Inhalt / Kritik

Caravaggio

„Caravaggio“ // Deutschland-Start: 26. September 2006 (DVD)

Im Jahre 1610 liegt der Maler Michelangelo Merisi da Caravaggio (Nigel Terry) nach einer Bleivergiftung im Sterben. Umsorgt von seinem treuen Assistenten, dem gehörlosen Jerusaleme (Spencer Leigh), blickt er zurück auf sein Leben, seine Jugend, seine Anfänge als Maler und eben jene Affäre, deren tragischer Ausgang ihn noch nach so vielen Jahren beschäftigt. So sieht er sich als jungen Mann (Dexter Fletcher), der sich mit kleineren Diebstählen und seiner Kunst über Wasser hält, und eines Tages von Kardinal del Monte (Michael Gough) entdeckt wird, der ihn unter seine Fittiche nimmt, seine Kunst fördert und ihm Lesen und Schreiben beibringt. Über die Jahre zeigt sich, welch besonderes Auge Caravaggio auszeichnet, der nicht nur religiöse Motive packend darstellt, sondern auch das Leiden von Menschen, wobei er immer wieder auf Prostituierte, Betrunkene oder eben Verbrecher zurückgreift, die ihm für ein wenig Geld Modell stehen. Auf einer weiteren Tour durch die Straßen Roms trifft Caravaggio auf den Schläger Ranunccio (Sean Bean) sowie dessen Geliebte Lena (Tilda Swinton), und die Leidenschaft sowie das Körperliche des Kampfes inspirieren den Maler ungemein.

Die Realität des Künstlers

Sieben Jahre brauchte es, bis Regisseur Derek Jarman die erforderlichen Mittel hatte, um sein Traumprojekt, eine Verfilmung des Lebens des  berühmten Barockkünstlers Michelangelo Merisi da Caravaggio in Angriff zu nehmen. Für das Drehbuch berief man sich auf verschiedene Quellen sowie Gerüchte und Mutmaßungen über die Biografie und die Arbeit des Malers, wobei Jarman beschreibt, dass es ihm nicht auf die Abbildung einer historischen Realität ankam, sondern vielmehr, wie ein Künstler, in diesem Falle Caravaggio, die Realität auslegt. Für Caravaggio gewann Jarman den Silbernen Bären auf der Berlinale 1986 und bis heute gilt dieses Werk als sein bekanntestes.

Auch wenn ihm im Vergleich zu seinen vielen eher experimentellen Projekten ein höheres Budget zur Verfügung stand, beschränkt sich Jarman in Caravaggio dennoch auf einen visuellen wie erzählerischen Minimalismus. Gedreht in stillgelegten Fabrikgebäuden, wirken die einzelnen Szenen hermetisch abgeschirmt, als wären sie an sich schon Gemälde, wie sie der echte Caravaggio gemalt hätte. Die Bilder von Kameramann Gabriel Beristan haben so etwas sehr Konzentriertes, was sich auf den Moment, auf die Figur oder eine bestimmte Handlung bezieht, so, als würde alles andere für einen Augenblick lang ausgeblendet werden. Somit ist Caravaggio anders als das Kostümdrama, was man eigentlich bei einer solchen Prämisse erwartet hätte, wirkt aber auch sehr viel intensiver, so wie die Farben auf den Gemälden des berühmten Malers.

Das Uneindeutige einfangen

An einer Stelle bemerkt der von Nigel Terry gespielte Caravaggio, dass es ihm immer darum ging, etwas einzufangen, was flüchtig und uneindeutig ist. Konsequent spielt er den Maler als einen Getriebenen, der sich von Inspiration zu Inspiration treiben lässt, wie es auch die Struktur des Filmes nahelegt. Gleichzeitig sind es die sinnlichen Genüsse, vom Wein bis hin zur Sexualität, die ihn vorantreiben, ihn zu einem enfant terrible innerhalb der oberen gesellschaftlichen Kreise machen. In der Dreiecksbeziehung, die den Kern des Filmes ausmachen, zeigt sich die Gefahr eines auf Intensität ausgelegten Lebens und Schaffens, was unaufhaltbar auf einen Abgrund hinausläuft und nicht davor abschreckt, auch andere mit hineinzuziehen.

In den Nebenrollen begeistern Sean Bean und Tilda Swinton. Insbesondere Swinton, die hier in ihrer ersten Filmrolle zu sehen ist, gibt eine sehr leidenschaftliche Leistung als eine Frau, die sich ihr Recht auf Leben und Freiheit nicht unstreitig machen will und dafür jede Gelegenheit zu nutzen bereit ist.

Credits

OT: „Caravaggio“
Land: UK
Jahr: 1986
Regie: Derek Jarman
Drehbuch: Derek Jarman, Suso Cecchi d‘Amico, Nicholas Ward-Jackson
Musik: Simon Fisher-Turner
Kamera: Gabriel Beristan
Besetzung: Nigel Terry, Tilda Swinton, Sean Bean, Michael Gough, Dexter Fletcher, Spencer Leigh, Robbie Coltrane

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Caravaggio
„Caravaggio“ ist eine Mischung aus Drama und Künstlerporträt, wobei Regisseur Derek Jarman einen ganz eigenen Weg geht. Mittels eines sehr fokussierten Ansatzes und dank seiner tollen Darsteller gelingt ein faszinierender Film über einen Künstler, der intensiv lebte und voller Leidenschaft, jedoch immer nahe am Verglühen war.
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