Märzengrund
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Märzengrund

Märzengrund
„Märzengrund“ // Deutschland-Start: 25. August 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Österreich, 1968: Elias (Jakob Mader) ist Bauernsohn eines Großhofbesitzers, der bald die elterlichen Bauernhöfe im Zillertal übernehmen soll. Dem Druck seitens der Eltern sowie die hohen Erwartungen, mit denen er konfrontiert wird, hält er jedoch nicht stand. So verfällt der 18-jährige in eine Depression, da er weder die mentale Stärke aufweist, noch ist dies das Ziel für sein Leben. Sein Vater schickt ihn daraufhin in das Almgebiet Märzengrund, um sich auf sein Leben als Hofbesitzer vorbereiten zu können. Als die Familie ihn am Ende des Sommers wieder abholen will, ist aus dem sensiblen Jungen jedoch eine andere Persönlichkeit geworden, der einen großen Entschluss gefasst hat.

Auf sich allein gestellt

Auch wenn Elias durch das wohlhabende Elternhaus mit allen Privilegien ausgestattet ist und sein Schicksal seitens der Eltern schon in Stein gemeißelt ist, so sehen seine eigenen Ziele ganz anders aus. So fühlt man sich bei der Story als auch bei den filmischen Aspekten schnell an Filme wie Into the Wild zurückerinnert, in dem der Protagonist die Freiheit ebenso in der Natur sucht und sich für das Eremiten-Leben entscheidet. Dass Elias die Zeit in Märzengrund aufgebrummt bekommt, macht dabei aber wenig Unterschied. Aufgrund solcher Sätze wie „Was sich erst wie eine Bestrafung angefühlt hat, ist zu einem großen Segen geworden.“ oder „Ich hab endlich meinen Platz in der Gesellschaft gefunden – nämlich weit weg von ihr.“ stellt sich fortan eine zunehmende Poesie ein. Obwohl Märzengrund mit einem relativ schnellen Pacing ausgestattet ist, braucht es doch seine Zeit, bis sich die Bilder und poetischen Monologe richtig entfalten können, was aber auch an dem großen Zeitsprung von 40 Jahren liegen mag. Dass hierbei keinerlei Einblick in diesen Zeitraum gegeben wird und beispielsweise auch die erste Liebe von Elias als auch die Zeit in Märzengrund ziemlich schnell abgetan werden, spielt dem Film allerdings nicht in Karten. Mit seinen Stärken an anderen Stellen kann er seine Schwächen jedoch noch halbwegs gut kompensieren.

Der Lauf der Zeit

Statt den großen Höfen und dem elterlichen Erbe wählt Elias den Weg seiner Träume in die höchsten Gebiete der Alm, in denen er seine Erlösung findet. Als er 40 Jahre später noch immer in dem Idyll lebt, hat sich aber nicht viel verändert – zumindest auf dem ersten Blick. Hier setzt Märzengrund allerdings erst so richtig ein und versucht die Entwicklung in vier Jahrzehnten aufzugreifen. Viele Gedanken aus dem Off bekommen wir dabei aber nicht zu hören, anders als in vielen Terrence Malick Filmen – wobei man Tree of Life aufgrund der einen oder anderen Gemeinsamkeit (auch in puncto Kamera) noch am ehesten mit dem österreichischem Drama vergleichen kann. So teilen beide einen gewissen Fokus auf den Wandel der Zeit und den Umgang mit der Vergangenheit, die in den Figuren schlummert und erst im Alter hervorkommen.

Immanente Traurigkeit

Obgleich dies in beiden Filmen ähnlich ist, so versteht es Märzengrund aber noch besser, die Melancholie im Detail festzuhalten. So bekommt man auch hier den Eindruck, dass der Protagonist im hohen Alter von einer tiefen Trauer geplagt wird, auch wenn er vor einer Ewigkeit auf sein Herz gehört hat. Adrian Goigingers Werk lädt so viel zum Nachdenken ein, wobei man sich unter anderem fragt, ob sich Elias als 18-Jähriger richtig entschieden hat und das Leben bekam, von dem er geträumt hat. Eine Antwort bekommt man zwar nicht wirklich, doch die Augen, die in der Jugend noch feurig loderten, wirken am Ende erloschen. Durch diese Beklommenheit sowie den Umgang mit Vergänglichkeit, Erlösung und dem Tod, bleibt der Film aber auch im Kopf. Wer Fan von Into the Wild oder beispielsweise auch Die Wand ist, der kommt mit Märzengrund mit Sicherheit auf seine Kosten.

Credits

OT: „Märzengrund“
Land: Österreich, Deutschland
Jahr: 2022
Regie:  Adrian Goiginger
Drehbuch: Adrian Goiginger, Felix Mitterer
Musik: Manuel Schönegger, Dominik Wallner
Kamera:  Klemens Hufnagl, Paul Sprinz
Besetzung: Johannes Krisch, Gerti Drassl, Harald Windisch, Verena Altenberger, Carmen Gratl

Trailer

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Märzengrund
Fazit
Ein junger Mann soll den Hof der Familie übernehmen, entscheidet sich aber stattdessen für ein Einsiedlerleben. Das melancholische Drama spielt viel in der Natur und lädt das Publikum ein, über Grundsätzliches nachzudenken.
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von 10