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Der Kroatien-Krimi: Tod im roten Kleid

Inhalt / Kritik

„Der Kroatien-Krimi: Tod im roten Kleid“ // Deutschland-Start: 27. Januar 2022 (Das Erste)

Als eine halbverweste Leiche gefunden wird, stehen Kommissarin Stascha Novak (Jasmin Gerat) und ihr Kollege Emil Perica (Lenn Kudrjawizki) vor mehreren Rätseln. So handelt es sich dabei um einen Mann, obwohl sie ein rotes Kleid trug. Außerdem stellt sich heraus, dass sie zuvor tief gefroren war. Nur wie lange, das kann niemand so genau sagen. Dafür finden die beiden heraus, dass der Verstorbene Anton Djulic (Riccardo Campione) hieß, ein junger Mann, der sich im falschen Körper fühlte und in seinem Inneren eine Frau war. Damit stieß er jedoch bei der strenggläubigen und wenig toleranten der Bevölkerung auf wenig Verständnis. Sein eigener Onkel Ivan Rukovic (Joachim Nimtz) tat alles dafür, damit niemand etwas von Antons Transsexualität erfuhr. Kurze Zeit später wird auch dieser tot aufgefunden. Reiner Zufall oder hängen die beiden Fälle zusammen?

Gemeinsam gegeneinander

Ein Dreivierteljahr haben Fans der ARD-Krimireihe Der Kroatien-Krimi warten müssen, bis es weitergeht. Dafür gibt es jetzt wieder doppelten Nachschub. Den Auftakt macht Tod im roten Kleid, bevor es eine Woche später mit Vor Mitternacht weitergeht. Personell hat sich in der Zwischenzeit nichts getan. Jasmin Gerat, die ab Folge sieben die ausgeschiedene Neda Rahmanian ersetzte, ist auch bei den Fällen elf und zwölf wieder mit an Bord. Lenn Kudrjawizki, der von Anfang an die Reihe begleitete, ist sowieso mit von der Partie. Da sollte man eigentlich meinen, dass es sich um ein eingespieltes Team handelt. Stattdessen ist der neue Film von zahlreichen Konflikten zwischen den zweien geprägt, die das Ergebnis unterschiedlicher Weltansichten sind.

Damit stehen die beiden stellvertretend für zwei Teile der Bevölkerung, die sich unversöhnlich gegenüberstehen. Auf der einen Seite ist der konventionelle Teil, oft religiös geprägt, der sich schwer tut mit allem, was nicht der alten Ordnung entspricht. Auf der anderen Seite sind die, die für mehr Selbstbestimmungsrecht und eine größere Vielfalt eintreten. Tragisch ist dabei, wie dieser Riss in Der Kroatien-Krimi: Tod im roten Kleid mitten durch die Familie geht. Anton, der für sich entdeckt hat, in Wahrheit eine Frau zu sein, überfordert damit sein Umfeld. Die Reaktionen fallen unterschiedlich sein. Bei manchen ist es das Konzept an sich, das Probleme bereitet, andere haben offensichtlich in erster Linie Angst davor, was andere über die Familie sagen könnten.

Kampf gegen die Intoleranz

Auf wessen Seite Langzeitautor Christoph Darnstädt steht, der nahezu alle Drehbücher der Reihe geschrieben, ist nicht wirklich ein Geheimnis. Sein Film ist weniger ein Plädoyer für mehr Toleranz als vielmehr eine Anklage an eine intolerante Gesellschaft, die er – durch seine Stellvertreterin Novak – wieder und wieder attackiert. Da kann man dann als einen wertvollen Beitrag ansehen, gerade zu einer Zeit, in der die Rechte transsexueller Menschen in vielen Ländern wieder eingeschränkt werden. Sonderlich ausgewogen ist Der Kroatien-Krimi: Tod im roten Kleid an der Stelle aber nicht, abwechslungsreich sowieso nicht. Szenen eines Austauschs gibt es praktisch nicht. Immerhin: Er ruht sich nicht auf einer allgemeinen Religionskritik aus. Ausgerechnet der örtliche Geistliche betont mehrfach, dass eine Ablehnung der betroffenen Menschen unchristlich sei.

Das ist dann schon alles gut gemeint, der Einsatz für Minderheiten ist prinzipiell löblich. Der Film selbst ist jedoch weniger gut. So gibt beispielsweise der Krimipart nicht sonderlich viel her. Ein paar Wendungen sind zwar drin, wodurch sich manche anfängliche Annahme als falsch herausstellt. Richtig viel rätseln ist trotzdem nicht drin. Auch die späteren Versuche Spannung zu erzeugen, funktionieren nicht so recht. Im Vergleich zum katastrophalen Jagd auf einen Toten und dem mäßigen Die Patin von Privonice ist Der Kroatien-Krimi: Tod im roten Kleid zwar schon ein Fortschritt. Immerhin muss man sich dieses Mal nicht ganz so sehr über die Figuren ärgern. Auch die Geschichte funktioniert besser. Aber selbst mit Sympathiebonus reicht das hier gerade mal so fürs Mittelfeld, was angesichts der zahlreichen Konkurrenz der TV-Krimis nicht genug ist.

Credits

OT: „Der Kroatien-Krimi: Tod im roten Kleid“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Michael Kreindl
Drehbuch: Christoph Darnstädt
Musik: Titus Vollmer
Kamera: Anton Klima
Besetzung: Jasmin Gerat, Lenn Kudrjawizki, Slavko Popadic, Riccardo Campione, Meira Durand, Joachim Nimtz, Thomas Dehler, Nadja Becker

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In „Der Kroatien-Krimi: Tod im roten Kleid“ wird ein junger transsexueller Mann tot aufgefunden. Und es bleibt nicht bei dieser einen Leiche. Der Film ist ein Angriff an eine intolerante Gesellschaft, die anderen ihr Selbstbestimmungsrecht abspricht. Das ist gut gemeint, überzeugt aber nicht wirklich, da hier keine Nuancen zu finden sind und der Krimipart wenig interessant ist.
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