sinn wartet, gibt man hier recht schnell diese Hoffnung auf. Harrisons Odyssee beginnt mit einem klaren Anliegen, nur um dann im Nichts zu enden. Schlimmer noch ist aber, dass offensichtlich alle diesen Rätseln mit einem Schulterzucken begegnen, so als wären sie das normalste der Welt.

Das kann man natürlich machen. Es hat prinzipiell sogar seinen eigenen Reiz, wenn das Seltsame derart normalisiert wird, bis man sich als Zuschauer bzw. Zuschauerin damit allein gelassen fühlt. Ein bisschen wie in Alice im Wunderland, bei dem lediglich die Protagonistin realisierte, wie unsinnig alles ist. Bei Chariot führt dies jedoch dazu, dass man sich von der Gleichgültigkeit anstecken lässt. Warum sollte ich mich interessieren, wenn sonst keiner Interesse hat? Erschwerend kommt hinzu, dass die Handlung sehr sparsam ausfällt und ein Gefühl der Bedrohung, wie man es bei einem Thriller erwarten darf, einfach nicht zusammenkommt. Das ist schade um Szenario und Setting, die beide vielversprechend starten. Auch dem Ensemble kann man keinen wirklichen Vorwurf machen. Das macht, was es angesichts der inhaltlichen Leere machen kann, teilweise sogar recht gut. Aber hier kommt niemand gegen die Beliebigkeit an, wenn das Außergewöhnliche zur Banalität verkommt.

Credits

OT: „Chariot“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Adam Sigal
Drehbuch: Adam Sigal
Musik: Richard Patrick
Kamera: Senda Bonnet
Besetzung: Thomas Mann, Rosa Salazar, Shane West, Scout Taylor Compton, John Malkovich

Bilder

Trailer

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Chariot
Fazit
„Chariot“ beginnt eigentlich recht vielversprechend, wenn ein wiederkehrender Traum in ein Haus voll seltsamer Leute führt. Der Mystery-Thriller hat aber selbst kein großes Interesse, weder an diesen noch an Auflösungen, weshalb die Spurensuche mit der Zeit zu reiner Gleichgültigkeit führt.
Leserwertung33 Bewertungen
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