In Wonders of the Sea taucht Regisseur Jean-Michel Cousteau mit uns in die Tiefen des Meeres und präsentiert uns gemeinsam mit Erzähler Arnold Schwarzenegger die Schönheit dieser Unterwasserwelt. Wir haben uns anlässlich des Kinostarts am 7. Oktober 2021 mit dem berühmten Taucher unterhalten.

 

Was war Ihre Motivation, den Dokumentarfilm Wonders of the Sea zu drehen?

Ich bin mittlerweile 83 Jahre alt. Ich habe vor 75 Jahren mit dem Tauchen begonnen und ich werde nie damit aufhören. Ich werde immer wieder gefragt, was mein bester Tauchgang war. Ich antworte immer: „Der Nächste!“ Und das meine ich auch wirklich so, denn jedes Mal, wenn ich tauche, entdecke ich etwas Neues. Eine neue Spezies oder ein anderes Verhalten der Lebewesen, die ich schon länger beobachte. Daher war meine Motivation bei dem Film Wonders of the Sea, neue Technologien zu nutzen, um in 3D zu zeigen, was unter Wasser lebt und wie alles miteinander verknüpft ist. Es war eine wunderbare Möglichkeit, einem größeren Publikum zu zeigen, was sie sonst vielleicht nicht sehen werden. Einiges davon hatte selbst ich davor noch nie gesehen. Es ist eine Freude zu wissen, dass der Film nun auch in den Kinos in Deutschland gezeigt wird. Gerade jungen Menschen hilft dieser Film vielleicht dabei, fundierte Entscheidungen zu treffen, was ihr Verhalten in der Natur betrifft. Denn wir alle sind auf den Ozean und das Wasser angewiesen. Ich möchte den Menschen die Schätze zeigen, die sich im Ozean befinden. Nicht alle haben das Privileg, selbst zu tauchen und das selbst zu sehen.

Was können wir tun, um das Meer zu schützen?

Wir müssen verstehen, dass es nicht nur wichtig ist, Müll zu reduzieren, sondern auch den vorhandenen Müll aus dem Meer zu fischen. Und es geht nicht nur um den klassischen Müll. Es gibt vieles, über das im Alltag nicht nachgedacht wird, zum Beispiel, wenn man eine Aspirintablette gegen Kopfschmerzen nimmt. Letztendlich landet diese Chemie im Abwasser und am Ende im Ozean. Sehr viele Meereslebewesen leiden unter den Chemikalien. Es gibt Schildkröten, die aufgrund von Chemikalien Krebs bekommen und sterben. Dagegen kann jeder etwas tun. Auch Kinder können bereits zu einer Verbesserung der Situation beitragen, indem sie Fragen stellen, sich informieren und diese Informationen auch an ihr Umfeld weitergeben. Durch meinen Vater (Anm. der Reaktion: Jacques Cousteau) habe ich schon als Kind angefangen zu tauchen und bin sehr früh mit dem Thema „Schutz der Meere“ in Berührung gekommen. Deshalb: Auch junge Menschen können einen Unterschied machen.

Wie kann das konkret gelingen?

Kommunikation und Bildung sind die wichtigsten Faktoren. Wir müssen dazu beitragen, dass die Menschen mehr über den Ozean erfahren und die Zusammenhänge verstehen. Denn nur wenn wir etwas verstehen, sind wir auch motiviert, das Notwendige zu tun, um die Natur zu bewahren und zu schützen. Deshalb hoffe ich, dass unser Film dazu beiträgt, die Begeisterung für die Unterwasserwelt zu entfachen und zu verdeutlichen, dass alles zusammenhängt und wir Menschen von der Natur abhängig sind.

Was motiviert Sie, immer weiterzumachen?

Meine Mission lautet: Wenn du den Ozean rettest, rettest du dich selbst. Wenn wir als Spezies verschwinden, wird die Natur weiter existieren. Wir haben dieses unglaubliche Privileg, entscheiden zu können, dass wir nicht von der Erde verschwinden wollen. Für mich ist das eine Ehre, auf dieser Erde zu leben. Deshalb versuche ich den Ozean zu schützen.

Was ist Ihre Vision für die Zukunft?

Ich möchte neue Lebewesen finden, um sie auch schützen zu können. Ich möchte verstehen, warum sie sich wie verhalten. Und ich möchte neue Technologien, die erforscht werden, nutzen, um die Umwelt zu schützen. So viele Menschen forschen gerade nach neuen Technologien. Das ist großartig, aber eben auch absolut notwendig. Der Zeitfaktor ist essentiell. Die Bevölkerung wächst jedes Jahr und damit auch der Druck auf die Umwelt. Schließlich hängt alles zusammen. Jedes Mal, wenn aufgrund von uns Menschen eine Spezies ausstirbt, braucht die Natur Zeit, zu adaptieren und das Gleichgewicht wieder herzustellen. Oft klappt das, aber manchmal eben nicht. Dabei ist das so wichtig, denn die Diversität an Lebewesen ist gleichbedeutend mit der Stabilität unseres Ökosystems.

Was ist Ihr nächstes Projekt?

Ich habe so vieles vor. Aber vor allem möchte ich mein 75-jähriges Tauchjubiläum feiern, indem ich zu ein paar der Plätze zurückkehre, an denen ich getaucht bin, um zu sehen, ob und wie sie sich im Laufe der Zeit verändert haben.

Vielen Dank für das Gespräch!



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