Inhalt / Kritik

„Die Addams Family 2“ // Deutschland-Start: 18. November 2021 (Kino)

Für Wednesday hätte der Tag nicht wirklich schlimmer sein können. Als wäre es nicht schon demütigend genug, dass sie sich bei einem Wissenschaftswettbewerb den Sieg mit allen anderen Teilnehmenden teilen muss, taucht auch noch ihre Familie dort auf. Dabei könnte sie auf diese gerade verzichten, schon seit einer Weile fühlt sie sich daheim so richtig fremd. Das bleibt auch ihrem Vater Gomez nicht verborgen, der daraufhin einen großen Familienurlaub plant. Zusammen mit seiner Frau Morticia, Wednesday, ihrem jüngeren Bruder Pugsley und Onkel Fester will er einmal quer durchs Land fahren. Dabei dauert es nicht lange, bis der Roadtrip völlig aus dem Ruder läuft und die Familie sich in den Haaren liegt. Und das ist nicht das einzige, was das gemeinsame Glück zu stören droht, ist ihnen doch ein Anwalt auf den Fersen, dessen Mandanten fest davon überzeugt sind, die wahren Eltern von Wednesday zu sein …

Sie sind wieder da

Willkommene Rückkehr oder überflüssige Leichenfledderei? So ganz konnte man sich da nicht sicher sein, als bekannt wurde, dass die Addams Family zurückkehren würde. Sicher, ganz weg waren sie eigentlich nie. Seit ihrem Debüt in den 1930ern in Form eines Comic-Strips waren sie in zahlreichen Serien und Filmen zu sehen, einige davon, etwa die Kinoadaptionen Anfang der 1990er, waren sehr erfolgreich. Und dann war da auch noch das Musical, das 2010 Premiere hatte und im Anschluss durch die Welt tourte. Richtig groß war der Hype für den Animationsfilm im Vorfeld dennoch nicht – und das obwohl man in der englischen Fassung absurd viele Stars für die Sprechrollen verpflichtet hatte. Am Ende war Die Addams Family aber ein durchaus netter Film, ansprechend präsentiert, die Besucherzahlen waren ordentlich.

Bei Die Addams Family 2 ist das Ergebnis schon etwas ernüchternd. Die deutlich schlechteren Zahlen sind dabei aufgrund der äußeren Pandemie-Zustände noch zu entschuldigen. Der qualitative Rückschritt hätte aber nicht sein müssen. Dabei ist formal eigentlich alles beim alten geblieben. Die Optik ist wie beim letzten Mal ganz ansehnlich, wenn das im Vergleich zu anderen Animationsfilmen geringere Budget durch gelungene Designs wieder ausgeglichen wird. An den Figuren hat sich ohnehin nichts geändert. Zwar bleibt die kultige Grandma dieses Mal auf der Strecke. An familiärem Chaos mangelt es dennoch nicht, da wurde mal wieder aus den Vollen geschöpft. Da passiert eigentlich ständig irgendwas.

Nicht mehr ganz so lustig

Was aber dieses Mal nicht mehr so gut hinhaut, ist die Sache mit dem Humor. Auch in der Hinsicht ist Die Addams Family 2 eigentlich eifrig dabei. Es gibt die kuriosen Figuren, bei denen immer etwas nicht ganz stimmt. Da sind Slapstickeinlagen, teilweise als Running Gags umgesetzt, wenn mal wieder etwas zu Bruch geht, schief geht oder zu peinlichen Situationen führt. Nur: So richtig Grund zum Lachen bieten diese nicht. Dass der Film wie der Vorgänger zwei Jahre zuvor auf eine jüngere Zielgruppe abzielt, mag aus wirtschaftlicher Sicht zu vertreten sein. Schade ist es aber schon, dass da vieles so harmlos geworden ist. Nur hin und wieder wird das Morbide dieser schrecklich nette Familie betont, darf sie tatsächlich richtig schräg sein.

Dabei wäre der Roadtrip eigentlich eine Steilvorlage gewesen, um den Kontrast zwischen der Addams Family und der normalen Welt aufzuzeigen. Doch von dieser bekommt man relativ wenig mit, im Mittelpunkt steht dann doch die Geschichte um die vermeintlich vertauschte Identität Wednesdays. Das spricht dann sicherlich Teilen des jüngeren Publikums aus der Seele, das sich selbst zwischendurch in der Welt und der eigenen Familie fehl am Platz fühlen darf. Die Addams Family 2 wird dadurch eine Art Coming-of-Age-Komödie, die wie schon der erste Teil versöhnlich enden muss. Am Ende ist dann doch alles gut, selbst wenn es das nicht wirklich ist. Manchmal ist das noch immer unterhaltsam, wenn sich der Film auf die Qualitäten und Stärken der Figuren besinnt. Aber das geschieht zu selten, zu oft ist die Familie aus Sonderlingen, das Aussehen einmal ignoriert, doch recht gewöhnlich. Um das auszugleichen, wurde drumherum die Geschichte aufgebauscht bis hin zu einem absurden Finale. Das ist dann zwar schon witzig, hat aber nicht mehr viel mit dem zu tun, wofür die Addams Family eigentlich steht.

Credits

OT: „The Addams Family 2“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Greg Tiernan, Conrad Vernon
Drehbuch: Dan Hernandez, Benji Samit, Ben Queen, Susanna Fogel
Musik: Mychael Danna, Jeff Danna
Animation: Nitrogen Studios

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Die Addams Family 2
Bei „Die Addams Family 2“ geht es diesmal auf eine große Rundreise. Inhaltlich ist der Film jedoch ein Rückschritt: Die Gags zünden oft nicht so recht, der Film ist oft zu gewöhnlich, nur um dann zu eskalieren. Das ist noch immer hübsch anzusehen, aber noch mehr als beim Vorgänger zwei Jahre zuvor eine Verschwendung des Potenzials.
5von 10
Leserwertung: (2 Votes)
8.2

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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